Kommunen für den Katastrophenfall unzureichend gewappnet

Rheingauer Unternehmen CPN Satellite Services GmbH sichert Kommunikation im Ernstfall via Satellit

Thomas Nicolai (I.) und Christian Nicolai (r.) demonstrieren, wie sich die Technik verkleinert hat, von Kohls Telefonkoffer bis zum handlichen lridium® Satellitentelefon im Transportkoffer.

Viele Rheingauer helfen derzeit im Ahrtal die Folgen der Flutkatastrophe zu bewältigen. Als in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli in Teilen der Bundesrepublik in kürzester Zeit mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter fielen, wurden in der Folge verheerende Schäden durch Flutwellen angerichtet, vor denen die Bevölkerung nicht frühzeitig gewarnt worden war. Das kostete auch Menschenleben. Im Ahrtal wurden Häuser, Straßen, Strom- und Gasleitungen und Gleisanlagen weggespült. Innerhalb kürzester Zeit wurde die komplette Infrastruktur eines Landstrichs zerstört. Für die beiden Rheingauer Thomas und Christian Nicolai, Geschäftsführer und Gesellschafter der CPN Satellite Services GmbH in Winkel, war sofort klar, dass damit auch die Kommunikationswege weggebrochen sind, über die man ansonsten Hilfe organisieren kann. Über den heimischen Bundestagsabgeordneten boten sie deshalb an ihre Satellitentelefone, die sie als Mietgeräte vorhalten, den Hilfskräften kostenlos zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus hatten sie mit dem Hersteller Kontakt aufgenommen, um weitere Geräte direkt einsatzbereit ins Krisengebiet zu bringen. Angesichts der katastrophalen Zustände war man allerdings in Winkel enttäuscht, dass es auf dieses Angebot nur eine verzögerte Reaktion gab. Erst Tage später gab es eine Anfrage, die aber zurückgezogen wurde, als man feststellte, dass die Kanzlerin bei ihrem Besuch im Ahrtal mittlerweile Handy-Empfang hatte.

Dem vorausgegangen waren allerdings Tage, in denen die Einsatzkräfte Erkundungsteams mit Stift und Papier in die Orte an der Ahr schicken mussten, um die Schäden zu notieren, ohne direkt telefonische Rückmeldung geben zu können. Das hätte so nicht sein müssen, sind Thomas und Christian Nicolai überzeugt. Für solche Katastrophensituationen haben sie genau die passende Technik, welche eine permanente Kommunikation der Einsatzkräfte via Satellit ermöglicht und damit die Koordination der notwendigen Maßnahmen erleichtert.

Kommunikationssicherheit

Denn die Erfahrung zeige, dass gängige Kommunikationsnetze, wie Festnetz, Mobilfunk und Internet, im Katastrophenfall meistens überlastet sind oder eventuell ausfallen. Als Beispiele werden u.a. die Vorkommnisse im Münsterland 2005 sowie die durch Kyrill verursachten Schäden in 2007 angeführt. Die permanente Verfügbarkeit von Sprach- und Datenkommunikation entscheidet aber im Ernstfall darüber, wie schnell die Einsatzkräfte das Krisengebiet erreichen und Menschen helfen können. In den chaotischen Frühphasen einer Katastrophe ist daher die Kommunikationsausrüstung eines der wichtigsten Hilfsmittel. In Notfällen, wie z.B. bei lang andauernden Stromausfällen, ist nach kurzer Zeit in vielen Bereichen des öffentlichen Festnetzes keine Sprachkommunikation oder Datenübertragung mehr möglich, da sowohl Relaisstationen als auch Endgeräte nicht mehr mit der notwendigen Betriebsspannung versorgt werden. Nach einigen Stunden fallen dann auch über USV versorgte interne Festnetze aus. Weiterhin können bei einem solchen Stromausfall Mobilfunkbasisstationen die Kommunikation in den entsprechenden Funkzellen nicht mehr aufrechterhalten, wenn sie nicht über geeignete langfristig verfügbare Notstromversorgung verfügen. Eine weitere Problematik stellt die starke Netzbelastung von Mobilfunknetzen durch erhöhte Nutzung dar. Die mangelnde Priorisierung der SIM-Karten für Einsatzkräfte im Mobilfunknetz macht dieses Medium im Ernstfall zusätzlich zu einem unzuverlässigen Werkzeug.

