Blick über den Rhein Nikolaos Stavridis strebt zweite Amtszeit an
Als parteiloser Bürgermeisterkandidat hofft er auf die Unterstützung aller Wallufer Fraktionen
Walluf. (chk) –
"Genau heute jährt sich der Tag meines Amtseides zum fünften Mal“, betonte Bürgermeister Nikolaos Stavridis in der Pressekonferenz, zu der er in das Rathaus eingeladen hatte, um frühzeitig Gerüchten entgegenzutreten, er plane in die Landes- oder Bundespolitik zu wechseln. „Ich gebe heute bekannt, dass ich für eine zweite Amtszeit kandidieren werde“, sagte er. Als Termin für die Bürgermeisterwahl ist der 13. September vorgesehen.
Nikolaos Stavridis hatte am 1. Januar 2021 seinen Dienst als Bürgermeister der Gemeinde Walluf angetreten – mitten im Lockdown der Corona-Pandemie. Dennoch fällt sein Rückblick positiv aus und auch seine Perspektive für die Zukunft hört sich gut an. „Es galt nicht nur, die Pandemie zu managen, sondern mich auch unter diesen erschwerten Bedingungen schnellstmöglich in die Wallufer Gemeindeverwaltung einzuarbeiten“, erklärte er. „Zudem stand bereits im Frühjahr 2021 die Kommunalwahl an.“ Seine 22-jährige Erfahrung in der Kommunalverwaltung kam ihm zugute, um sich zügig in die internen Verwaltungsabläufe einzuarbeiten und die zahlreichen Herausforderungen, die auf ihn zukommen würden, schnell zu erkennen. Dazu gehörte, dass rund 60 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie 100 Prozent der Fachbereichsleitungen – im Bauamt sogar zusätzlich der stellvertretende Fachbereichsleiter und der Vorarbeiter – in den Ruhestand gehen würden. Gemeinsam mit der Politik sei es gelungen, die Fachbereiche adäquat neu zu besetzen. Im Bauamt scheiterte die Neubesetzung jedoch, und der in den Ruhestand verabschiedete Gerd Wohlbold kehrte im Sommer zurück.
Neuer Feuerwehrstandort
Einstimmig hat die Gemeindevertretung im Juli 2021 die bislang größte Einzelinvestition in der Geschichte Wallufs beschlossen: den Ankauf der Gewerbeliegenschaft – damals noch Venator, heute Oxerra. Damit konnten sowohl der Erhalt des Betriebs als auch die Sicherung der Arbeitsplätze in Walluf gewährleistet werden. „Durch den Erwerb haben wir zudem künftig die Möglichkeit, die Entwicklung dieses Areals maßgeblich mitzugestalten. Darüber hinaus konnten Flächen erworben werden, die für den Betrieb nicht benötigt werden, für die Gemeinde jedoch von großem Interesse sind“, erläuterte Stavridis. „So konnten wir eine Fläche für einen möglichen Feuerwehrstandort der gemeinsamen Feuerwehr anbieten, deren Machbarkeit sich derzeit in der Prüfung befindet.“ Er freue sich, dass die Einsatzabteilungen der beiden Feuerwehren nach Bekanntgabe des Prüfauftrags erklärt hätten, zusammenwachsen zu wollen. „Das erste Feuerwehrfahrzeug sowie die ersten Uniformen mit der Aufschrift ‚Walluf‘ unterstreichen diesen Willen ebenso wie gemeinsame Übungsdienste und kameradschaftliche Aktivitäten.“ Er freue sich auch, dass Walluf als eine der ersten Kommunen den vollständigen barrierefreien Ausbau aller Bushaltestellen abschließen konnte.
Bauprojekte
Nach 45 Jahren Diskussionen wurde der Drobollacher Platz mit erheblicher finanzieller Unterstützung aus der LEADER-Förderung umgestaltet und zu einem neuen Ort der Begegnung in Oberwalluf entwickelt. Künftig sollen dort Veranstaltungen stattfinden, die den gemeinschaftlichen Zusammenhalt stärken. Das Funktionsgebäude ist derzeit aufgrund von Baumängeln noch nicht nutzbar, doch dies soll so bald wie möglich behoben werden.
