Ungewöhnliche Lesung
Splitter Faser nackt: Lilly Linder im Künstlerhaus 6

Lilly signiertt

Eltville. (jh) – Blickdichte Strumpfhosen, Hotpants und T-Shirt. Im Schneidersitz sitzt Lilly Lindner auf einem Tisch und signiert ihr autobiografisches Buch: Splitter Faser nackt. Sie wirkt zerbrechlich, versucht sich klein zu machen vor der kleinen Schar Zuhörer, die den Weg in das Atelierhaus 6 auf dem Eichberg gefunden haben. Sie wirkt wesentlich jünger als 28. Das liegt an ihrem zierlichen Körperbau.

Mr. Security – dunkel gekleidet und mit ordentlich Muskeln – beäugt sie aus den Augenwinkeln. Jeder, der „auffällig“ ist, wird von ihm in die Schranken gewiesen. Sie sei zu sensibel, um das Klicken beim Auslösen der Kamera während ihrer Lesung zu ertragen und auch andere Nebengeräusche verwirren sie.

Dann erklingt Musik. Währenddessen schmeißt Lilly, so will sie genannt werden, Manuskriptblätter in die Luft. Es folgen Bonbons und Mullbinden, die aussehen als seien sie mit Blut beschmiert. Dann tritt Lilly nach vorne, spindeldürr, immer am T-Shirt nestelnd und liest. Nein, es ist kein Vorlesen, sie spricht frei. Sie kann „ihr“ Leben auswendig. Sie erzählt vom Vater und Mutter, die sich umgebracht haben sollen, von der Freundin des Vaters. Es folgt wieder eine Musikpause, in der erneut Dinge in den Raum geworfen werden. Mr. Security spielt in der Performance auch eine Rolle: Als Beschützer, der immer wieder zurückgestoßen wird, der sie auffängt, wenn sie vom Tisch auf den Boden springt und der auch als lebende Schreibunterlage dient. Lilly erzählt von Vergewaltigung, Entführung Prostitution und Magersucht. Sie lächelt – doch die Körpersprache soll etwas anderes vermitteln. Am Ende wirft Lilly Wollfäden in das Publikum – sie sollen ihre verworrenen Gedanken symbolisieren. Fragen erlaubt Lilly nach der Lesung nicht.

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 1.5 (22 Bewertungen)

Kommentare

jedem das seine

insbesondere Mr. Security wie er hier so schön genannt wird erschien mir eher fehl am Platz und in seiner Rolle sehr befremdlich.
Aber anscheiennd gab es ja Menschen die mit dem Ganzen mehr anfangen können.

Lesung mit Lilly Lindner

Lieber Autor j.h.,
kann es sein, dass Sie erst 5 Minuten vor Beginn der Lesung erfahren haben, dass Sie einen Artikel über eben diese Lesung schreiben sollen? Anders kann ich mir Ihren "unglaublich" dummen Artikel nicht erklären. Recherche scheint nicht Ihre große Stärke zu sein, aber vielleicht haben Sie ja auch kein Internet und deshalb diese „verworrenen“ Sätze?
Vielleicht haben Sie auch nicht damit gerechnet, dass jemand Ihren Beitrag lesen wird – wie vielleicht sonst auch der Fall? Bereiten Sie sich gefälligst beim nächsten Mal besser vor.
Das was Lilly Lindner in ihren Lesungen, die meistens kostenlos sind, ihrem Publikum vermittelt, ist nicht schön, möchte niemand erleben, ist aber Teil des Lebens von sehr vielen, meistens weiblichen Personen und durch den Gang an die Öffentlichkeit, hat sie mehr Menschen geholfen, als Sie sich denken können.
Lieber j.h., um in Schulsprache zu sprechen:“ Note sechs, setzen.“

Gefühlskälte - nur ein Job?

Beim Lesen dieses "Artikels" - mal ganz abgesehen von den Schreibfehlern, die in keinerlei Relation zur Länge des Textes stehen - stellt sich mir - als mehrfache Besucherin von Lillys Lesungen - die Frage, ob der Verfasser dieses grenzwertigen Berichtes überhaupt tatsächlich vor Ort war. Nicht nur körperlich, sondern auch mit seinen Gedanken und seinem ganzen Sein. Nicht nur als Reporter, der einen stumpfen Job erledigt, sondern als Mensch, der eine Lebensgeschichte kennen lernt.

Dieser Artikel ist herablassend und spiegelt in keiner Weise, was in und hinter Lillys Lesungen und ihren Büchern steckt. Ein wenig Recherche im Vorfeld hätte auch schnell klar gemacht, dass der Textauszug mit der toten Mutter und der neuen Freundin des Vaters eben nicht aus Lillys Autobiographie "Splitterfasernackt", sondern aus ihrem Roman "Bevor ich falle" stammt. Ebenfalls schlauer wäre man in Bezug auf die Symbolik der "geschmissenen" Objekte - vor allem der Wollfäden.

Und was die Fragen angeht, die - höchstwahrscheinlich nur vom Verfasser - nicht gestellt werden durften: Lilly ist sehr wohl immer bereit, sich angemessenen Fragen in einem angemessenen Ton und einer angemessenen Wortwahl zu stellen. Wenn sie von Menschen kommen, die sich wirklich für das, was sie an diesem Abend erlebt haben, interessieren und sich davon berühren lassen konnten.

Werte(r) jh, bei allem Respekt vor Ihrer - hier äußerst schlechten - journalistischen Tätigkeit: Befassen Sie sich doch das nächste Mal ein wenig ausführlicher mit der Person, deren Lesung Sie besuchen. Denn das, was Sie hier als Berichterstattung abliefern, ist ganz sicher nicht das, was den Besucher bei einer solchen Lesung erwartet.

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