Shared Space auf dem MM-Platz?

Stadtbildschützer halten MM-Platz für gänzlich ungeeignet

Rotkäppchen-Mumm strebt eine Neugestaltung des MM-Platzes an. Die Planung sieht vor, dass der öffentliche Verkehrsraum vor der Werkszufahrt zum MM-Gelände auf zwei Fahrspuren mit seitlichen Gehwegen reduziert wird. Radwege sind in diesem Bereich nicht vorgesehen, sodass die aus Erbach in Richtung Innenstadt fahrenden Radfahrer bereits an der ARAL-Tankstelle auf die Kfz-Fahrspur wechseln müssen.

Der Stadtbildverein lehnt dieses Verkehrskonzept entschieden ab, insbesondere wegen der Gefahr, die von den auf das Werksgelände rechtsabbiegenden Lkw für Radfahrer und Fußgänger ausgeht, und hat eine Alternative vorgelegt, die das Risiko für die Radfahrer und Fußgänger minimiere.

Bürgermeister Patrick Kunkel unterstütze die Planungen von Rotkäppchen-Mumm und habe in den letzten Monaten die Bedenken der Stadtbildschützer schon mehrfach mit dem Hinweis auf ein künftiges „Shared-Space-Konzept“ auf dem MM-Platz zurückgewiesen. Allerdings habe er es bisher bei der Nennung dieses Fachausdrucks belassen, ohne den Bürgern zu erläutern, welche Bewandtnis es damit hat. "Daher möchten wir uns dieses Themas annehmen und veranschaulichen, was ein „Shared-Space-Konzept“ eigentlich ist, um danach die entscheidende Frage zu beantworten, ob der MM-Platz überhaupt die Voraussetzungen erfüllt, damit man hier ein „Shared-Space-Konzept“ umsetzen kann", so der Stadtbildverein.

Der Grundgedanke in den Shared Spaces sei die gemeinsame Nutzung des vorhandenen Raums durch alle Verkehrsteilnehmer. Regeln und Verkehrsschilder gibt es in den Shared Spaces so wenige wie möglich. Wenn dieses Konzept funktionieren soll, dann darf auf diesen Mischverkehrsflächen der Kraftverkehr keine Dominanz haben. Nur wenn Fußgänger und Radfahrer im Straßenraum in relevanter Anzahl vorhanden sind, verstehen Kraftfahrer den Sinn und passen ihr Verhalten an. Die Stellungnahme der Fachleute vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) und dem Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ist daher unmissverständlich: „Keine Shared-Space-Projekte bei hoher Verkehrsbelastung, insbesondere hohem Schwerlastverkehr.“

Darüber hinaus gibt es ein weiteres Kriterium, das für ein erfolgreiches Shared-Space-Konzept unabdingbar ist: nämlich ein hoher Querungsbedarf. Die sich „kreuz und quer“ über den Straßenraum bewegenden Fußgänger sind nicht nur erwünscht, sondern für das Gelingen eines Shared-Space-Konzeptes unverzichtbar, da sie es sind, die zu der erwünschten Verkehrsberuhigung führen. Wie das funktioniert, könne man in Eltville in der Rheingauer Straße beobachten: Auf dem Abschnitt zwischen Schmiedegäßchen und Schlossergasse. Obwohl hier überhaupt kein verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen ist, bemerke jeder Autofahrer, dass er hier als „Gast“ unterwegs ist.

"Unser Verein befürwortet nachdrücklich die Idee, diesen Bereich zusammen mit der gesamten Altstadt südlich der Rheingauer Straße als Shared Spaces auszuweisen", so die Stadtbildschützer weiter. Ein solches Eindämmen des Autoverkehrs in den Innenstädten durch Shared Spaces werde von vielen Menschen begrüßt. Diese Haltung könne dazu verführen, die Eignung eines Verkehrsraums nur unzureichend zu hinterfragen. Der ADFC warne in seinem Positionspapier zum Thema Shared Space, man „solle sich durch den Begriff nicht blenden lassen. Der Begriff Shared Space sichert noch keine Qualität.“ Die lange Liste von gescheiterten Shared-Space-Projekten habe den GDV veranlasst, dem Thema unter der Überschrift „Unfallforscher warnen vor unsinnigen Shared-Space-Projekten“ eine eigene Pressemitteilung zu widmen, in der eindringlich gewarnt wird vor den Verlockungen des „Zauberwortes“, das bei vielen „Euphorie“ auslöse und blind mache für eine kritische Herangehensweise.

Beim Stadtbildverein gehe man allerdings davon aus, dass es bei Bürgermeister Kunkel keine „Euphorie“ ist, die ihn motiviert sich für ein Shared-Space-Konzept auf dem "dafür gänzlich ungeeigneten" MM-Platz einzusetzen. Auf diesem Straßenabschnitt vor der Werkseinfahrt zum MM-Gelände würden Pkw und Lkw mit einer solch einschüchternden Übermacht auftreten, dass sich Fußgänger und Radfahrer als missliebige Fremdkörper fühlen würden. Kein Verkehrszeichen und keine Geschwindigkeitsbeschränkung könne daran etwas ändern. Es dränge sich die Vermutung auf, dass es bei dem Shared-Space-Konzept für den MM-Platz letztlich überhaupt nicht darum geht, ein sicheres Verkehrskonzept für die schwächeren Verkehrsteilnehmer zu entwickeln, sondern allein darum, die bittere Wahrheit zu verschleiern, dass man seitens der Stadt Eltville bereit ist, dem Wunsch von Rotkäppchen-Mumm nach einer möglichst großen Open-Air Event-Location alles unterzuordnen. Dieses Verhalten sei verwerflich, da es wirtschaftliches Einzelinteresse über die Sicherheit der Bürger stellt.

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