Air Baggage, Gesundheitsplätzchen, blaue Engel im Wilden Westen

Marienthaler Carnevalisten punkten bei ihrer Fastnachtssitzung mit Nachwuchs und gestandenen Urfastnachtern

Was für ein Spaß: Mit Theres, alias Anja Eifler, auf Wellnesstour nach Amsterdam zu gehen, das ist schon etwas ganz Besonderes, und ließ am vergangenen Wochenende bei den Sitzungen des Clubs Marienthaler Carnevalisten (CMC) die Lachtränen nur so fließen. In einem herrlich komischen Vortrag, den die Urfastnachterin ganz in Stand-Up-Comedian-Manier komplett auswendig als köstlich-komischen Prolog präsentierte, war jeder Satz ein Kracher.

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Konkurrenz für den Präsidenten

Dass sich trotzdem was ändern muss und die „Alte mit den Falte“ aus dem Elferrat gegen innovative Jungfastnachter ausgetauscht werden müssen, verlangte Nachwuchsredner Liam Maxeiner noch vor der offiziellen Begrüßung durch Sitzungspräsident Thorsten Sandtner. Der bekennende Fußballfan war kurz auf dem Weg zum Fußballspiel und der Stadion-Worscht beim CMC vorstellig geworden und forderte ein, dass sein Traum, selbst Sitzungspräsident zu werden, im nächsten Jahr endlich wahr wird. Doch dass der „Revoluzzer“ damit tatsächlich durchkommt, glaubt keiner - denn mit bester Laune und ganz viel Charme führte Sitzungspräsident Sandtner durch den Abend und mit berechtigtem Stolz konnte er auch ein wahrlich grandioses Programm mit ganz vielen talentierten Nachwuchsnarren und gestandenen Urfastnachtern aus den eigenen Vereinsreihen präsentierten. Das gefiel auch den Ehrengästen im Publikum, den Fastnachtskollegen aus Geisenheim und Rüdesheim, die Thorsten Sandtner begrüßen konnte.

Die erste Augenweide auf der Bühne servierten in drei Gruppen die jüngsten Aktiven des CMC Als Seeräuber brachten sie mit Liedern wie „Fluch der Karibik“ und „Wellerman“ alle in Stimmung. Die große Kinderschar der CMC-Youngsters wird von Arischa Maxeiner und Nicola Rakusa trainiert, und natürlich bekamen die närrischen Leichtmatrosen für ihre Seeräuberei ganz viel Applaus.

Geschliffenes Protokoll

Den hatte sich auch der Protokoller Dietmar Schleiffer verdient, der seinem Namen alle Ehre machte und in geschliffenen Versen das Weltgeschehen, die Bundespolitik und die Geschehnisse vor der eigenen Haustür glossierte: „Auf das, was Kommunal letzt Jahr war geschehn, werd' ich jetzt hier mal kurz eingehn. Geprägt das Bild von ausländischen Wagen und Männern, die am Buddeln und am Graben: Glasfaserausbau für jeden, der's wollt - absolute Fachkräfte wurden aus dem Ausland geholt. Doch bin ich gespannt, wenn mal was passiert, weil von dene wird das bestimmt dann nicht repariert. Und weil wir ja jetzt so schnelles Internet haben und alles viel schneller wird, so auch die Wagen, und jeder es eilig hat, nur noch „schnell, schnell“, da find' ich es gut, dass wenigstens an einer Stell, ein Blitzer in Maidahl wurd' installiert. Weil es noch nicht alle anscheinend kapiert: Fährst 30 im Ort, das reicht wirklich aus, kommen alle gesund auch wieder nach Haus. Nur eins muss ich klar sagen, das halt ich hier fest: Geisenheim im Rheingau „Just test the Best" - Mit Verstand wird hier regiert, zum Wohle der Bürger stetig investiert und das trotz angespannter Haushaltslage - auch dafür kann man einfach dem Christian mal Danke sage. Ja die Kollegen aus Rüdesheim, die haben wohl noch nicht gerafft, wie man einen Kreisel in 8 Wochen schafft. Okay, eins muss man ihnen zu Gute halten, Sperrungen und Umleitungen können die super gestalten: Wochenlang wurd' beschildert, organisiert. Nur blöd, wenn dann plötzlich nix mehr passiert. Das war schon echt ne große Schau, als abgebrochen wurd' der Radwegebau. Dafür gab‘s ein Riesenrad unten am Rhein, was für ein Fest. Das war wirklich fein. Das einzige Manko, das muss ich schon sagen, dann muss ich auch genug Parkplätze haben. Ein Gast von weit her fand das gar nicht so fein und parkte dann einfach mitten im Rhein mit seinem „Berliner-Boot" was für ne Attraktion. Am 1.2. gibt es in Rüdesheim ein neues Oberhaupt, der hoffentlich an den richtigen Rädchen bald schraubt“. Zu den bevorstehenden Kommunalwahlen gab es dann von Protokoller noch einen Tipp: „Der Maidahler Narr ist zwar stets neutral, trotz allem muss ich sagen, gerade bei den mit Spannung erwarteten Wahlen, so auch bei uns hier in Geisenheim, da wollen wohl Neue in‘s Parlament rein und ihre Parteifarbe, ihr wisst, es ist Blau. Drum wählt mit Verstand und bitte seid schlau!“, verkündete Schleiffer aus der Bütt.

