„Sport gemeinsam erleben“

„Sport gemeinsam erleben“
Turngesellschaft Johannisberg einer der mitgliederstärksten Vereine der Region

In den Anfängen des Vereins war der Sport den Männern vorbehalten.

Johannisberg. (sf) – Mit dem Beginn des neuen Jahres häufen sich jedes Jahr auch die Vorsätze, mehr Sport zu machen und dem Körper Gutes zu tun. Dafür braucht es keine teuren Anmeldungen in Fitnessclubs, vielmehr lässt sich Sport in der Gemeinschaft in den örtlichen Turnvereinen erleben. Die Sport- und Turnvereine sind dabei längst nicht bei „Turnvater Jahn“ stehen geblieben: Moderne und trendige Sportangebote gibt es in den Vereinen, die ehrenamtlich geleitet werden und auch noch das gesellige Leben fördern.

 

Wie in Johannisberg, wo das Motto der Turngesellschaft Johannisberg 1884, „Sport gemeinsam Erleben“, bei der Bevölkerung großen Anklang findet. Denn mit 650 Mitgliedern ist die Turngesellschaft einer der mitgliederstärksten Vereine der Region.

Kein Wunder: Geselliges Leben wurde im Weindorf Johannisberg stets großgeschrieben und so wurde wahrscheinlich die Idee, gemeinsam Sport zu treiben und nach Vorbild des damals sehr populären Turnvaters Jahn gemeinsam zu turnen, bei einem Glas Wein geboren. Aus einer zuerst „wilden“, also einer verbandsunabhängigen Männerturngruppe um 1870, entstand am 25. Mai 1884 die Turngesellschaft Johannisberg. In den Anfängen des Vereins war der Sport den Männern vorbehalten, die sicherlich die Gelegenheit zur Geselligkeit auch nach dem Sport zu nutzten wussten. Geturnt wurde damals im gepflasterten Hof der „Köllner Villa“. Ohne Sicherung durch Matten, heute undenkbar, turnte man am Barren und Turntisch. Die Turnbewegung nahm schnell an Fahrt auf und schon 1895 wurde in Johannisberg das Gauturnfest ausgerichtet.

Durch die Ersteigerung des heutigen Vereinsgeländes im Jahr 1906 erhielt der Verein die Möglichkeit, seine Turngeräte im selbstgezimmerten, auf dem Vereinsgelände errichteten Schuppen unterzubringen. Nur drei Jahre später wurde der Bau einer eigenen Turnhalle erwogen. Doch der Plan konnte wegen des 1. Weltkrieges nicht umgesetzt werden. Trotz der widrigen Umstände konnte in der Zeit zwischen den Weltkriegen das Vereinsprogramm nicht nur aufrecht erhalten, sondern sogar ausgebaut werden und auch Frauen fanden erstmals ihre Heimat im Verein. Während des 2. Weltkrieges ruhte das Vereinsgeschehen dann komplett. Erst im August 1946 konnte das Vereinsleben wieder aufgenommen werden und nun wurde auch der Bau einer Sporthalle auf dem Vereinsgelände umgesetzt.

Mit der Einweihung der Vereinshalle 1956 und der Erweiterung um Umkleide- und Waschräume sowie dem Anbau eines Geräteraumes konnten im Laufe der nächsten Jahre das Vereinsangebot und die Mitgliederzahlen gesteigert werden. Die Errichtung der Schulturnhalle, die der Verein mit diversen Hallenzeiten nutzen kann, und die inzwischen modern ausgestattete und renovierte Vereinshalle ermöglichen ein breitgefächertes Angebot.

Mit trendigen Angeboten wie Bauch-Beine-Po und Step-Aerobic, Faszientraining, Damengymnastik, Pilates, Tischtennis, Kinderturnen in verschiedenen Altersklassen und vor allem mit inzwischen sechs Angeboten im Bereich „Sport in der Prävention“, die durch die Krankenkassen zertifiziert sind, werden die Hallenzeiten ausgiebig genutzt. Außerdem kann die vereinseigene Halle gemietet werden und die Einnahmen kommen dem Verein zugute. Die Halle verfügt auch über eine Hausmeisterwohnung, der jeweilige Mieter pflegt die Vereinshalle und das Gelände.

Sportlich kümmert der Verein sich um vier Generationen, denn nicht nur die Kleinsten können schon beim Eltern-Kind-Turnen Spaß an Bewegung kennen lernen. Um auch den älteren Mitgliedern eine sportliche Basis bieten zu können, wurde 1994 die Seniorenwandergruppe gegründet, die inzwischen 48 Mitglieder zählt und fast 4.300 Kilometer erwandert hat. Beachtenswert ist dabei der Altersdurchschnitt von inzwischen 80 Jahren. Das Erfolgsmodell wurde 2014 um eine weitere Wandergruppe erweitert und das Angebot Nordic Walking rundet das Outdoor-Vergnügen ab.

