Geburtstagsfest mit Eiswagen

Kindertagesstätte Rabanus Maurus feierte 60jähriges Bestehen mit Corona-konformem Festprogramm

Wegen Corona hatte man auf ein großes Fest zwar verzichtet, doch so ganz sollte der Kita-Geburtstag nicht ausfallen.

Da freuten sich die 87 Kinder der Kita Rabanus Maurus: Am vergangenen Freitag kam der Eiswagen zu Besuch und für alle Kinder gab es ein Jubiläums-Eis, denn der Kindergarten feierte an diesem Tag seinen 60. Geburtstag. Wegen der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen hatte man auf ein großes Geburtstagsfest mit akademischer Feier, Festreden und großem Programm zwar verzichtet, doch so ganz sollte der stolze Kita-Geburtstag auch trotz Corona nicht ausfallen. Und so hatten sich die Erzieherinnen um die Einrichtungsleiterin Marion Kupper einiges einfallen lassen: „Ein großes Fest wie vor zehn Jahren war natürlich nicht möglich. Trotzdem konnte auch unter Pandemiebedingungen gefeiert werden“. So gab es schon am Eingang an diesem Jubiläumstag eine fröhliche Dekoration mit vielen bunten Luftballons. Außerdem waren weithin die Geburtstagslieder zu hören, die per CD-Player in der Bringzeit alle in Stimmung brachten. Und jede der vier Gruppen hatte ein eigenes Festkonzept mit Spielen, Basteleien, Liedern und vielem mehr vorbereitet. Sogar ein Geburtstagsturnen mit mehreren Stationen war für eine Gruppe organisiert worden. Unbestrittener Höhepunkt war natürlich der Besuch des extra für den Jubiläumstag bestellten Eiswagens. Neben dem begehrten Eis gab es auch für jedes Kind beim Abschied einen Helium-Ballon mit nach Hause und für jeden der insgesamt 27 Mitarbeiter eine Rose.

„Hinter allem steht schließlich vor allem unser starkes Team, das eine enorme Förderung der Personalentwicklung und die Zunahme der Gewichtung durch das Bistum in den letzten Jahren erhalten hat“, so Marion Kupper. Aktuell besuchen 87 Kinder die katholische Kindertagesstätte, die eine Betriebserlaubnis für 100 Plätze hat. 67 Kinder bleiben in der Kita auch zum Mittagessen, das vom Cateringservice von Christof Rath vom benachbarten „Haus am Strom“ geliefert wird. Betreut werden die Kinder von der Kita-Leiterin Marion Kupper und weiteren 19 pädagogischen Fachkräften, dazu kommt eine Mitarbeiterin in Ausbildung. Außerdem gibt es drei Hauswirtschaftskräfte, einen Hausmeister und zwei Reinigungskräfte. Damit sind alle Stellen der Kita, die als eine von neun Kitas ein Teil von St. Peter und Paul Rheingau nach Gründung der Gemeinde neuen Typs ist, voll besetzt. Der Personalschlüssel berechne sich dabei aus Anzahl, Alter und gebuchtem Modul der Kinder.

Sie lobt ausdrücklich die Entscheidung zur hauptamtlichen Trägervertretung: „Die Geschäftsführung einer Kita ist sehr komplex geworden. Ähnlich das Management in der Kita. Die Kinder verbringen einen großen Teil des Tages in der Einrichtung und der Bildungsauftrag gemäß dem hessischen Bildungs- und Erziehungsplan umfasst sämtliche Bereiche.“ So umfasse die Begleitung und Beratung von Familien heute auch einen großen Teil der Aufgaben, ebenso wie die Personalführung und –entwicklung, hält die Kita-Leiterin fest. Das Konzept der Kita basiere auf der Grundlage des „Gütesiegel Bundesrahmenhandbuchs“ des Verbandes für katholische Tageseinrichtungen für Kinder und der DIN EN ISO 9001. „Rund 200 Praxisindikatoren in neun Kapiteln benennen die Qualitätskriterien, nach denen eine Zertifizierung erreicht werden kann“, so Kupper und verweist darauf, dass die Kita Rabanus Maurus in Winkel, diese bereits 2013 erstmals erreicht hatte. Inzwischen wurde die Kita schon zweimal rezertifiziert. „Jährliche Überwachungsaudits sichern das Ergebnis“, erklärt Marion Kupper und verweist auf die Qualitätsbereiche, zu denen natürlich die Kinder und Eltern, aber auch der Pastorale Raum, Sozialraum, Glaube, Träger und Leitung, das Personal, die Ressourcen, die Qualitätsentwicklung und –sicherung gehören.