CPN bietet Hilfe aus dem All

Die Satellitenkommunikation stellt nicht nur die einzige Alternative zu allen terrestrischen Kommunikationsnetzen dar. Sie erlaubt auch eine Infrastruktur, die gängige Netze aufgrund technischer Beschränkungen nicht bieten können. Das hat man im Rheingau früh erkannt. Denn der Bruder der heutigen Gesellschafter der Firma CPN, Peter Nicolai, hat bereits vor über 30 Jahren das Unternehmen, damals noch unter dem Namen Peter Nicolai Satcom, gegründet. Inspiriert wurde er dafür auf einer Messe des Satellitenproviders Inmarsat in London.

Nachdem 1995 Peter Nicolai bei einem Unfall verstarb, übernahmen Christian Nicolai und sein Bruder Thomas, der zu der Zeit noch selbstständig eine IT-Supportfirma führte, die Führung des Unternehmens unter dem Namen CPN Satellite Services. Zu den ersten Kunden zählte übrigens Kurt Biedenkopf, der nach der Wende als neu gewählter Ministerpräsident in Sachsen das Problem hatte, dass es zwischen Ost- und West-Deutschland keine ausreichenden Telefonverbindungen gab. Seine Staatskanzlei in Dresden wurde deshalb mit einem Satellitentelefon ausgestattet.

Seit den Anfangsjahren hat sich viel getan. War die Satellitenkommunikation zunächst vor allem für den maritimen Einsatz auf Handelsschiffen gedacht, wurde sie durch immer kleiner werdende Geräte auch für den mobilen Einsatz auf dem Land interessant. Erste tragbare Telefone wogen aber immer noch gut 100 kg und benötigten große Antennen. Später passte die Technik in einen handlichen Samsonite-Koffer, von denen auch der damalige Bundeskanzler Kohl stets zwei Stück von der Rheingauer Firma CPN dabei hatte. Heute sind Satellitentelefone in etwa so groß wie normale Handys.

Aus dem Rheingau in alle Welt

Ursprünglich war CPN ein reines Handelsunternehmen für Geräte und Kommunikationsdienstleistung. Doch vor etwa 20 Jahren zeichnete sich zunehmender Bedarf an besonderen Spezifikationen ab. Spezialanforderungen für die Notfallkommunikation wurden zum Beispiel von Energieversorgern an das Unternehmen herangetragen. Deshalb hat CPN auch eigene Entwicklungen vorangetrieben, wie staub- und wasserfeste Gehäuse. Denn im Normalfall sind Satellitengeräte nur spritzwassergeschützt. Doch mittlerweile hat CPN seit vielen Jahren Geräte, die rund um die Uhr in Betrieb sind, völlig wetterfest ausgestattet, ein neues Produktdesign entwickelt, Notstromversorgung integriert und Schutzgehäuse als erfolgreiches Produkt in aller Welt etabliert. So sind die Geräte auch für den Extremfall gerüstet.

