Abschied vom „Grünen Baum“

Abschied vom „Grünen Baum“

Norbert und Kerstin Kilzer haben das traditionsreiche Haus verkauft / Eröffnung in 2023

Zum letzten Mal stand Norbert Kilzer am Herd des „Grünen Baums“. Boeuf Bourguignon war das letzte Gericht, das er für seine Gäste zubereitet hatte.

Oestrich. (chk) – Der „Grüne Baum“ in Oestrich ist geschlossen und wird seine Pforten erst wieder nach aufwendiger Renovierung im Januar 2023 öffnen. Norbert und Kerstin Kilzer haben für das traditionsreiche Haus aus dem 17. Jahrhundert, das seit 1923 in Familienbesitz war, einen Käufer gefunden. Die Abschiedsfeier, zu der sie Freunde, Kollegen und Wegbegleiter eingeladen hatten, fand wegen Corona im weitaus kleineren Kreis statt als geplant.

„Wir bedanken uns bei unseren Gästen, Stammgästen, langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den Kollegen“, sagte Norbert Kilzer in seiner kurzen Ansprache. „Seit dem 1. November 1993 haben wir hier viele Umleitungen und Hochwasser überstanden. Ich fürchte aber, dass die aktuelle Pandemie die Rheingauer Gastronomie auf den Kopf stellen wird.“ Kerstin Kilzer vermutete, dass sie gerade den richtigen Zeitpunkt für die Übergabe an ihre Nachfolger gefunden haben, die ohnehin eine lange Renovierungsphase eingeplant haben. Sie dankte auch ihrer Schwiegermutter Sophie Kilzer, die sie besonders in den Anfangsjahren im „Grünen Baum“ sehr stark unterstützt habe, indem sie die kleine Tochter betreut und später bei Vorbereitungen in der Küche mitgewirkt habe. „Ohne sie hätten wir es gar nicht schaffen können.“

Das Gastronomenpaar stellte auch seine Nachfolger vor: Es ist das Ehepaar Peter Reifenberger und Pia Pientka, das bereits das Gästehaus „Gottesthaler Mühle“ betreibt. Peter Reifenberger kündigte die bereits erwähnte längere Schließung an, um den „Grünen Baum“ zu einem Gästehaus umzubauen. Auch die Gastronomie soll wiedereröffnet werden. Dafür werde er allerdings einen Pächter suchen. Als Geschenk an die Nachfolger überreichten Kerstin und Norbert Kilzer eine gerahmte Original-Zeichnung von Michael Apitz. Der „Grüne Baum“ der von Anfang an die Saisonkarten durch alle vier Jahreszeiten begleitet hat, war für Peter Reifenberger und Pia Pientker personalisiert wurden: Statt Hase und Igel hat Michael Apitz das Paar unter dem Baum sitzend gezeichnet – mit ihren Lieblingsgetränken in der Hand. „Unser Geschenk an unsere Vorgänger wird sein, dass sie nach der Wiedereröffnung unsere ersten Gäste sein werden“, versprach Peter Reifenberger.

Als Hauptgang für das Abschiedsessen hatte Norbert Kilzer für seine Gäste Boeuf Bourguignon mit Bohnen-Kartoffelgemüse zubereitet oder – wie die Rheingauer es nennen – mit Schnippelbohnen. Nach dem Essen wurden noch viele Erinnerungen ausgetauscht. „Wir hatten hier 46 literarische Veranstaltungen, die immer von Gerhard Becker begleitet wurden“, erzählte Norbert Kilzer. „Das bedeutet etwa 1.400 Gäste und rund 7.000 Menügänge.“ Er freute sich, dass einige Rheingauer Kollegen trotz Corona gekommen waren. Besonders freue er sich über Franz Keller, der seine Adler-Wirtschaft in Hattenheim im selben Jahr übernommen habe wie er den „Grünen Baum“. „Wir waren immer gute Freunde und Kollegen“, sagte Kilzer. Für die Zeit der Betriebsferien der Adler-Wirtschaft habe Franz Keller den „Krug“ in Hattenheim und den „Grünen Baum“ in Oestrich empfohlen. „Das war eine besondere Ehre.“

„Wir haben uns hier mit so viel Herzblut eingebracht und freuen uns, dass wir Nachfolger gefunden haben, die sich ebenfalls mit Leidenschaft hier einbringen werden“, betonte Kerstin Kilzer. „Sie haben die Gottesthaler Mühle ganz wunderbar restauriert und mit liebevollen Details als Gästehaus eingerichtet und das wollen sie mit dem ‚Grünen Baum‘ ebenso machen.“ Sie freut sich, dass sie Michael Apitz für die Zeichnung gewinnen konnte. Trotz Zeitmangel habe er den Auftrag ausgeführt und das Werk am Vorabend noch abgeliefert. „Er hat das wunderbar gemacht. Das ist auch ein schöner Abschluss für uns, denn er hat damals 1993 auch die vier Zeichnungen gemacht, die unseren Nachfolgern so gut gefallen haben. Aber diese vier Originale wollten wir nicht hergeben.“

Und was macht das Ehepaar Kilzer nun? Norbert Kilzer ist bereits im Rentenalter und hat eigentlich einen großen Nachholbedarf an Urlaub, für den in den letzten Jahrzehnten keine Zeit war. Nicht nur die Reisebeschränkungen wegen Corona werden ihn in absehbarer Zeit vom Reisen abhalten. „Wir müssen das ganze Haus räumen, das wird einige Zeit in Anspruch nehmen.“ Das sieht auch seine Frau so, die sich schon auf ihre neue Terrasse in Hallgarten freut. Und später wird sie noch einmal beruflich irgendwo einsteigen. „Ich muss noch für meine Rente arbeiten, aber erst einmal freue ich mich auf eine gewisse Verschnaufpause.“

Weitere Artikelbilder:

Noch keine Bewertungen vorhanden

Neueste Kommentare

Oskar auf der Burg Rheinstein
9 Wochen 5 Tage
100 Prozent Öko-Strom für E-Stromer
14 Wochen 1 Tag
Sicher radeln von Assmannshausen bis nach …
35 Wochen 6 Tage
Sicher radeln von Assmannshausen bis nach …
36 Wochen 4 Tage
Sicher radeln von Assmannshausen bis nach …
37 Wochen 1 Tag


X