Kreuzigungsgruppe und Überdachung saniert

Lebensgroße Figuren auf dem Erbacher Friedhof wurden von einer Fachfirma restauriert

Gesamtbild nach der Restaurierung.

Wer in den vergangenen zwei Monaten den Erbacher Friedhof besucht hat, dem ist nicht entgangen, dass sich an der Kreuzigungsgruppe mit lebensgroßen Figuren etwas getan hat: Die gesamte Gruppe und auch das Schutzdach waren eingerüstet.

Die Kreuzigungsgruppe, bestehend aus dem Kruzifix und den Assistenzfiguren Maria, Maria Magdalena (knieend) und Johannes, wurde um 1520 geschaffen. Sie zählt zu den großformatigen, spätgotischen Skulpturen am Mittelrhein, die es im Rheingau in mehreren Kirchorten gibt. Die Frage, ob es sich in Erbach um eine Arbeit des Mainzer Bildhauers Hans Backoffen, seiner Werkstatt oder eines unbekannten Meisters handelt, wird in der Fachliteratur diskutiert. Unbestritten ist aber die Datierung in die Zeit um 1520 – die Darstellung ist also rund 500 Jahre alt und damit sowohl die älteste als auch wertvollste Skulptur für deren Erhalt sich der Fördererkreis Bildstöcke und Steinkreuze Eltville-Erbach einsetzt.

Ebenso interessant wie die Urheberschaft ist die Frage, warum so viele solcher Kreuzigungsdarstellungen gerade in dieser Zeit errichtet wurden. Eine Erklärung lautet, dass das Mainzer Erzbistum dadurch am Vorabend der Reformation seine territorialen und auch religiösen Ansprüche manifestierte. Die Menschen nahmen die Kreuzigungsgruppen sicherlich als eine Mahnung an ihre Sündhaftigkeit und Erlösungsbedürftigkeit wahr, die der Gnadenschatz der katholischen Kirche – vertreten durch das Erzbistum – heilen konnte.

Der Mensch dieser Zeit wusste die Bilder zu deuten: Am Fuß des Kreuzes, das auf einem angedeuteten zerklüfteten Berg steht, ein Schädel und ein Knochen, die auf Golgatha (Schädelstätte) hinweisen, an der nach der Überlieferung der Apokryphen die Grabstätte Adams war. Auch die Darstellung von Frosch und Eidechse auf dem zerklüfteten Gestein sind typische Symbole für das Böse. Adam hatte durch den Sündenfall das Paradies verloren und den Tod in die Welt gebracht, der durch den Tod und die Auferstehung Christi überwunden wird.

Die Details der Darstellung sind nun wieder deutlich zu erkennen, denn durch vorsichtige Reinigung mit Wasser und spezieller Laserreinigung wurde die schwarze Verkrustung, die Teile der Skulpturen bedeckte, reduziert. Diese Verkrustungen sind nicht nur ein optisches Problem, sondern führen auch durch Kapillarverschluss des Gesteins und unterschiedliches thermisches Verhalten zu schalenförmigem „Abplatzen“ von Gesteinsschichten und damit schließlich zum Zerfall der Bildnisse.

Der wieder hellere Sandstein, der zum Teil punktförmige oder gebänderte Eiseneinschlüsse aufweist zeigt, dass es Ausbesserungen in der Vergangenheit gegeben hat. In der aktuellen Restaurierung wurden die Anschlüsse solcher Ausbesserungen überprüft und mit geeignetem Material erneuert, da der früher verwendete Zementmörtel durch die abweichende Ausdehnung bei Nässe und Hitze gegenüber dem Stein auch eine „Sprengwirkung“ entfalten kann.

Ebenso wie die Kreuzigungsgruppe wurde die Überdachung saniert, die im Zusammenhang mit der letzten Restaurierung Anfang der 1970er Jahre errichtet wurde, da das Ensemble insgesamt unter Denkmalschutz steht.

Um zukünftig Belastungen im Bereich des Sockels gering zu halten, wird eine Möglichkeit geprüft, Grablichter separat aufzustellen. Bis dahin wird zum Schutz der Gruppe darum gebeten, dort keine Kerzen aufzustellen.

Die Vorbereitungen für die Sanierung begannen im Jahr 2015. Die Werkstatt des Dipl.-Restaurators Steyer (Eppstein) wurde mit der Erstellung eines Gutachtens und Restaurierungskonzepts beauftragt. Die zuständige Denkmalschutzbehörde gab zusätzlich ein Gutachten beim „Institut für Steinkonservierung“ in Auftrag (2019), das die vorangegangenen Ergebnisse bestätigte. Ein Drohnenflug über das Dach lieferte weitere Erkenntnisse. Nach Erteilung der denkmalschutzrechtlichen Genehmigung, konnten die Arbeiten beauftragt und 2021 von der Werkstatt Steyer durchgeführt werden. Dabei sind der Fördererkreis Bildstöcke und Steinkreuze Eltville-Erbach mit seinen Spendern und die Stadt Eltville gemeinsam engagiert für den Erhalt dieses wichtigen Erbacher Denkmals eingetreten.

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