Der Gärtner ist selten der Mörder

Der Gärtner ist selten der Mörder

Ulrike Neradt und Leila Emami präsentierten „Mörderische Delikatessen“

Eltville. (chk) – „Der Mörder war wieder der Gärtner, und der plant schon den nächsten Coup. Der Mörder ist immer der Gärtner, und der schlägt erbarmungslos, der schlägt erbarmungslos, der schlägt erbarmungslos zu“, sang Ulrike Neradt zum Auftakt des Programms „Mörderische Delikatessen“, nachdem sie zuvor mit Leila Emami den Abend mit einem Sketch in Mundart eingeleitet hatte. In dem Reinhard-Mey-Klassiker war der Gärtner aber nicht der Mörder, denn der Gärtner musste am Ende selbst dran glauben.

Auch in Leila Emamis Kurzkrimis war es nicht der Gärtner, der mordete, denn der kam darin gar nicht vor.

Es war wieder einmal eine Premiere bei Bachmanns Wein und Kultur, ganz im Sinne von Ulrich Bachmann, der gerne Premiere-Lesungen und Premiere-Programme über den Dächern von Eltville vorstellt. Die Künstlerinnen hingegen musste er nicht vorstellen, denn sie sind im Rheingau bestens bekannt. Leila Emami, die seit 2017 auch künstlerische Leiterin der von Ulrich Bachmann alljährlich im November veranstalteten Rheingauer Krimiabenden in Weingütern ist, gibt auch Schreibseminare, von denen Ulrike Neradt zwischendurch schwärmte, hatten diese ihr doch geholfen, ihre Schreibblockade zu überwinden. Bei Bachmanns Wein und Kultur sind beide schon aufgetreten, allerdings bis dahin noch nicht gemeinsam. Als sie einmal bei einer Lesung zusammentrafen, verständigten sie sich mit Ulrich Bachmann auf das aktuelle Programm, das dann als Idee existierte und danach in feinen Happen aufeinander abgestimmt wurde.

Leila Emami las eine ihrer Geschichten aus dem Buch „Mörderischer Jakobsweg“, das sie mit Fenna Williams und Claudia Schmid herausgegeben hat. Die Geschichte erzählt von Renate und Günter, die mit zwei anderen Paaren eine Pilgertherapie bei Pamela machen. Die Amerikanerin hat eine Strecke auf dem Bonifatiusweg von Mainz nach Hochheim ausgewählt. Bei Günter löst diese Art von Therapie wüste Mordfantasien aus – und bei Renate ist es nicht anders. Doch je weiter sie pilgern, desto mehr scheint sich in ihrem Inneren etwas zu verändern. Aber dann nimmt das Schicksal einen völlig unerwarteten Verlauf…

Für die Pausen, die Leila Emami einlegte, hatte Ulrike Neradt passende makabre Lieder ausgesucht, wie „Ich fahr mit meiner Klara in die Sahara zu den wilden Tieren …“. Ganz in ihrem Element war sie als Giftmischerin Lucrezia Borgia. Ebenso wie Leila Emami in Schwarz und Rot gekleidet, nutzte sie Accessoires wie Hüte, Schals oder eine Sonnenbrille, um bei jedem Lied in eine neue Rolle zu schlüpfen.

Ein Kontrast zu den mörderischen Themen war die Weinprobe in der Pause, als Ulrich Bachmann zwei Frühlingsweine präsentierte – zunächst einen 2018er Spätburgunder rosé trocken aus dem Wein- und Sektgut Barth und danach einen 2018er Sauvignon blanc trocken aus dem Weingut Heinz Nikolai.

Mit der „Moritat von Mackie Messer“ ging es nach der Pause weiter – ein Stück bei dem einige Gäste gerne mitsummten. „Mein Mann ist verhindert“, das einst durch Marlene Dietrich bekannt wurde und die Rhapsodie Franz Liszts von „Frau Birnbaum“ hatte Ulrike Neradt ausgewählt als Pendant zu den Kurzkrimis von Leila Emami, in denen die Autorin ihren Protagonisten beispielsweise als Stephen King auf dem Eichberg einliefern lässt oder aus der Sicht einer wunderschöne Rose im tatsächlich existierenden Park am Bahai-Tempel in Hofheim erzählt. Skurril und amüsant waren die Geschichten und Lieder – auch das letzte von Georg Kreisler, „Geben Sie acht!“, das Ulrike Neradt in Mundart umgeschrieben hat. Darin droht sie, vom Tode eines Menschen nur träumen zu müssen – und schon stirbt er wirklich. Also: „Gebbe Se acht!“

Der langanhaltende Applaus am Ende verlangte noch eine Zugabe, und so rezitierte Leila Emami noch „Rosshaar zerschnitten“ von Fritz Grasshoff. „Und ich singe noch ein Lied von Georg Kreisler, für das ich schon oft angegriffen wurde, aber es passt zum Frühling, von dem Ulrich vorher bei den Weinen schon gesprochen hat“, kündigte Ulrike Neradt an. „Tauben vergiften im Park“ – ein Lied, das zu den schauerlichen Themen des Abends passte, an dem man die beschriebenen und besungenen Verbrechen nicht todernst nehmen durfte. Dem Publikum hatte es gefallen und Ulrike Neradt und Leila Emami genossen den Beifall, der ihnen und ihrer gelungenen Uraufführung zuteil wurde.

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