Künftig vier statt drei Fraktionen im Parlament

Grüne ziehen erstmals in das Gremium ein / SPD verliert absolute Mehrheit / CDU und FDP mit geringen Verlusten

Auch das im kleinen Saal des Bürgerhauses eingerichtete Wahllokal war den ganzen Sonntag über gut frequentiert.

Nachdem auch im gotischen Weindorf das vorläufige Endergebnis der jüngsten Kommunalwahl vorliegt steht fest, dass es mit dem erstmaligen Einzug von Bündnis 90/Die Grünen in das Gemeindeparlament mit den dort etablierten Parteien CDU, FDP und SPD nunmehr vier Fraktionen geben wird. Seit dieses zu Beginn der vergangenen Wahlperiode verkleinert wurde, sind dort 19 Sitze zu vergeben. Mit acht neuen Mitgliedern wird sich dieses Gremium deutlich verjüngen.

Wie den Daten zu entnehmen ist, haben von den insgesamt 3265 Wahlberechtigten 2048 ihre Stimme abgegeben. Dies entspricht einer Wahlbeteiligung von 62,7 Prozent. Damit liegt diese um 6,9 Prozentpunkte höher als bei der Kommunalwahl 2016. Mit nunmehr 1477 Briefwählern hat sich deren Zahl gegenüber 2016 fast verdreifacht.

Mit 47,13 Prozent der Stimmen bleibt die SPD zwar stärkste Fraktion im Gemeindeparlament, hat jedoch ihre 2016 erreichte absolute Mehrheit von 61,9 Prozent verloren. Das ist ein deutliches Minus von 14,8 Prozentpunkten. Damit verfügt sie dort statt bisher 13 Sitzen nur noch über neun Sitze. Gewählte Kandidaten sind Hans-Peter Erkel, Rüdiger Wolf, Kerstin Engel, Hans-Walter Steinebach, Thorsten Hopp, Maren Wesemüller, Frank Nußbaum, Konstantin Wolf, Beate Schmidt.

"Erneut ein sehr┘ gutes Ergebnis"

„Den Kiedricher Sozialdemokraten hat das Ergebnis dieser Kommunalwahl erneut ein sehr gutes Ergebnis beschert“, zeigte sich Spitzenkandidat Hans-Peter Erkel sehr zufrieden. Damit bleibe die SPD weiterhin die stärkste Fraktion im Gemeindeparlament. Für das entgegengebrachte Vertrauen bedanke er sich bei allen Wählern.

Weil erstmals in Kiedrich vier Parteien zu einer Kommunalwahl antraten, „war damit zu rechnen, dass man gegenüber dem Ergebnis von 2016 Prozentpunkte verlieren würde“. Auf Grund dieser Tatsache sei seine Partei sehr stolz auf das ihr entgegen gebrachte Vertrauen. Das vorläufige Endergebnis zeige, „dass die SPD-Fraktion in den letzten fünf Jahren in Kiedrich alles richtig gemacht hat“.

Ihren Beitrag dazu geleistet haben, so Erkel, „die Fortführung der Haushaltskonsolidierung, die klare Positionierung zu unseren zukünftigen Zielen, ein gutes, ehrliches Wahlprogramm ohne ideologische Wahlversprechen und eine Mannschaft, die den Querschnitt der Kiedricher Gesellschaft wiederspiegelt“. Dazu zähle aber auch die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Bürgermeister Winfried Steinmacher.

Den erneuten eindeutigen Auftrag der Bürger werte die SPD, so Erkel, „als einen großen Vertrauensvorschuss, den wir erneut annehmen und gerecht werden wollen“. Die zukünftige, aus alten und neuen Mitgliedern bestehende SPD-Fraktion werde mit aller Kraft dafür sorgen, „dass Kiedrich den hier lebenden Menschen ein hohes Maß an Lebensqualität in einer lebenswerten, familienfreundlichen aber auch sicheren Umgebung bietet. Das Wahlmotto „Zukunft beginnt vor Ort – Vertrauen durch Leistung“ wird uns stets an den uns erteilten Auftrag erinnern“.

Höchstwahrscheinlich werden der SPD-Fraktion, so Erkel abschließend, neben seiner Person, Kerstin Engel, Thorsten Hopp, Maren Wesemüller, Konstantin Wolf, Beate Schmidt, Fabian Kolonko, Jürgen Scholz und Bettina Nußbaum angehören. Für den Gemeindevorstand sei beabsichtigt, Rüdiger Wolf, Walter Steinebach und Frank Nußbaum zu nominieren.

Mit dem Wahlergebnis┘ zufrieden

Die CDU kommt auf einen Stimmenanteil von 26,17 Prozent. Das ist ein leichtes Minus von 0,9 Prozentpunkten im Vergleich zur Kommunalwahl 2016. Dies bedeutet, dass sie nach wie vor fünf Sitze im Gemeindeparlament inne hat. Gewählte Kandidaten sind Andreas Zorn, Werner Koch, Philipp Prinz, Rebeca Kleinschmidt und Fabian Sohlbach. Bei den letzten drei Genannten handelt es sich um neue Mitglieder.

