Denkmaltag in Rauenthal

Denkmaltag in Rauenthal
Eine Führung durch die spätgotische Kirche der ehemaligen Waldsiedlung

Irene Hirschmann mit dem Ehepaar Okaty vom Ortsausschuss.

Rauenthal. (la) – Am vergangenen Sonntag öffneten historische Orte im Rheingau ihre Pforten, um den Besuchern einen Einblick in die Geschichte der Gebäude und Plätze zu gewähren, den sie so vielleicht noch nicht kennen. Der Tag des offenen Denkmals findet bereits seit 1993 durch die Organisation der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und mit Hilfe der Initiative zahlreicher Institutionen, Kreise, Gemeinden, Verbände und Städte statt. Irene Hirschmann erzählte an diesem besonderen Tag eine kleine Geschichte über die St. Antonius-Pfarrkirche in Rauenthal.

Man sieht ihn schon, wenn man über die Autobahn in den Rheingau fährt – den Turm der Rauenthaler Kirche. Er ist groß, er ist eindrucksvoll und seine vier Glocken klingen noch heute. Doch was steckt eigentlich hinter diesem vielsagenden Turm, der da irgendwo im Tal zu sein scheint? „Rauenthal war eine kleine Waldsiedlung von Eltville, es gab keine Kirche, keine großen Straßen, nichts“, begann Irene Hirschmann ihren Vortrag, vor dem mittleren Hochaltar der Rauenthaler Kirche stehend. „Als das Christentum von den Römern zur Staatsreligion erklärt wurde, dauerte es eine Weile, bis dieses auf den Rheingau ‚überschwappte‘. Als Otto II. dann den sogenannten ‚Königsgau‘, den heutigen Rheingau, an den Mainzer Erzbischof verschenkte, errichtete dieser die vier ‚Urkirchen‘ im Rheingau, in Eltville, Winkel, Rüdesheim und Lorch“, so Hirschmann. Doch die Bewohner der Waldsiedlung Rauenthal hätten auch am Gottesdienst teilnehmen wollen und so sei die erste Rauenthaler Kirche, damals noch aus Holz, entstanden. Doch Holz trotze der Hitze nicht, erklärte Hirschmann weiter, und somit kam es nach einem Feuer dazu, dass die erste Kirche abbrannte und man eine neue, die zweite Rauenthaler Kirche, hatte errichten müssen. Diese sei im Jahr 1329 fertig gestellt worden, auch jener imposante Kirchturm, welchen man noch heute bewundern kann, sei dabei entstanden. „Doch man lernte erst nach dem zweiten Feuer daraus, dass es praktischer sei, eine Kirche mit einem steinernen Gewölbe zu versehen und nicht mit einer Flachdecke aus Holz. Denn auch die zweite Kirche brannte ab und man musste eine dritte errichten. Wir stehen nun in der dritten, 1492 fertig gestellten Kirche Rauenthals, welche beide Weltkriege unversehrt überstand“, erklärte Hirschmann. Und besagte Kirche kann sich auch noch heute sehen lassen. Das eindrucksvolle Sternengewölbe dieser steht über zahlreichen Figuren, wie der des Schutzpatrons der Kirche, dem Heiligen St. Antonius. Auch eine Madonna aus dem 15. Jahrhundert lässt sich in der Kirche wiederfinden, sowie drei Altäre, eine Orgel, und ein beeindruckender Kreuzgang aus dem Jahr 1920. Auch Gegenstände aus den vorherigen Kirchen sind in der dritten Kirche wiederzufinden, wie ein Kerzenständer oder der untere Teil des Taufbeckens. „Wir sind sehr froh, dass wir hier so eine schöne Kirche haben“, so Irene Hirschmann am Ende der Führung. Zwar sei bei einer großen Renovierung im Jahr 1952 ein Großteil der gotischen Inneneinrichtung, wie der Bestuhlung, durch modernere Elemente ersetzt worden, doch würde noch heute der Glanz der Geschichte jener Kirche durch die Hallen wehen, wenn man beispielsweise durch die kleine, noch übrig gebliebene Tür der ersten Kirche schreite, oder eine Kerze in einem fast 700 Jahre alten Kerzenständer anmache, so Hirschmann.

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