Die weltweit größte ökumenische Bewegung
Christliche Frauen aus Surinam bereiteten Gebet für mehr als 120 Länder vor

Ursula Müller-Mack und Maike Schulz vor einem Plakat, dass eine Zeichnung von Maria Sybilla Merian zeigt.

Walluf. (ak) – „Gott hat die Welt wunderbar geschaffen“, begrüßte Maike Schulz vom Kirchenvorstand der Heilandsgemeide und Mitgestalterin des Weltgebetstages, die zahlreichen Frauen im Gemeindezentrum.

Vor über 130 Jahren schlossen sich christliche Frauen in den USA und Kanada zu einem konfessions-übergreifenden Gebet zusammen, dem Weltgebetstag. Daraus ist die größte ökumenische Bewegung weltweit entstanden. Diese Frauen setzten schon damals wichtige Zeichen für Frieden, Versöhnung, Gleichberechtigung und Umweltschutz.

 

Der Weltgebetstag wird jedes Jahr von christlichen Frauen aus einem anderen Land vorbereitet und in mehr als 120 Ländern rund um den Globus gefeiert. Dieses Jahr kommt dieses weltumspannende Gebet aus Surinam. Zur Verbundenheit miteinander bekamen alle Besucher ein türkises Stoffbändchen mit der Aufschrift: „Weltgebetstag 2018 Surinam – Gottes Schöpfung ist sehr gut!“ Maike Schulz erklärte: „Weltgebetstag heißt informiert beten. Im Gottesdienst sind zu wenig Informationen über Surinam, deshalb gibt es dieses Jahr zum ersten Mal eine Vorabinformation und anschließend gehen wir zum Gottesdienst in die Kirche. Danke an Ursula Müller-Mack, die uns nun profund über Surinam informieren wird.“

Der Vortrag über das kleinste Land Südamerikas, dass 8.000 Kilometer von Deutschland entfernt liegt, wurde durch Fotos bereichert. Surinams Fläche entspricht nur einem Drittel von Deutschland und es hat 500.000 Einwohner. Der Großteil der Bevölkerung lebt in Küstennähe, die meisten in der vom UNESCO Weltkulturerbe geschützten Hauptstadt Paramaribo. Dort steht eine Synagoge neben einer Moschee und christliche Kirchen in der Nähe eines Hindutempels. Christen, Hindus und Muslime leben dort friedlich zusammen.

In Surinam herrscht subtropisches Klima und über 90 % des Landes sind vom Regenwald bedeckt, es gibt hier eine reiche, vielfältige Tier-und Pflanzenwelt. Der Weltgebetstag greift auch das Thema Vielfalt auf, die Surinamerinnen nennen sich selbst „Moksi“, das heißt „Mischmasch“ denn sie bestehen aus vielen verschiedenen Ethnien.

Ein Teil der Bevölkerung ist afrikanischer Herkunft, sie nennen sich Maroons und sind die Nachfahren von geflüchteten Sklaven. Andere Bevölkerungsteile kommen aus Indien, Java, China, arabischen Ländern und Europa. Bis 1975 war Surinam holländische Kolonie. Im Jahr 1980 gab es einen Militärputsch und Desi Bouterse übernahm die Macht. Auch heute noch wird das Land durch ihn regiert, allerdings wird er mittlerweile bei Parlamentswahlen von der Bevölkerung gewählt.

Surinam lebt vom Export seiner Rohstoffe, Bauxit und Gold. Zur Goldgewinnung wird Quecksilber verwendet. Die jährliche Goldproduktion liegt bei 20 Tonnen, weltweit werden 3.100 Tonnen gefördert.

„Wie viel Gold brauchen wir Westler, wir müssen hier zur Umkehr aufgefordert werden“, mahnte Ursula Müller-Mack. Das Land Surinam ist hoch verschuldet. Die Sozialsysteme brechen zusammen. Die Frauen und Kinder sind die leidtragenden, viele Frauen sind alleinerziehend. Die Männer leben nicht bei ihren Familien, sie schürfen Gold.

Der katholische Bischof von Paramaribo, Karel Choennie, hat sich mit einem Hirtenwort öffentlich an die politischen Entscheidungsträger in Surinam gewandt. Er forderte, mit Bezug auf den Bibeltext des Weltgebetstags 2018, „Und Gott hat alles gut geschaffen“ (Gen 1,31), dem illegalen Goldabbau im Landesinneren Einhalt zu gebieten. Dieser Abbau ist den Politikern bekannt, aber sie sind nicht fähig die gesetzlichen Vorschriften umzusetzen. Er warnte vor den Folgen des Goldabbaus mit Quecksilber, dass dadurch nicht nur in Flüsse und Fische gelangt. Durch wissenschaftliche Untersuchungen wurden gesundheitsgefährdende Mengen, die zu Gehirnschädigungen führen können, auch in 70 bis 100 Prozent der schwangeren Frauen und der Kinder festgestellt.

„Jetzt lasst uns im Beten an die Menschen dort denken und uns mit ihnen solidarisieren“, forderte Müller-Mack die Gemeinde auf.

Nach dem Gottesdienst gab es im Gemeindezentrum ein Büfett mit Speisen aus Surinam.

Nach dem Essen sprach Ursula Müller-Mack über die Frankfurterin Maria Sybilla Merian, die 1699 zu einer zweijährigen Forschungsreise nach Surinam aufbrach. „Diese Reise war so unglaublich als würde man heute auf den Mond fliegen“, erklärte die Vortragende und zeigte Kupferstiche, die die Künstlerin und Naturforscherin in Surinam gemacht hatte und damit Eindrücke aus einer anderen Welt ins Europa des Jahres 1701 brachte.

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