Wie Spitzenkandidat Andreas Zorn betonte, ist die CDU mit dem Wahlergebnis zufrieden. Im Vergleich zur Kommunalwahl 2016 habe sie als einzige der etablierten Parteien ihr Stimmergebnis um rund 1.000 Kandidatenstimmen ausbauen können. Durch die erfreulicherweise deutlich gestiegene Wahlbeteiligung sei das prozentuale Ergebnis jedoch leicht unter dem 2016er Ergebnis geblieben. Diese hohe Wahlbeteiligung sei ein Beleg für die hohe Identifikation der Kiedricher Wählerschaft mit ihrer Gemeinde, der es wichtig ist, die Zukunft der Gemeinde mitzubestimmen, „denn Kiedrich ist eine lebendige Gemeinde“. Er freue sich, so Zorn, „dass die Kiedricher Bürger der CDU das Vertrauen für die nächsten fünf Jahres ausgesprochen haben und damit auch unsere Arbeit in der abgelaufenen Wahlperiode für die Gemeinde honorieren“. Besonders froh sei er, dass seiner Fraktion mit Rebeca Kleinschmidt, Fabian Sohlbach und Philipp Prinz drei neue Mitglieder angehören. Zusammen mit diesen werde die CDU mit viel Engagement und Elan ihre Arbeit in der Gemeindevertretung fortsetzten“, blickt Zorn optimistisch in die Zukunft.

Glücklich und erleichtert

Die FDP, die bei der letzten Kommunalwahl mit einem Stimmenanteil von 10,9 Prozent eine wichtige Hürde übersprungen hatte, erreicht nunmehr 9,46 Prozent und verliert lediglich 1,4 Prozentpunkte. Damit nimmt sie weiterhin zwei Sitze im Gemeindeparlament ein. Gewählte Kandidaten sind Andreas Scholl und Anna Maria Linke-Diefenbach.

„Angesichts der in Kiedrich neu angetretenen Partei Bündnis90/die Grünen war nicht so wirklich einzuschätzen, wie unser Wahlergebnis, wie überhaupt das Wahlergebnis insgesamt gegenüber 2016 ausfallen würde“, zeigte sich Linke-Diefenbach „unter den gegebenen Umständen“ glücklich und erleichtert über das gute Abschneiden ihrer Partei. Natürlich wünsche man sich den einen oder anderen Prozentpunkt mehr, „aber wir behalten unsere zwei Sitze im Gemeindeparlament und streben an, auch weiter im Gemeindevorstand vertreten zu sein“, freut sie sich sichtlich.

Nicht nur damit habe die FDP ihre Wahlziele erreicht. Dass die absolute Mehrheit der SPD nun Geschichte ist, sei ebenfalls ein positives Signal dieser Wahl. Ihre Fraktion sei auf die kommenden fünf Jahre gespannt. „Getreu ihren Motto ‚Die Zukunft ist besser als ihr Ruf – Wir haben nur eine‘ verstehen wir Liberalen unser Ergebnis weiterhin als Auftrag, zum Wohle unserer Gemeinde, im Interesse der gesamten Bürgerschaft die Zukunft Kiedrichs mit zu gestalten. Das wollen wir tun“, so Linke-Diefenbach abschließend.“

Grüne Zukunft gestalten

Mit einem Stimmenanteil von 17,23 Prozent ziehen die Grünen erstmals in das Gemeindeparlament ein. Gewählte Kandidaten sind Michael Weis, Wolfgang Jörg und Dimitrios Achontas.

„Ich bin sehr glücklich über das Wahlergebnis und freue mich mit meinen Mitstreitern, dass umweltpolitische Themen so viele Kiedricher Bürger bewegen“, so die Bewertung von Spitzenkandidat Weis. „Wir sind zum ersten Mal angetreten und haben auf Anhieb so viele Stimmen bekommen“, dankte er allen, „die uns gewählt haben“. „Mit drei Sitzen im Gemeindeparlament und einem Platz im Gemeindevorstand werden wir Grüne für eine transparente und grüne Kommunalpolitik eintreten“.

„Weil wir das Wahlergebnis als Vertrauensvorschuss sehen werden wir alles dafür tun, um den Erwartungen der Kiedricher Wählerschaft gerecht zu werden“. Dies heiße konkret, die Kiedricher Kommunalpolitik unter umweltpolitische und soziale Aspekte zu stellen und eine grüne Zukunft in Kiedrich zu gestalten. Dabei sei es das Ziel, den Ort als rheingautypisches, charakteristisches Weindorf zu erhalten.

Er und seine Mitstreiter freuten sich auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den anderen Fraktionen in der Gemeindevertretung, „denn auch sie haben im Wahlkampf umweltpolitische Themen endlich aufgegriffen“. Dies sei ein gutes Zeichen für eine fruchtbare künftige Zusammenarbeit.

Keine Auffälligkeiten

Die Kommunalwahl 2021 wurde geleitet und durchgeführt von der besonders bestellten Wahlleiterin Michaela Heuthaler und der stellvertretenden Wahlleiterin Diana Smith. Wie beide berichten, gab es im Verlaufe des Wahlsonntags keine Auffälligkeiten. Alle Wähler hätten sich stringent an die Hygieneregeln gehalten.

Die Gemeinde Kiedrich war in drei Wahlbezirke eingeteilt. Wahlbezirk I mit dem Wahllokal Großer Saal Bürgerhaus, Wahlbezirk II mit dem Wahllokal Aula in der John-Sutton-Schule und Wahlbezirk III mit dem Wahllokal Kleiner Saal Bürgerhaus. Die Briefwahlvorstände hatten ihr Domizil im Sitzungsaal und im Jugendraum des Feuerwehrgerätehauses eingerichtet.

Weitere Artikelbilder:

Neueste Kommentare

Schöne Sommertage am Rhein
22 Wochen 2 Tage
Schöne Sommertage am Rhein
22 Wochen 4 Tage
Schöne Sommertage am Rhein
22 Wochen 5 Tage
Krisenstab verschärft Maßnahmen zur Eindämmung …
24 Wochen 6 Tage
Oskar auf der Burg Rheinstein
1 Jahr 11 Wochen


X