Tänzerische Höhepunkte

Und schon war der nächste Tanz dran, der es wahrlich in sich hatte: „Maidahl hier nur Luxus Pur, von Nachwuchssorgen keine Spur. Bei uns, das weiß ein jeder Depp, gibt es nicht nur ein Männerballett. Da gibt’s die alten, die seht Ihr später, jetzt kommen quasi die Nachwuchsvertreter - Lauter Rocker, coole Männer, nit sehr groß, aber der Renner“, verkündete der Sitzungspräsident und die CMC-Boys rockten dann die Bühne wie die Großen. Als „Great Showman“ legten sie eine kesse Sohle auf’s Parkett und punkteten sogar mit Akrobatik. Natürlich wurden die Jungs und ihre Trainer Elcin Yelken, Sandra Müller und Michelle Roose vom begeisterten Publikum gefeiert.

Einen närrischen Einblick in ein Smarthome gab es mit Isa Beisheim, die zu berichten wusste, dass sogar ihr Kühlschrank mit der Waage kooperiert und sie jedes Mal, wenn sie sich was zu essen nehmen will, hören muss, dass sie zu dick sei. Auch die smarte Kaffeemaschine und ihre morgendlichen Updates seien nicht das Wahre, und wenn sie sich traue zu sagen „Alexa mach mal hell“, hat sie ganz flott ein Karussell gekauft. Dass das „Digitalisierungsopfer“ Isa sogar mit dem Mülleimer diskutieren muss und der Saugroboter die Katze jagt, fand das närrische Auditorium sehr lustig.

Danach gab es mit der CMC-Garde wieder einen tänzerischen Höhepunkt, für den sich Corinne Roose, Sammy Beisheim-Derstroff und Klaus Beisheim verantwortlich zeigten. Die sportlichen Tänzerinnen punkteten mit Akrobatik und wundervoller Choreografie.

Air Baggage

Einen wahrhaft massiven Angriff auf die Lachmuskeln unternahmen dann vor der Pause noch die „Golden Girls“ mit ihrer neuen Fluglinie „Air Baggage“: in pinkfarbenem Stewardessen-Outfit nahmen die Flugbegleiterinnen den ganzen Saal mit auf eine Weltreise und das Publikum hob wirklich ab. Schon beim ersten Stop in Paris ging es hoch her und in der Türkei wartete dann sogar ein Bauchtanz auf die Fluggäste. Wegen Spritmangel ging es nach dem Sirtaki in Griechenland allerdings schon wieder zurück zum Airport Maidahl und bei der Landung mussten alle im Saal, ausgestattet mit Knicklichtern, mithelfen. Was nicht nur dem Piloten Jonas Göttert-Brunk in seinem wackeligen Cockpit bestens zu gefallen schien. Mit Superlaune schickten die Golden Girls ihr begeistertes Publikum in die Pause. Und dann ging die närrische Chose gleich mit einem Glanzpunkt weiter: Oli und Clemens „Sören Tyler“ Helget schossen wieder mal den Vogel ab und hatten sich dieses Mal bei ihrem berühmt-berüchtigten Sketch mit Dietmar Schleiffer als Oliver Nagel und Emilie Helget als listige Hexe „Die verdörrte Dörte“ noch Verstärkung mitgebracht. Denn die beiden graziös fliegenden Elfen aus dem letzten Jahr waren verschwunden. Deshalb gab es eine „Sondersendung von Aktenzeichen XY ungelöst“, in der ein besonderes Drehwurmtrauma in einem unglaublichen, selbst gebauten Stahlrad eine große Rolle spielte. Erst als Oli und Clemens das Trauma höchstpersönlich lösten, war auch der Elfenfall gelöst. Ein köstlicher Spaß mit riesigem Aufwand, der alle restlos verblüffte. Unbestritten waren sie wieder mal das Kronjuwel der Sitzung, wie nicht nur Thorsten Sandtner fand.