„Weg vom Wettkampfgedanken hin zum Spaß an der Bewegung ist der Leitgedanke, der sich in unseren sportlichen Angeboten widerspiegelt. Sport soll Freude bereiten und deshalb kommt auch der gesellige Gedanke in der TGJ nicht zu kurz – ganz im Sinne der Vereinsgründer“, so der aktuelle Vorstand der Johannisberger Turner mit seiner Vorsitzenden Steffi Schweiger an der Spitze.

Deutlich wird das beim jährlichen Glühweintreff beim Lagerfeuer, dem Sportlerball oder den vielen kleinen und großen Festen der einzelnen Kurse. „Es geht auch nach dem Sport gesellig zu“, so die Johannisberger Turner. Denn auch die Mitglieder zeigen bei den jährlichen, sehr gut besuchten Mitgliederversammlungen ihre Unterstützung für die Vereinsarbeit, die sich, im Zeichen des demographischen Wandels, zunehmend auch der älter werdenden Bevölkerung zuwendet. Dabei steht das ehrenamtliche Engagement im Mittelpunkt, wie auch die Verleihung des Landesehrenbriefs an Irmgard Miltenyi im vergangenen Jahr für langjährige Vorstandsarbeit in der TGJ und im Sportkreis zeigte.

Nur durch diese ehrenamtliche Arbeit können zum Beispiel die Mitgliedsbeiträge moderat gehalten werden: Der Einzelbeitrag beträgt 40 Euro im Jahr, eine ganze Familie zahlt 100 Euro. Die Vorstandsarbeit mit vielfältigen Aufgaben, sowohl im Sportbetrieb wie auch im administrativen und repräsentativen Bereich, werden in Teamleistung erbracht. „Dabei haben einzelne Vorstandsmitglieder Arbeitsschwerpunkte, wie Schriftverkehr oder Kassenführung. Der Vorstand hat die Aufgaben der letzten Jahre, wie Datenschutz, SEPA-Umstellung und Arbeitsrecht, erfolgreich umgesetzt und nach Satzungsänderungen und Umstellung aller Mitarbeiterverträge befindet sich die Vereinsführung auf dem neuesten Stand“, erklärt die Vorsitzende. Seit dem Jahr 2000 ist Steffi Schweiger aktiv im Vorstand tätig, davon zwölf Jahre als 1. Vorsitzende. „Die Arbeit im Vorstandsteam hat stets viel Freude bereitet und hat mir als 1. Vorsitzende neben der gesellschaftlichen Einbindung auch viele Kontakte in Sport und Politik ermöglicht“, sagt die Vorsitzende, die aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen bei der nächsten Jahreshauptversammlung von ihrem Amt zurücktreten will. Rechtzeitig will sie dies bekannt geben, damit ein neuer 1. Vorsitzender und ein neuer Schatzmeister in die Vorstandsarbeit eingearbeitet werden können. „Ich bin auch der Überzeugung, getreu dem Motto 'neue Besen kehren gut', dass der Verein von frischen Ideen profitieren wird. Der Fortbestand des Traditionsvereins liegt mir und dem jetzigen Vorstand sehr am Herzen“, resümiert sie.

Die Suche nach einem neuem Vorsitzenden gestalte sich sehr schwierig und dauere bereits zwei Jahre, berichtet Steffi Schweiger. „Viele geeignete Personen wurden angesprochen. Die Resonanz war durchweg negativ.“. Mittlerweile habe man sogar eine Findungskommission gegründet, die die Suche koordinieren soll. Und die Jahreshauptversammlung wurde wegen der schwierigen Situation auf Mai verschoben. Falls dann immer noch kein neuer Vorstand gefunden wird, würde nach einer Übergangszeit das Amtsgericht einen rechtlichen, zu bezahlenden Vertreter des Vereins, also einen externen Juristen, bestimmen. „Dieser wird, sollte sich weiterhin kein Vorstand finden, den Verein auflösen und abwickeln. Dadurch würde das gesamte Vermögen, das Vereinsgelände mit Turnhalle und das Barvermögen an die Stadt Geisenheim fallen“, berichtet der Vorstand. Und vor allem würde den Johannisberger Bürgern ein großes Stück Lebensqualität mit Sport vor Ort, Geselligkeit oder auch Kinderbetreuung verloren gehen.

Weitere Artikelbilder:

Noch keine Bewertungen vorhanden

Neueste Kommentare

100 Prozent Öko-Strom für E-Stromer
4 Wochen 22 Stunden
Sicher radeln von Assmannshausen bis nach …
25 Wochen 6 Tage
Sicher radeln von Assmannshausen bis nach …
26 Wochen 4 Tage
Sicher radeln von Assmannshausen bis nach …
27 Wochen 17 Stunden
Musik aus der Zeit des Hattenheimer Geigerkönigs
1 Jahr 9 Wochen


X