Die Planung für den Neubau der Kita Villa Regenbogen schreitet voran und Stavridis hofft, dass bald eine finale Standortentscheidung für die Kita in die politischen Gremien eingebracht werden kann. Sie soll im geplanten Neubaugebiet „Rosenhof“ entstehen, wo auch mehrgeschossiger Wohnungsbau mit einem Anteil an Mietwohnungen vorgesehen ist. „Meiner persönlichen Auffassung nach wurde im gesamten Rheingau in den vergangenen Jahrzehnten versäumt, ausreichend Mietwohnraum zu schaffen, obwohl dieser dringend benötigt wird“, bemerkte der Bürgermeister. Zu den weiteren Projekten, die während seiner Amtszeit bewältigt wurden, zählt die Sanierung des Foyers und der sanitären Anlagen im Vereinshaus Oberwalluf.
Als nächstes Großprojekt nannte er die Sanierung des Fußballplatzes mit dem Neubau des Sportlerheims. „Trotz der schwierigen Haushaltslage und des Personalmangels ist es im Eiltempo gelungen, gemeinsam mit den Mandatsträgern die nötigen Haushaltsmittel für die Sanierung der Sportplatzdecke und den Neubau des Sportlerheims im Doppelhaushalt 2026/2027 bereitzustellen und die Förderanträge zu stellen.”
Hinsichtlich der Gewerbegebiete räumte er ein, dass die Pandemie und die wirtschaftliche Gesamtlage zwar nicht die Vermarktung, wohl aber die Umsetzung im Gewerbegebiet Kressboden I erheblich verzögert hätten. Dennoch bezeichnete er es als richtigen Schritt, im Jahr 2026 den Kressboden II anzugehen, um ortsansässigen Unternehmen Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten und neue, attraktive Betriebe in Walluf anzusiedeln.
Kultur und Natur
Trotz der zahlreichen Pflichtaufgaben sei auch das kulturelle Angebot weiterentwickelt worden. Die Schiffchenbibliothek erhalte zum 1. Januar eine neue Leitung in Vollzeit. Die „CoolTur“ habe sich fest im Veranstaltungskalender etabliert und werde vollständig durch Sponsoring finanziert.
Es wurden zahlreiche Bäume gepflanzt und Maßnahmen ergriffen, um Walluf zu einer nachhaltigeren Gemeinde zu entwickeln. Die Mitarbeiter des Bauhofs verzichten vollständig auf den Einsatz von Glyphosat. Sie haben Blühwiesen angelegt und die Narzissenfelder seien im Frühjahr ein besonderer Blickfang. Laut Stavridis arbeitet auch die Verwaltung zunehmend digitaler und umweltfreundlicher.
„Mit dem Erwerb der Liegenschaft in der Hauptstraße kann perspektivisch auch der lang gewünschte Jugendtreff realisiert werden. Leider scheitert die Umsetzung derzeit noch an der ausstehenden Baugenehmigung zur Umnutzung der Immobilie“, bedauerte der Bürgermeister.
Die seit 60 Jahren bestehende Freundschaft mit La Londe konnte weiter gestärkt und vertieft werden. Er freue sich darüber, dass in der letzten Gemeindevertretung der Beschluss gefasst wurde, mit Galbiate in Italien eine neue Städtepartnerschaft einzugehen.
Parteiübergreifend
Für seine erste Amtszeit wurde er als parteiloser Kandidat von der SPD aufgestellt. Für seine angestrebte zweite Amtszeit hofft er auf die Unterstützung aller Fraktionen und der Bevölkerung, um Walluf weiterhin gemeinsam mit allen zu gestalten, da Parteilosigkeit und parteiübergreifende Sachpolitik seine bisherige Amtszeit geprägt haben. Bestärkt fühlt er sich durch das Miteinander in der Gemeindevertretung, das von einem offenen und sachlichen Austausch lebt.


Kommentar schreiben