Clartext von Clara Lösel: „wehe du gibst auf“

Gedichte, die unter die Haut gehen – egal, welches Alter der Leser hat

Clara Lösel: „wehe du gibst auf“ - 188 Seiten. Erschienen in Now-Verlag, 18 Euro.
Clara Lösel: „wehe du gibst auf“ - 188 Seiten. Erschienen in Now-Verlag, 18 Euro.

Anfang Dezember hatten zwei Mitglieder der Echo-Redaktion die Gelegenheit, im Limburger Priesterseminar einer Vesper mit Bischof Bätzing beizuwohnen. Dabei las Dr. Georg Bätzing aus dem Buch „einer jungen Frau, von der ich nicht einmal weiß, ob sie Christin ist“.

Vor gut einem Jahr begann die 26-jährige Lyrikerin, Gedichte auf Instagram und TikTok zu veröffentlichen – ursprünglich als lose Textfolge im Rahmen einer 100‑Tage‑Challenge, in der sie täglich ein selbst verfasstes Gedicht vorstellte. Mittlerweile hat Clara Lösel auf Instagram rund 370.000 Follower; über alle Social‑Media‑Kanäle erreicht sie monatlich etwa zwei Millionen Menschen.

Fast schon folgerichtig wurden ihre Gedichte als Buch veröffentlicht – aktuell erscheint es bereits in der siebten Auflage. „Wehe du gibst auf“ heißt es (der Titel und alle Texte sind konsequent kleingeschrieben), und es sprang im April dieses Jahres direkt auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. Clara Lösel ist innerhalb eines Jahres mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet worden. Ihre Lesungen im gesamten deutschen Sprachraum ziehen Fans jeglichen Alters an; sie hat mit ihren Gedichten eine Lawine ausgelöst. In TV-Talkshows erklärt sie das Phänomen, dass auf einmal Gedichte bei jungen Menschen populär geworden sind – und rührt mit ihren Texten selbst hartgesottene Medienprofis wie zuletzt Barbara Schöneberger zu Tränen.

Selbst in der Politik ist man auf sie aufmerksam geworden. In der Hessischen Landesvertretung in Berlin gestaltete „die gebürtige Hessin“ eine Lesung, die „ein Abend des Innehaltens“ wurde. Tatsächlich ist Clara Lösel in Gießen aufgewachsen, wo sie auch ihr Lehramtsstudium abgeschlossen hat. Seit dem Staatsexamen lebt sie aber in Berlin, um sich dem Schreiben zu widmen. Sie arbeitet zwar weiterhin mit Jugendlichen, aber nicht als Lehrerin, sondern in Workshops zu Themen wie „Schreiben & Sprache“, „Motivation“ oder „Selbstbewusstsein“.

Die Clara Lösel ist mehr als eine Schriftstellerin – im Netz wird sie wahlweise als Netzpoetin, Influencerin oder Poetry-Künstlerin bezeichnet. Sie schreibt und spricht über Depressionen und mentale Gesundheit, toxische Schönheitsideale, Liebe, Verlust, gesellschaftliche Erwartungen, Politik – und macht dabei immer wieder Mut, weiterzumachen. Mit ihren Themen erreicht sie längst alle Altersgruppen. Auch wenn Ältere – so wie der Autor dieser Zeilen – mit dem Thema Liebeskummer vergleichsweise wenig anfangen können, gehen andere Beiträge zu Menschlichkeit, Generationenkonflikten („die Jugend von heute“) oder dem Älterwerden tief unter die Haut und regen zum Nachdenken an. Großartig Lösels Plädoyer für die Demokratie und warum es so wichtig ist, dafür zu kämpfen. Zum Schmunzeln gibt es auch Texte, so beim „Faschisten-Döner“.

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