Nachdem der Satellitenbetreiber Inmarsat auf das kleine Unternehmen im Rheingau wegen eines Projekts auf dem Öl- und Gasmarkt in den USA zukam, um hier ein neues Gehäuse zur sicheren Unterbringung der Satellitentechnik zu entwickeln, sorgte das für Aufsehen in der Branche. Ein bruchfestes und wasserdichtes glasfaserverstärktes Polyestergehäuse mit TÜV- Abnahme war das Ergebnis. Aus den zunächst 180 angefragten Geräten wurden über 3.000 - mit überzeugenden Eigenschaften. Heute bietet CPN modulare Produkte für ganz unterschiedliche Anforderungen z.B. für Kühlung, Wärmezufuhr, GSM-Einbindung etc. Das Produkt ist immer individuell an den Bedarf der Kunden anpassbar. Mittlerweile betreut CPN weltweit Kunden aus verschiedenen Branchen. Auch mit der Firma Wachendorff Prozesstechnik in Geisenheim gab es ein gemeinsames Projekt zur Wasseraufbereitung in Namibia. Es werden aber auch für Geräte, die man ansonsten in Fahrzeuge einbaut, Spezialkoffer entwickelt, die einen mobilen Einsatz ermöglichen und einfach zu bedienen sind. Ein solcher Koffer ist dann innerhalb von Minuten als Kommunikationseinheit einsatzbereit, weil seine Antenne nicht mehr manuell auf einen Satelliten ausgerichtet werden muss, was in einer hektischen Situation sonst für zusätzlichen Stress sorgen könnte.

Support für die Katastrophenfall

Ein wichtiger Aspekt für Satellitentelefonie ist der Katastrophenfall. Üblicherweise verkauft man solche Geräte für Fälle, die hoffentlich niemals eintreten, ist sich Thomas Nicolai bewusst. Und so wird das Thema Notfallkommunikation via Satellit leider häufig stiefmütterlich behandelt. Nicht alle Kommunen und Landkreise sind mit der notwendigen Technik ausreichend ausgestattet, manche verfügen über keine satellitengestützten Lösungen. Es kommt vor, dass die Geräte kaum gewartet werden, bei Personalwechseln keine Einweisung in die Nutzung stattfindet oder dringende Updates für die Geräte nicht erfolgen. Hier möchte das Unternehmen sensibilisieren und steht Interessenten und Kunden beratend zur Seite. Für die Einweisung in die Technik werden Workshops angeboten und bei Bedarf übernimmt CPN auch das Aufspielen von wichtigen Software Updates und die Überprüfung der Funktionstauglichkeit. Die dringende Notwendigkeit einer krisensicheren Kommunikation wurde bei Energieversorgern sehr früh erkannt. In diesem Punkt seien gerade die Energieversorger in ihren Katastrophenplänen Kommunen, Bund und Ländern weit voraus, weiß auch Christian Nicolai aus vielen Gesprächen. Denn gerade den Versorgern sei bewusst, was ein flächendeckender Stromausfall bedeutet und dass ohne Kommunikation das zwingend erforderliche koordinierte Hochfahren von Netzen nach einem Schadensereignis gar nicht möglich wäre. Ausfallsicherheit ist hier ein wichtiges Argument und Konzepte mit Satellitenkommunikation werden wie eine Art Versicherung für den Notfall behandelt. Denn natürlich gebe es monatliche Betriebskosten wegen der Verträge mit den Satellitenbetreibern, wobei man für die Kunden die günstigsten Konditionen im Blick habe. Im Notfall seien diese Kosten für die Unternehmen aber vernachlässigbar, weil der Betrieb aufrechterhalten oder Ausfallzeiten geringgehalten werden können. Gerade im kommunalen Bereich scheine man aber sorgloser mit dem Thema umzugehen.

