Der Heimat ein literarisches Denkmal gesetzt

Gedenken anlässlich des 30. Todestages von Heimatdichterin Hedwig Witte

Walter Ruhl, Monika Albert und Ellen Apitz (v.l.n.r.) auf dem Weg zum Grab von Hedwig Witte.

„Hedwig Witte war eine überzeugte waschechte Rheingauerin und hat als Schriftstellerin ihrer Heimat ein literarisches Denkmal gesetzt. Dabei war ihr der Erhalt der unverwechselbaren Rheingauer Mundart nach dem Motto „so redde, wie oom de Schnabbel gewachse is“ ein ganz besonderes Anliegen“, beschrieb die Erste Vorsitzende Monika Albert sie in ihrer kurzen Ansprache.

Die Heimatdichterin habe es verstanden, das Leben und Treiben in diesem geschichtsträchtigen Landstrich in humoriger Art und Weise zu schildern. Ihre Lebensfreude und ihr Optimismus spiegele sich in vielen Liedtexten wider, zusammengefasst im Rheingauer Liederbuch. „Bei dem schöne Wetter, geh`n mir nit in die Better, des wär jo werklich Sünd getan, erscht trinke mer noch aan“. Diesen Liedtext soll sie, nach Aussage ihrer Tochter Hella, noch am Sterbetag rezitiert haben.

Für sie war die Rheingauer Mundart, so Monika Albert „wie ein tiefverwurzelter, natürlich gewachsener Baum, in dessen Schatten es sich gut und geborgen leben lässt“. Ihr Wunsch sei es gewesen, dass der Stamm gesund und kräftig bleiben möge, so wie ein Weinstock, den sie in einem ihrer Gedichte mit dem Dialekt verglichen habe.

„Sie liebte den Rheingau und der Rheingau liebte sie“, bezeichnete Monika Albert Hedwig Witte als eine starke Frau, „die das Herz am richtigen Fleck hatte“. Geboren am 5. Juni 1906 im elterlichen Weingut sei sie mit ihrer Schwester Elsbeth in der ehemaligen Klostermühle zwischen Wiesen und Weinbergen aufgewachsen und habe stets die Bodenhaftung zum Rheingau behalten.

Das dichterische Talent von Hedwig Witte zeigte sich schon in der frühen Schulzeit auf der höheren Töchterschule in Eltville, in der sie ihren ersten Schulaufsatz bereits in Gedichtform schrieb. Ihr erstes überliefertes Mundartgedicht „Die Gaasemilch“ verfasste sie mit zwölf Jahren.

Im Laufe ihres reich gefüllten Lebens schrieb sie über 10 Bücher und gab verschiedene Schriften heraus, die weit über den Rheingau hinaus Beachtung fanden. Dazu zählen unter anderem das Sammelwerk „Rheingauer Spätles“, das Wörterbuch „Hessisch, wie es nicht im Wörterbuch steht“ und das Lesebuch „Wenn‘ im Rheingau Winter wird“. In den meisten ihrer Gedichte und Liedtexte spürt man ihren unerschütterlichen Lebensmut, gepaart mit Herzlichkeit, Humor und Liebe zum Wein.

Zu ihren bekanntesten Werken zählen unter anderem der Wegweiser für „Schnudetunker“ und „Wo’s Sträußje hängt werd ausgeschenkt“, das sie mit Hans Ambrosi ins Leben rief. In ihren als „Lisbethche“ in der Presse verlautbarten Kolumnen unter dem Titel „Was gebb ich for mei dumm Gebabbel“ beschreibt sie humorvoll kleine Liebenswürdigkeiten und Merkwürdigkeiten in ihrer Umwelt.

In ihrer literarischen Wiege lag das volkstümliche Mundartstück „Die Hallgartner Jungfer“, das mit großem Erfolg am Hessischen Staatstheater in Wiesbaden aufgeführt und das als bestes hessisches Volksstück im Jahr 1953 ausgezeichnet wurde.

Besonders eng fühlte sich die Heimatdichterin mit dem Rheingauer Mundartverein verbunden, den sie im Februar 1984 in der Klostermühle mitbegründete. Diesen führte sie zwei Jahre als Erste Vorsitzende. Ihr folgte Ulrike Neradt, die nach 30-jähriger Führung das Amt an Monika Albert übergab. Zielsetzung des Vereins ist die besondere Pflege der Rheingauer Mundart. Vor allem aber, den Nachlass von Hedwig Witte lebendig zu halten und an die kommenden Generationen weiterzutragen.

Dazu lädt der Rheingauer Mundartverein die Öffentlichkeit seit nunmehr 28 Jahren am ersten Sonntag im August im Zusammenwirken mit der Gemeinde Kiedrich zur Mundartmatinee auf den Scharfenstein ein, die jedoch im vergangenen Jahr wegen der Corona-Pandemie nicht durchgeführt werden konnte. Ob sie in diesem Jahr veranstaltet werden kann, steht noch nicht fest.

Ihren Ursprung hatte die Mundartmatinee jedoch an einer Schutzhütte im Kiedricher Gemeindewald, die von der Gemeinde zu Ehren der Heimatdichterin errichtet wurde und den Namen „Hedwig-Witte-Hütte“ erhielt. Weil dieser jedoch für Besucher und Akteure schwer erreichbar war, wurde die Veranstaltung zum Scharfenstein verlegt.

Fester Bestandteil der Mundartmatinee sind auch die Auftritte der Jugendgruppe „Rheingauer Schlappmäulcher“, die sich in Mundart üben und dabei Gedichte von Hedwig Witte vortragen. So lernen auch die Kinder und Jugendlichen schon früh, über die Rheingauer Mundart lebendiges Zeugnis zu geben durch das literarische Erbe der großen Rheingauerin Hedwig Witte.

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