„Wir konnten einander etwas geben, das wir behalten“

Pfarrer Lothar Breidenstein wurde im Kloster Eberbach mit großer Herzlichkeit verabschiedet

Zum letzten Mal erteilte Pfarrer Lothar Breidenstein seiner Gemeinde den Segen.

„Er war ein Segen für unsere Gemeinde, und er soll ein Segen für diese Gemeinde sein“, hatte eine Vertreterin des Kirchenvorstands aus seiner früheren Gemeinde Falkenstein bei seiner offiziellen Einführung in der Johanneskirche vor knapp drei Jahren gesagt. Nun verlässt Pfarrer Lothar Breidenstein die Triangelis-Gemeinde und es geht wieder um den Segen. Schon in den drei Gottesdiensten davor war das sein Thema – und im besonderen Maße in seiner Abschiedspredigt im Laiendormitorium von Kloster Eberbach.

„Jeder Übergang braucht Segen, braucht Kraft zum Gelingen“, begann Lothar Breidenstein seine Abschiedspredigt. „Jakob, der Erzvater, kann den Fluss nicht überschreiten, ohne gesegnet zu werden, aber als er gesegnet ist, kann er sich der Zukunft zuwenden. Mit all der Ungewissheit, die sie bringt.“ Zuvor hatte Pfarrer Dr. Robert Nandkisore die Geschichte von Jakobs Kampf am Jabbok gelesen, von seinem Ringen, an dessen Ende er sagt: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.“

Wie hinter Jakob liege auch hinter ihm ein Weg des Ringens, gestand Breidenstein in seiner Predigt. „Aber am Ende steht der Segen.“ In diesen letzten Wochen des Abschieds habe er so viel Gutes erfahren, so viele gute Worte gehört und gelesen, so viele liebevolle Gesten erfahren. „All das berührt mich sehr, und es verändert auch etwas – etwas Entscheidendes“, betonte er. „Ihr Segen, den Sie mir in Ihren guten Worten zusprechen, der lässt mich im Guten gehen. Er sagt mir: Die gemeinsame Zeit, die wir hatten, ist etwas Gutes und Reiches gewesen. Wir konnten einander etwas geben, das wir für die Zukunft behalten, das unsere Zukunft auch an verschiedenen Orten färben wird.“ Das sei nicht selbstverständlich, sondern etwas Besonderes und Kostbares. „Wenn ich gehe, dann möchte ich Sie, die Gemeinde und die Menschen hier in der Gemeinde und darüber hinaus, Gottes Segen anbefehlen, Sie Gottes Kraft zum Gelingen anheimstellen.“ Er wisse: „Es wird gut weitergehen. Die Gemeinde wird weiter wachsen und blühen und hat eine gute Zukunft. Ihr Segen wird auch mich für meinen weiteren Weg stärken. Und ich danke Ihnen, dass ich um diesen Segen nicht ringen musste.“

Warum er geht, verrät Lothar Breidenstein nicht. Nur dass es unterschiedliche Vorstellungen über den weiteren Weg in der Gemeinde waren, die ihn zum Gehen bewogen haben. Noch bis November hat er seine Stelle in der Gemeinde; er wird aber ab August einen dreimonatigen Studienurlaub nehmen. Bis eine neue Pfarrerin oder ein neuer Pfarrer gefunden ist, wird Pfarrerin Bettina Friehmelt aus der Wallufer Heilandsgemeinde ihre Stelle um 25 Prozent aufstocken, um ihre Kollegin Bianca Schamp in der Seelsorge zu unterstützen – zunächst bis Ende des Jahres. Das gab Dekan Dr. Martin Mencke bekannt, der Breidenstein offiziell verabschiedete – in einer gemeinsamen Zeremonie mit den Segensworten von Pfarrer Nandkisore, Bianca Schamp und Isolde Wende vom Kirchenvorstand im Rücken. Der Abschied sei überraschend für viele – und auch schmerzhaft, betonte Mencke. Aber es zeuge auch von Größe, eine solche Entscheidung zu treffen, wenn ein weiterer gemeinsamer Weg nicht verwirklicht werden könne.

Berührende Grußworte

183 Menschen waren ins Laiendormitorium gekommen, um an dem Abschiedsgottesdienst teilzunehmen. Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst vom Evangelischen Posaunenchor, dem Singkreis unter der Leitung von Marlene Schober, die auch als Sopranistin in Erscheinung trat, von Organist Andreas Karthäuser und Gesangssolistin Paula Dosch. Nach dem Gottesdienst schlossen sich Grußworte an von Robert Nandkisore und von Steve Landau, dem Leiter der Jüdischen Gemeinde in Wiesbaden. Schon in der Predigt war deutlich geworden, wie eng und selbstverständlich die ökumenische Zusammenarbeit im Rheingau ist und auch die Verbundenheit mit der Jüdischen Gemeinde. Breidenstein ist Geschäftsführer und evangelischer Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Wiesbaden. Viele herzliche Grußworte wurden gesprochen von den Vertreterinnen des Singkreises und des Posaunenchors, von Bürgermeister Patrick Kunkel, der Breidenstein an seinem nächsten Einsatzort wieder einen so netten Bürgermeister oder Bürgermeisterin wünschte, von Rüdiger Wolf als Vertreter der Gemeinde Kiedrich und von Joachim-Christof Schulze, dem Vorsitzenden des Triangelis-Kirchenvorstands. Und natürlich wurden viele Präsente übergeben.

Nur Pfarrerin Bianca Schamp versprach, ihr persönliches Geschenk später zu übergeben – in einem stilleren Moment. Mitgebracht hatte auch sie besonders herzliche Worte. „Unsere Gemeinde Triangelis hat ja ein Motto: ‚Gastfreundlich Gemeinde sein‘. Dieses Motto hast du, lieber Lothar, für mich in perfekter Weise verkörpert.“ Nicht nur privat, sondern auch als Pfarrer sei er ein unglaublich gewissenhafter, aufmerksamer und noch dazu sehr unterhaltsamer Gastgeber. „Kein Thema, über das du dich nicht aus dem Stand klug, informiert und meist noch mit einem besonders pointierten, originellen Zugang äußern könntest, kein leeres Glas oder fehlendes Programmheft, das dir entgeht, kein Mensch, der den Raum betritt und nicht persönlich begrüßt wird.“ Auch wenn sie selbst erst sechseinhalb Jahre überblicke, wage sie die Behauptung: „In der Zeit, in der du hier in Triangelis warst, haben wir die mit Abstand best-designten Programmhefte und detailliertesten Ablaufpläne gesehen, die diese Gemeinde je gekannt hat.“ Und auch seinen technischen Sachverstand und sein Equipment habe er gerne geteilt. Kaum habe man die Frage nach dem Gebrauch eines Geräts ausgesprochen, sei schon die mehrseitige, bunt bebilderte Anleitung ins Postfach geflattert. „Die Schnelligkeit deiner Reaktionen hat mich oft beeindruckt und für deine kollegiale Hilfsbereitschaft danke ich dir von Herzen“, versicherte Bianca Schamp. „Ich hoffe und wünsche dir, dass du einen Ort findest, an dem du all diese Begabungen weiter leben und teilen kannst, und ich freue mich, wenn wir uns hin und wieder hier in Triangelis oder bei anderen Gelegenheiten in unserer Kirche wiedersehen.“

Anschließend wurde draußen zum Umtrunk eingeladen und die guten Gespräche und herzlichen Verabschiedungen setzten sich fort.

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