Bach bekommt seinen natürlichen Verlauf zurück

Renaturierung des Kiedrichbachs im Bereich der Waldmühle hat begonnen

Bürgermeister Winfried Steinmacher im Bagger, Bauamtsleiter Christian Paff zeigt den Bauplan.

Kiedrich. (mh) – Nach knapp zweijähriger intensiver Vorbereitung ist am vergangenen Freitag mit der Renaturierung des Kiedrichbaches im Bereich der Waldmühle begonnen worden. Zielsetzung ist es, dem oberhalb der ehemaligen Butterhütte entspringenden Bach seinen natürlichen Verlauf wieder zurück zu geben.

Grundlage des Projekts ist die EU-Wasserrahmenrichtlinie, bis 2027 alle Gewässer in einen guten ökologischen Zustand zu bringen. Um diese auch in Hessen umzusetzen, hat die Landesregierung das Programm „100 wilde Bäche“

ins Leben gerufen, die modellhaft renaturiert werden sollen. Darunter befindet sich auch der Kiedrichbach. Dieser war in der Vergangenheit aus der Talsohle in westliche Richtung zum Antrieb des Wasserrades der Schleifmühle, heute bekannt als Waldmühle, verlegt worden. Die namengebende Familie Fink war in Kiedrich seit dem frühen 17. Jahrhundert dort ansässig.

Sie ist mit dem Handwerk der Schmiede beziehungsweise Waffenschmiede seit 1694 nachgewiesen. Peter Fink soll der Überlieferung nach das 80 Pfund schwere Fallbeil angefertigt haben, mit dem 1803 der Räuberhauptmann „Schinderhannes“ und seine Gesellen in Mainz enthauptet wurden.

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts betrieb die Familie Schellmann eine Dreherei für Fassspunde in der Mühle. Diese wurde anschließend von den Erben in eine Gaststätte umgebaut und erfreute sich einer regen Nachfrage nicht nur von der Kiedricher Bürgerschaft, sondern auch von Gästen aus nah und fern. Aktuell befindet sich das Anwesen im Privatbesitz.

Wie Bürgermeister Winfried Steinmacher beim Ortstermin ausführte, „haben wir vor etwa zwei Jahren mit den Vorbereitungen für die Renaturierung des Baches begonnen. Zielsetzung sei es, das im Bereich der Waldmühle auf einer Länge von cirka 80 Metern verrohrte Gewässer etwa 50 Meter in östliche Richtung in die Talsohle zu verlegen.

Im Privatanwesen werde der Bach nicht mehr gebraucht. Um die in Privatbesitz befindlichen Wiesen zu erwerben, seien mit den Eigentümern entsprechende Kaufverträge abgeschlossen worden. Der Plangenehmigungsbescheid vom 23. Januar 2020 des RP Darmstadt sei am 27. Januar 2020 bei der Gemeinde eingegangen.

Um dem Bach die Suche seines zukünftigen Weges zu erleichtern, hatten Mitarbeiter des gemeindlichen Bauhofes bereits Tage zuvor den alten Weidezaun abgebaut und Brombeerhecken beseitigt. Weil die gesamte Renaturierung sich innerhalb des Naturschutzgebiets Weihersberg befindet, müssen die Bauarbeiten ausschließlich außerhalb der Brutzeit vom 1. Oktober bis 28. Februar durchgeführt werden, erklärt Bauamtsleiter Christian Paff den jetzigen Baubeginn.

Die baulichen Maßnahmen beschränkten sich aufgrund der strengen Vorgaben in diesem Naturschutzgebiet auf Erdarbeiten, die ausschließlich am oberen und unteren Ende der neuen Trasse ausgeführt werden. Am oberen Ende des neuen Bachbetts müsse wegen der Topographie des Geländes und dem Verlauf des dortigen Schleifmühlenwegs ein neuer Bachdurchlass hergestellt werden. Dies erspare der Gemeinde die aufwändige Sanierung des vorhandenen Bachdurchlasses cirka 50 m weiter südlich. Am unteren Ende werde der Bach dann in seinen bisherigen Verlauf geführt. Die ausführende Firma Zehe Bau GmbH aus Burkardroth gehe derzeit von einer Fertigstellung bis Weihnachten 2020 aus.

Die Gesamtkosten für das Projekt einschließlich der Kosten für den Ankauf der Grundstücke und der Ingenieurleistungen betragen laut Kalkulation der Verwaltung 158.030 Euro. Diese werden zu 80 Prozent vom Land Hessen gefördert. Dies entspricht einer Zuwendung von bis zu 126.420 Euro. Die Bauausführungskosten betragen 91.815 Euro.

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