„Sorgekunst ist Lebenskunst“

„Sorgekunst ist Lebenskunst“
Themenabend „Altwerden in Würde?“ mit Pfarrerin Beate Jung-Henkel

Pfarrerin Beate Jung-Henkel (rechts) war zum Themenabend „Altwerden in Würde“ in das evangelische Gemeindehaus nach Walluf gekommen.

Walluf. (mh) – „Altwerden in Würde?“ lautete der Titel das Vortrags mit anschließender reger Diskussion im Rahmen der Themenabende der evangelischen Heilandsgemeinde Walluf, zu dem Pfarrerin Bettina Friehmelt ihre Kollegin Beate Jung-Henkel, Vorsitzende des ökumenischen Hospiz-Dienstes Rheingau e.V., im Gemeindehau willkommen hieß.

Wie Pfarrerin Jung-Henkel zu dem von ihr geführten Verein ausführte, wurde dieser im Februar 1999 zunächst als Hospiz-Initiative in evangelischer und katholischer Trägerschaft gegründet.

Vor dem Hintergrund des christlichen Welt- und Menschenbildes setze er sich dafür ein, „dass todkranke Menschen bis zum letzten Augenblick in ihrer gewohnten Umgebung und in Würde möglichst ohne Schmerzen und sonstige belastende Symptome leben können“.

Dabei stehe „der kranke Mensch mit seinen körperlichen, seelischen, sozialen und spirituellen Bedürfnissen im Mittelpunkt“. Eine Zusammenarbeit bestehe unter anderem mit dem St. Josefs-Hospital in Rüdesheim, „denn Palliativmedizin und Hospizarbeit gehören zusammen“. Ferner mit Hausärztinnen und Hausärzten sowie mit Seelsorgerinnen und Seelsorgern der Kirchengemeinden.

Ein wichtiges Projekt der Arbeit des Vereins sei gewesen, die Sorgen und Nöte alter Menschen in den Blick zu nehmen, „denn wenn man nicht mehr kommen könne, komme man nicht mehr in der Gesellschaft vor“, höre sie immer wieder. Die dabei in Anspruch genommene wissenschaftliche Beratung habe sich als „sehr positiv“ erwiesen.

Vom Verein angebotene Vorträge und Seminare seien von Betroffenen und Pflegenden rege angenommen worden, um essentielle Probleme vortragen zu können. Diese haben dazu beigetragen, „dass Ängste und Sorgen sich verringert haben und viele Betroffene ihre Situation an Ende ihres Lebens besser einzuschätzen wussten“.

Für diese seien vor allem die Themen „Einsamkeit“, „Endlichkeit und mit wem man darüber reden kann“, „Demütigung im Alltag“ und die Frage des würdevollen Umgangs von besonderer Wichtigkeit. Dabei werde die Würde des Menschen bereits im Grundgesetz als „unantastbar“ postuliert. Um mögliche Maßnahmen auf kommunaler Ebene vornehmen zu können, seien auch Bürgermeister zu Gesprächen zu diesen Themen eingeladen worden.

Um dem Thema „Altwerden in Würde“ gerecht zu werden, erläuterte Pfarrerin Jung-Henkel die körperliche, psychische, soziale und spirituelle Dimension. Diese zu beherzigen sei vor allem für Angehörige wichtig, die Pflegeleistungen erbringen. Dazu zählten eine freundliche und wertschätzende Pflege, keine Anwendung von Zwangsmaßnahmen, wie beispielsweise beim Essen, die Wahrung der Intimität der Betroffenen, das Gespräch mit ihnen über ihre Zukunft und noch zu treffende Regelungen. Aber auch die Frage nach der Krankheit und warum man diese überhaupt bekommen hat. Weil auch alte Menschen spirituelle Fragen haben, komme den Kirchen hierbei eine besondere Aufgabe zu.

Als einen wichtigen Bestandteil der Arbeit ihres Vereins nannte Jung-Henkel die Sorgekunst, die sie gerne als „Lebenskunst“ bezeichne. Dabei gehe es um Sorge am Ende und inmitten des Lebens sowie einer Sorge um sich mit Anderen für Andere. Dafür benötigten zu Pflegende und ihre Angehörigen unter anderem Zeit, um Dinge zu regeln sowie auch Zeit, um gemeinsame Erinnerungen auszutauschen.

Wie sie vorrechnete, werden etwa ein Fünftel alter und kranker Menschen im heimischen Umfeld gepflegt. Etwa zwei Drittel der Pflegenden seien berufstätig. Rund 70 Prozent davon seien Frauen. Dies bedeute, „dass Angehörige den größten Pflegedienst der Nation bilden“. Das bedeute gleichzeitig aber auch eine große psychische wie auch physische Belastung für die Angehörigen.

Obwohl es eine Vielzahl an Entlastungsangeboten gebe und darüber auch im Rheingau Echo berichtet wird, seien diese Angebote vielen Pflegenden nicht bekannt. Es gebe auch Angehörige von zu Pflegenden, die keine Hilfe von außen in Anspruch nehmen wollten. Viele seien zwischen „Hilfe und Hilfslosigkeit“ hin- und hergerissen.

„Es gibt aber auch viele schöne Erfahrungen“, so Pfarrerin Beate Jung-Henkel. Dazu zählten Berichte von Angehörigen, wie wichtig es ihnen ist, einen Angehörigen zu pflegen, ihnen dabei näher kommt und sogar bestehende Konflikte beseitigen kann. Dabei sei es wichtig, den Weg mitzugehen und Zeit zu haben. Wichtig sei aber auch, äußere Hilfe in Anspruch zu nehmen, auch wenn dies in manchen Fällen sehr schwer sei.

Eine große Bedeutung ist ferner die Hilfe zupackender Nachbarn und Freunde von pflegebedürften Menschen, nicht nur in Notsituationen. Dies reiche beispielsweise vom Vorlesen aus einer Zeitung bis zum Einkauf. Allgemein gelte es, achtsam zu sein und anderen eine der jeweiligen Situation angemessene Hilfe anzubieten.

In der sich anschließenden Diskussion erwies es sich als für das Thema sehr bereichernd, dass einige der Gäste aus eigener Erfahrung mit der Pflege von Angehörigen berichten konnten.

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