Ein dickes Lob von der Kita-Leiterin gibt es auch für das Interesse und die Unterstützung „in nicht selbstverständlichem Maße“ durch den Verwaltungsrat. In den letzten Jahren habe man vor allem die Anpassung der Kita und die Optimierung der Angebote stets im Hinblick auf die gesamte Familie in den Mittelpunkt gestellt. „In den 50 Jahren seit der Gründung hat sich viel geändert“, fasst Kupper zusammen. „Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern“, dieser kleine Satz, der so viel Wahrheit in sich trägt, zeigt klar, wie wichtig es ist, sich mit den Inhalten unserer Arbeit in der Tagesstätte auseinander zu setzen. „Was wir bewegen, bewegt sich weiter, und damit die Richtung stimmt, hilft die Orientierung an unserem Konzept, das zwar fest steht, trotzdem in seinen einzelnen Bausteinen so beweglich wie wir bleiben soll“, sagte die Kita-Leiterin.

Schon 1859 gab es in Winkel eine von den „Armen Dienstmägden Jesu Christi“ geführte Kleinkinder-Bewahrschule. Die Schwestern erhielten jährlich 300 Mark Besoldung, jedes Kind zahlte wöchentlich 10 Pfennig. Das Defizit legte der Frauenverein zu. Bis 1896 stieg die Kinderzahl auf über 100. Durch staatliche Bestimmungen und Verbote musste der Kindergarten 1938 geschlossen werden.

1945 folgte die Neueröffnung durch Schwester Theofreda mit 112 Kindern, die Zahl stieg in den nächsten Jahren auf bis zu 155. Am 16. April 1961 wurde das heutige Kindertagesstätten-Gebäude feierlich eingeweiht, die Finanzierung übernahm die Kirchengemeinde St. Walburga Winkel, die Führung liegt seither bei weltlichen Kräften. 1650 Kinder haben in den letzten 50 Jahren die Kita besucht, jährlich rund 33 neue Kinder.

„Kindertageseinrichtungen in katholischer Trägerschaft sind Teil einer Pfarrgemeinde und fester Bestandteil des kirchlichen Lebens. Sie haben damit Teil am kirchlichen Auftrag, wie er in der Pfarrgemeinde gelebt wird, und dürfen zugleich auf alle Hilfestellungen bauen, die die Pfarrgemeinde geben kann. Das Kind steht im Mittelpunkt, es soll Geborgenheit erfahren und so seinen Platz in der Welt finden können. Es soll sich entwickeln können und zu einer selbstständigen und selbstbewussten Persönlichkeit heranwachsen, die sich eingebunden weiß in die sozialen Beziehungen mit den Mitmenschen und der Umwelt. Dies geschieht auf der Grundlage des christlichen Welt- und Menschenbildes“, erklärt Marion Kupper das Konzept. In der seelsorgerischen Aufgabe würden außer dem Pfarrer und anderen Seelsorgern auch ehrenamtliche Kräfte und die Gruppierungen der Pfarrgemeinde mitwirken. Eine besondere Rolle komme dem Verwaltungsrat zu, der regelmäßig die Kindertageseinrichtung auf seiner Tagesordnung habe und in seinen Sitzungen immer offen für aktuelle Fragen oder Angelegenheiten sei. Ein Mitglied wird als Beauftragter für Kindertageseinrichtungen benannt. Hauptamtliche Trägervertreterin ist als Kita-Koordinatorin Petra Götze-Nagel und auch zu der jahrelang ehrenamtlich tätigen Christel Schönleber aus der einstigen Pfarrgemeinde Winkel hat man immer noch ein sehr gutes partnerschaftliches Verhältnis: „Einmal in ihrer Funktion als Mitglied des Verwaltungsrats, privat als Oma von vier Enkeln, alle bei uns, und sowieso mit ihrem Herz“, so Marion Kupper.

Natürlich sei die Kita für alle Kinder und Familien offen, gleich welcher Nationalität, Konfession oder Religion, für Kinder mit oder ohne Behinderung in gleicher Weise. „Allen will sie, und dies gilt gerade für die unterschiedlichen sozialen Verhältnisse, die gleichen Möglichkeiten zur Entwicklung des Kindes geben. Wenn erforderlich, muss sie auch den Mut aufbringen, benachteiligten Kindern bevorzugt einen Platz einzuräumen“, so Marion Kupper. Dass die Einrichtung katholisch sei, sei eine Anforderung, die die Pfarrgemeinde und die Kita zunächst an sich selber stellen, an ihr Konzept, ihre Leitung und ihr Team. Die Mitarbeiter würden sich um ständige Weiterbildung in fachlichen Belangen, ebenso aber auch spirituell und in ihrer Persönlichkeit bemühen. Aber auch von den Familien werde erwartet, dass sie diese Ausrichtung respektieren und im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch an der Verwirklichung mitarbeiten. „Dies gilt auch für praktische Mithilfe in größeren Projekten, die zugleich das Miteinander stärken. Dabei ist auf menschlichen Umgang, wie die Förderung der Verständigung zwischen sich vorher fremden Gruppen sowie auf den Respekt vor der Schöpfung und die Schonung ihrer Ressourcen, wie in der Verwendung von Materialien beim Bau, im Umgang mit Nahrungsmitteln, zu achten“, erklärt die Leiterin.