Rheingau-Präsidentin

Hohe Ziele hat sich eine weitere Größe der CMC-Aktiven in der Bütt gesetzt: Sarah Korn will Präsidentin des Rheingaus werden. Und wie man das wird und was man in diesem Amt so alles machen kann, weiß die clevere junge Frau ganz genau, schließlich hat sie gerade erst ein Jahr in den USA verbracht und dort ein ganz besonderes Vorbild live erlebt. Die Narren im Rheingau dürfen sich also auf einiges gefasst machen, wenn die wortgewaltige Präsidentin Sarah Korn hier das Sagen hat: Zuerst soll es noch zwei zusätzliche Rheingauer Feiertage geben und eine Mauer baut die närrische Präsidentin auch, und zwar aus Wingertsgestrüpp direkt vor Wiesbaden. Die müssen dann jedes Mal Eintritt bezahlen, wenn sie in den schönen Rheingau wollen, was natürlich für viel Heiterkeit sorgte. Danach gab es wieder einen besonderen Augenschmaus, als die „Blauen Engel“, die große Garde, sehr sportlich und temporeich ihren Tanz präsentierten. Tolle Choreografie, Akrobatik und Rhythmik sorgten für Begeisterung. Unter der Leitung von Nadja Reichert und Sandra Brunk gab es einen großartigen Gardetanz auf sehr hohem Niveau.

Eine köstlich komische Nummer servierte auch die Gruppe der „Praktizierten Integrierung von Ausländern“: der „Belgier“ Philippe Roose, der „Westerwälder“ Steffen Müller und der „Ostgote“ verwandelten die „Halle für Alle“ in „Mary´s Valley” und Maidahl in den Wilden Westen, wo die Kojoten durch die trockene Landschaft ziehen. Mitten in der weiten Prärie lockte ein Saloon die närrischen Cowboys und ihr Auditorium zum lustigen Verweilen. Doch es drohte Unheil: Die „Böse Bande 11er Rat“ wurde gesucht und schließlich von den Cowboys mit ihren lustigen aufblasbaren Pferden und Anführer „Sattel-Sandtner“ in einer spektakulären Zeitlupe gestellt.

Einfach nur schön war der bereits ersehnte Auftritt des CMC Modeballett. Die jungen Damen entführten die Gäste auf eine Zeitreise in die Goldenen Zwanziger und zum Charleston „wo Glitzer und Glamour weit und breit wurd' gelebt und präsentiert“. Sie präsentierten einen Augenschmaus mit Lichteffekten und voller Phantasie, Anmut und Akrobatik, die für riesigen Beifall sorgte. Ohne eine Zugabe durften die Damen nicht von der Bühne.

Herrlicher Kokolores war mit den beiden Umweltschützerinnen Sabine Brunk und Anett Gietz angesagt, die in ihrem Zwiegespräch augenzwinkernd „ökologisch nachhaltig die natürlichen Ressourcen der Erde so nutzen, dass sie auch für zukünftige Generationen erhalten bleiben“. Wie die beiden CMC-Vollblutnärrinnen in der für sie so bekannten, unnachahmlichen Art und Weise das ökologische Gleichgewicht schützen und Umweltbelastungen minimieren, die Fähigkeit der Natur zur Selbstregeneration sichern und Maßnahmen wie Ressourcenschonung umsetzen, sorgte bei den Zuhörern für wahre Lachtränen. „Mit hoch die Tassen - gut gehen lassen - Geld verprassen“ hatte es Sabine Brunk als feine Dame allerdings nicht so mit dem Umweltschutz. Doch die „Ökotussi“ und ihre Joints überzeugten, und schließlich befand man: „Sektchen geht immer“.

Männerballett als Schlusspunkt

Und wer dann dachte, jetzt kann nichts Besseres mehr kommen, der hat noch nie das Marienthaler Männerballett erlebt, das in diesem Jahr ebenfalls mitten im Wilden Westen tanzte und den Klappstuhl ausgegraben hatte. Denn Bully Herbigs berühmter „Schuh des Manitu“ war Thema des wahrlich köstlichen Auftritts des CMC-Männerballetts. Für die gelungene Performance, wie Apachen-Häuptling „Abahachi“ und sein Blutsbruder Ranger gemeinsam für Frieden und Gerechtigkeit sorgen und dabei mit den Schoschonen aneinandergeraten und sich mit einem Schatz freikaufen müssen, gab es natürlich riesigen Beifall. Ganz klar, dass die Männer, gebändigt von Trainerin Christina Brunk, die Bühne nicht ohne Zugabe verlassen durften.

Damit ging die närrische Schau des CMC zu Ende: Sitzungspräsident Thorsten Sandtner leitete zum Finale über und mit der Gruppe „Combo infernale“ mit Lars Göldner, Günther Faust, Andreas Klein und Thorsten Sandtner klatschte, tanzte und sang das Publikum begeistert im Rhythmus zu den rockigen Songs mit. Mit den typischen „Maidahler“ Liedern „Satellit am Rhein“ und „Beim CMC zu Fassenacht“ ging die grandiose Sitzung zu Ende.

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