St. Peter und Paul im mystischen Licht

St. Peter und Paul im mystischen Licht
Auf die eindrucksvolle Lichtshow folgte eine eindringliche Abendandacht

Die Besucher wurden selbst Teil des Erlebnisses von Farbe, Licht und Musik in der Kirche.

Eltville. (chk) – Von farbigem Licht und mystischen Klängen verzaubert wurden die Besucher Kirche St. Peter und Paul am Silvesterabend. Wechselnde Farben, Strahlen und Muster ließen das Kirchengewölbe und den Altarraum in einem neuen Licht erstrahlen, so als würden immer wieder Räume und Formen neu entstehen. Die Menschen in der Kirche wurden dabei Teil des Erlebnisses von Farbe, Licht und Klang vor und über ihnen und um sie herum. Wie schon im vergangenen Jahr hatte Florian Wende das farbenprächtige Spektakel „komponiert“

und mit Musik, unter anderem von Ennio Morricone, Hans Zimmer, Daft Punk und Varien zu einer „Mystic Light & Sound Experience“ verbunden.

Einige der Musikstücke hatte ein Mitglied der Gemeinde, eine Eltviller Unternehmerin, ausgewählt, die mit einer großzügigen Spende die technische Durchführung der Musik- und Lichtshow ermöglicht hatte. Freiwillige Spenden der Lichtshow-Besucher können so voll und ganz der Kinder- und Jugendarbeit der Gemeinde zugute kommen. Zu Beginn hatte Pfarrer Dr. Robert Nandkisore der Sponsorin gedankt und allen, die die Licht- und Musikshow tatkräftig unterstützt hatten, wie Küster Andreas Czechowski, Frank Jodtka von der Pfadfinderschaft St. Georg und dem 14-jährigen Schüler Jan Herzog. Vor allem aber dankte er Florian Wende, der – wie schon im Vorjahr – seit Monaten die Lichtshow vorbereitet hatte.

Der 19-jährige Florian Wende, der in Mainz Mathematik studiert, ist von Kind an in der Gemeinde St. Peter und Paul als Messdiener engagiert und übernimmt bei vielen kirchlichen Veranstaltungen die Licht- und Tontechnik. „Licht- und Tontechnik sind mein Hobby“, erklärte er. Das Hobby betreibt er mit großer Perfektion. Etwa 100 Stunden habe er in die Vorbereitung der Veranstaltung investiert, erzählte er. Einen Teil der Ausrüstung, die er für die Lichtshow einsetzte, hat er selbst angeschafft. Unterstützt wurde er von der Jugendkirche Kana in Wiesbaden, wo er im Licht-Team mitarbeitet. Die diesjährige eindrucksvolle Premiere seines Gesamtkunstwerks von Licht und Musik wurde von den Besuchern mit lautem Beifall honoriert. Daran schloss sich die Jahresschlussandacht an, die ebenfalls durch farbiges Licht verzaubert war, an der Orgel und mit Psalmengesängen von Dr. Markus Frank Hollingshaus begleitet und von einer eindringlichen Predigt von Pfarrer Dr. Robert Nandkisore geprägt wurde. Seine kritische Betrachtung des Jahres 2018 und daraus resultierende Fragen dürften den Kirchenbesuchern in besonderer Erinnerung bleiben.

Für ein anderes Klima

Der Pfarrer knüpfte an den Weihnachts- und Neujahrsgruß einer Bekannten an, die geschrieben hatte, sie würde das für sie schwierige und durch Krankheit geprägte Jahr 2018 nun „abhaken“ und vertrauensvoll in das neue Jahr gehen. So würde er es auch gerne halten – das Jahr 2018 „einfach abhaken“, versicherte Nandkisore, gerade auch im Blick auf sexuellen Missbrauch und Machtmissbrauch in der Kirche. Doch das alles sei nicht im Namen Jesus geschehen, der bedeute „Gott rettet“, und deshalb könne er es nicht abhaken. „Es steht da – und ich schäme mich als Teil der Kirche“, betonte er. Als Teil der Kirche ärgere er sich über das Beharrungsvermögen mancher, die sich konservativ nennen und meinten, nur Katholiken seien würdig, die Kommunion zu erhalten.

„Ich widerspreche leidenschaftlich denen in der Kirche, die meinen, wir könnten wiederverheiratet Geschiedenen oder Schwulen und Lesben keinen Segen für ihre Verbindung spenden.“ Das Argument, dies würde Bischöfe in Afrika, Indien oder Südamerika vor den Kopf stoßen, ließ er nicht gelten. Was in anderen Teilen der Welt gelebt werde, dürfe dafür kein Maßstab sein. „Gerade als Christen sind wir gut beraten, hier ein Zeugnis der Freiheit zu geben, die uns das Evangelium schenkt. In ‚Seinem‘ Namen – denn er rettet.“

Der Klerikalismus, der männerbündische Machtstrukturen schaffe, die immer wieder zu Machtmissbrauch führten, erfordere ein Umdenken nicht nur „da oben“ bei den Klerikern, sondern auch bei denen, die meinten, ohne Kleriker gehe nichts und Omnipräsenz von Klerikern bei Pfarrfesten, Gemeindekaffee, Segnung von Feuerwehrautos forderten, und eine phantastische Pastoralreferentin als „nicht passend“ abqualifizierten. „Unserer Synodalordnung gibt so viele Möglichkeiten des gemeinsamen Unterwegsseins. Lassen Sie uns das hier ehrlich und neu miteinander versuchen“, appellierte Nandkisore an die Gemeinde. Im Hinblick auf den Priestermangel stellte er weitere Fragen in den Raum: „Was ist mit der Frau in der Kirche, was mit verheirateten Priestern? Sicher, hier können wir nichts an der Ordnung ändern, aber wir können daran mitwirken, dass ein Klima entsteht, das anderes ermöglicht.“

In die anschließenden Fürbitten wurden alle einbezogen, die in der Pfarrei im vergangenen Jahr getauft und zu Grabe getragen wurden, die ihre Erstkommunion und Firmung empfangen und den Bund der Ehe geschlossen haben und auch diejenigen, die aus der Kirche ausgetreten sind.

Ab 21 Uhr präsentierte Florian Wende fortlaufend die Licht- und Musikshow, auch über Mitternacht hinaus, was viele Gäste dankbar annahmen, die zuvor beim Feuerwerk am Rheinufer das neue Jahr begrüßt hatten. Wer sich ruhiger und spiritueller auf das neue Jahr einstimmen wollte, hatte zuvor Gelegenheit, in der illuminierten Pfarrkirche am Mitternachtsgebet teilzunehmen.

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