Dass Mobilfunknetzbetreiber ihren Kunden suggerierten, dass ihnen mit terrestrischen Verbindungen alle Möglichkeiten der Kommunikation in jedem Fall offen stünden, sei hingegen trügerisch, betont man bei CPN. Das Beispiel an der Ahr habe gezeigt, dass dort, wo nicht nur das Stromnetz ausfällt, sondern auch die Funkmasten von den Fluten weggespült werden, ganz schnell jegliche Kommunikation wegbricht. Der bundesweite Warntag 2020 habe gezeigt, wie anfällig die bisherige Technik ist und wie unzureichend man sich auf Ausfälle von Infrastruktur eingestellt habe. Denn im Zweifelsfall kommen auch keine SMS-Signale mehr durch. Des Weiteren können Menschen nicht über eine Warnapp informiert werden. Das Resultat ist ein Desaster. Da keine Priorisierung bei Mobilfunk-Diensten möglich ist, landet die Warnung möglicherweise erst Stunden später auf den Handys und den Alarmanlagen. Dass dies auch anders geht, hat CPN gemeinsam mit einem der führenden Alarmanlagenhersteller bewiesen. Gemeinsam hat man ein Konzept für Alarmierungsgeräte in Südamerika entwickelt, um über Satellitenkommunikation Alarmierungen auszulösen. In gleicher Art wäre dies auch für Deutschland möglich, sei aber derzeit politisch nicht gewollt, meinen die Brüder Nicolai. Dabei seien die Investitionskosten pro Gerät überschaubar. Damit ließe sich genau das machen, was mit Mobilfunk nicht geht, nämlich einen Broadcast zu senden, der sicherstellt, dass zeitgleich mit einem Kommando an allen betreffenden Stationen ein Alarm ausgelöst wird. Im Ahrtal hätte das zumindest in den weiter abwärts gelegenen Orten unter Umständen Menschenleben retten können, glaubt Christian Nicolai.

Mehr als Telefonieren

"Wir können nicht nur Telefonieren sicherstellen, sondern auch die Ortung von Menschen oder Maschinen", erklärt Thomas Nicolai. Dazu betreibt CPN eine eigene Plattform. Das ist gerade in Krisengebieten wichtig, damit Menschen und Maschinen möglichst nicht verloren gehen. Das hätte man auch im Ahrtal realisieren können, da die Technik vorhanden ist. Andererseits entwickelt man auf kommunaler Ebene ein Projekt, wo es darum geht, Server von mehreren Gemeinden miteinander zu verbinden. Das kann sogar so weit gehen, dass ein geschlossenes Netz ganz ohne Internet genutzt werden kann. Damit sind Hacker ausgesperrt und eine Schüssel auf dem Dach sorgt jeweils für die Breitbandanbindung, unabhängig von herkömmlicher Infrastruktur, was nicht nur eine technische, sondern auch eine wirtschaftliche Lösung sein kann. Für das Rock am Ring-Festival stellte CPN die komplette Backup-Kommunikation des Veranstalters via Satellit zur Verfügung. Auch I.S.A.R – eine gemeinnützige Hilfsorganisation, die eine Rettungshundestaffel unterhält, die bei Erdbeben in der ganzen Welt zum Einsatz kommen, setzt auf CPN- Geräte, wie z.B. beim Erdbeben auf Haiti 2010.

Thomas und Christian Nicolai sind sich sicher, dass das Thema Gefahrenabwehr auch durch die Politik zunehmend in den Blick genommen werden müsse. Denn gerade vor den aktuellen Ereignissen im Ahrtal müssten die bisherigen Konzepte neu bewertet und vor dem Hintergrund des heutigen Wissensstands beurteilt werden. CPN hat bereits ein System entwickelt, um etwa automatisch die Pegelstände von Flüssen weiter zu melden. Das sorgt für eine frühzeitige Warnung beim Überschreiten eines Schwellenwertes. Aber auch in der Landwirtschaft hilft Satellitenkommunikation. Mit einem schwedischen Startup-Unternehmen ist man dabei ein System für die Meldung von Feuchtigkeitswerten im Boden per Satellit zu übertragen und zu sammeln - zu sehr geringen Kosten. Wird damit die Bewässerungssteuerung wirtschaftlicher, könnte sich die Investition innerhalb einer Ernteperiode schon rechnen und Ressourcen schonen.

Die Beschaffung der geeigneten Satellitenlösung ist ein komplexes Thema. Daher ist es CPN besonders wichtig Kunden von Anfang an zu begleiten: Bei der Beratung, der Planung und bei der Durchführung von Projekten. Zum besonderen Service der Firma gehören u.a. Workshops zur Einweisung in die Satellitenkommunikation, Trainings sowie der After Sales Support.

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