Zu den pädagogische Grundlagen des Konzeptes erklärt Marion Kupper: „Wir wollen Kinder befähigen, sich und ihre Gefühle wahr zu nehmen, Vertrauen erfahren und erleben zu können, mit anderen zu kommunizieren, Freunde zu finden, Konfliktlösungsstrategien zu entwickeln, die Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, vorgegebene und von der Gruppe vereinbarte Regeln anzuerkennen, Kompromisse zu akzeptieren, Andere zu respektieren und immer mehr Dinge selbständig zu tun. Ganzheitliches Lernen bedeutet für uns Angebote auf allen Ebenen, körperlich, seelisch und geistig, unter Berücksichtigung der individuellen Vorerfahrungen, der Bedürfnisse und der Interessen der Kinder.“. Dabei müsse Lernen gar nicht „veranstaltet“ werden, sondern ergebe sich zwangsläufig aus dem, was gerade abläuft. Verschiedene Arten seien dabei das Freispiel, das in der Kita den höchsten Vorrang habe, das angeleitete Spiel mit Angeboten für die ganze Gruppe oder in Kleingruppen mit Gesprächen, Liedern, Erzählungen, Turnen, Betrachten von Bilderbüchern und Spiele im Stuhlkreis. Ganz wichtig seien auch das Gruppenleben und die Beziehungsfähigkeit zu sich, zu anderen und zur Umwelt. Dabei stehen den Kindern und Erzieherinnen ein großer Mehrzweckraum zum Turnen zur Verfügung, ein Traumraum zum Entspannen, das beliebte Bällchenbad und das „Haus der kleinen Forscher“ im benachbarten Mehrgenerationenhaus und das Personalzimmer für Basteleien am dortigen Kinder-Tisch. Außerdem gibt es wiederkehrende Waldtage und eine gute Kooperation mit der Kinder- und Jugendfarm, die prima fußläufig zu erreichen ist: „Bereits in zweiter Saison dürfen wir an jedem Donnerstag und Freitag vormittags alleine dort sein. Außerhalb von Corona gibt es auch einen Turnhallentag mit Nutzung der Fritz-Allendorf-Halle in Kooperation mit der Turngemeinde Winkel.

„Jede Gruppe hat ihre eigene Gruppenleitung, Teamarbeit prägt jedoch auch hier den Charakter und die Form der Aufgabenverteilung“, so Kupper.

Eine qualitativ gute Betreuung in den ersten Lebensjahren sei die Grundlage für die gesamte weitere Entwicklung der Kinder. Viele Fähigkeiten, vor allem im Sinnesbereich, die in dieser Zeit nicht gefördert würden, könnten ein Defizit für das ganze Leben nach sich ziehen: „Kinder, die im Kindergartenalter und auch schon vorher keine ausreichenden Anregungen zum kreativen Tätigsein bekommen haben, verfügen später hirnphysiologisch über schlechtere Grundlagen, sie haben es schwerer, intellektuelle Fähigkeiten zu entwickeln. Wir von der katholischen Kindertagesstätte Rabanus Maurus sind uns seit 60 Jahren der Verantwortung pädagogischer Betreuung bewusst und stolz darauf, uns dieser wachsenden Aufgabe täglich neu und gern zu stellen“, hielt die Kita-Leiterin im Rahmen des stolzen Jubiläums fest.

In all den 60 Jahren habe sich die Kita stets weiterentwickelt, aber räumlich sei sie inzwischen an ihre Grenzen gestoßen. „Es gibt bereits Lösungsmodelle und auch Gremien, die mit den Entscheidungen zur Umsetzung befasst sind. Von daher spekulieren wir voll Zuversicht darauf, die 70-Jahr-Feier unvergleichbar mit heute zu gestalten“, so Marion Kupper.

Weitere Artikelbilder:

Neueste Kommentare

"Das Lied ist noch wichtiger als vor einem …
4 Tage 21 Stunden
Schöne Sommertage am Rhein
25 Wochen 1 Tag
Schöne Sommertage am Rhein
25 Wochen 4 Tage
Schöne Sommertage am Rhein
25 Wochen 6 Tage
Schöne Sommertage am Rhein
26 Wochen 17 Stunden


X