Trauer um Unternehmer und Stifter

Trauer um Unternehmer und Stifter
Gerd Erbslöh verstarb im Alter von 92 Jahren

Das Foto zeigt Gerd Erbslöh beim „Tag der offenen Tür“ anlässlich der 50-Jahrfeier der Firmensparte „Getränketechnologie“ im Jahr 2014.

Geisenheim. (mg) – Der Name Erbslöh ist aufs engste mit der Lindenstadt verbunden. Das Unternehmen gleichen Namens war über Jahrzehnte einer der größten Arbeitgeber vor Ort. Jetzt ist am 24. September der Neffe des Firmengründers, der das frühere Familienunternehmen viele Jahrzehnte führte, im Alter von 92 Jahren verstorben.

Gerd Erbslöh’s Großvater, Kommerzienrat Carl Hugo Erbslöh, gründete bereits 1892 das Geisenheimer Unternehmen zum Abbau der lokalen Kaolintonvorkommen.

Mit der Verarbeitung von Bentonit wurden später auch Kontakte zu Winzern, Bierbrauern und Süßmostern aus der Region geknüpft. Denn das Tonmineral zur Eiweißadsorption im Wein verhindert die Nachtrübungen auf der Flasche.

Gerd Erbslöh ließ sich in Clausthal-Zellerfeld zum Diplom-Bergingenieur ausbilden und übernahm schon in jungen Jahren von Vater Siegfried die Leitung des Unternehmens. Zuvor hatte er sich u. a. im US-amerikanischen Bergbau noch zusätzliche Qualifikationen erworben.

Gerd Erbslöh förderte neue Entwicklungen im Bereich Industriemineralien und im Sektor Getränketechnologie. Die Produkte des Unternehmens sind heute auch international von großer Bedeutung für die Getränkebranche.

Anfang der 1960er Jahre stellte Gerd Erbslöh die Weichen zum Aufbau einer separaten Geschäftssparte, die später in die Erbslöh Geisenheim Getränketechnologie GmbH & Co. KG überführt wurde – Deutschlands erstem Spezialunternehmen für Herstellung und Vertrieb von getränketechnologischen Spezialprodukten.

Die spätere Erbslöh Geisenheim AG ist in Deutschland bis heute Branchenführer.

Als 1975 wegen Erschöpfung der Lagerstätte der Kaolinabbau in Geisenheim eingestellt werden musste, konnte fast die ganze Belegschaft in der Sparte Getränketechnologie weiterbeschäftigt werden.

In den Jahren 1995 – 2000 wurde imStandort Geisenheim viel investiert, um das vielschichtige Programm an Hilfsstoffen für die Getränke- und Lebensmittelindustrie produzieren zu können. Ende der 90er Jahre konnte sich der „Bergmann unter den Winzern“ aus dem operativen Geschäft zurückziehen. Als Gesellschafter und Beiratsvorsitzender begleitete er die weitere Expansion des Unternehmens in internationale Märkte.

Auch das gesellschaftliche Engagement war Gerd Erbslöh sehr wichtig. Acht Jahre war er Stadtverordneter in Geisenheim, acht Jahre Kreistagsabgeordneter im Rheingau und elf Jahre Vorsitzender des Bundesverbands Keramische Rohstoffe. Der Vollversammlung der IHK in Wiesbaden gehörte er in fortgesetzter Familientradition 30 Jahre lang an.

An den Vater von vier Kindern wird künftig auch ein Hörsaal der Universität Geisenheim erinnern. Denn der erhielt 2007 den Namen „Gerd-Erbslöh-Hörsaal“. Der Saal wurde dem Gründer der Stiftung zur Lehr- und Forschungsmittelförderung gewidmet.

Gewürdigt wurde damit sein Engagement für die wissenschaftlichen Institutionen am Campus Geisenheim.

Durch das Erbslöh-Stiftungskapital stehen finanzielle Mittel zur Verfügung, um herausragende Leistungen in oenologischen und getränketechnologischen Master- und Promotionsarbeiten auszuzeichnen und zu fördern.

Gerd Erbslöh hatte seine Stiftungsidee unter das Motto gestellt: „Die Wahrheit einer Absicht ist die Tat“.

2009 konnten die ersten Studienarbeiten aus der Stiftung gefördert werden. Dirk Hofmann und Philipp Rüger waren die die ersten Absolventen in Geisenheim, die mit dem Gerd Erbslöh Preis für ihre erfolgreiche Master- beziehungsweise Diplomarbeit ausgezeichnet wurden.

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