Waldfeen, alte Jungfern, Harlekins und der König der Liedertafel

Waldfeen, alte Jungfern, Harlekins und der König der Liedertafel

Hallgartener Liedertafel verwandelte den Winzerkeller in eine bunte Narrhalla mit vielen großen und kleinen Narren

Das Narrentalent Leo hatte viel Unfug im Kopf.

Hallgarten. (sf) – Bis auf den letzten Platz war der Hallgartener Winzerkeller am Samstagabend besetzt. Vier Generationen trafen sich hier kostümiert zum Fastnachtshighlight des Jahres: Der bunte Abend der Liedertafel. Zum ersten Mal hatte man das närrische Geschehen in den Winzerkeller verlegt und die ehemalige Kelterhalle mit närrischen Dekorationen in eine Narrhalla verwandelt. Aus Platzgründen und auch aus organisatorischen Gründen war man vom Bürgerhaus in den Winzerkeller umgezogen.

„Wir haben hier mehr Platz für das Publikum, mehr Platz für die Akteure und schließlich auch mehr Platz für das Catering“, erklärte Michaela Schmid. Sie hatte als „Lakai“ des „Königs der Liedertafel“, Roland Koch, das bunte Treiben auf der Bühne um 19.33 Uhr eröffnet und versprach unter dem Motto „140 Jahre Liedertafel, hierauf ein dreifach Hurra – dass es sie gibt ist wunderbar!“ einen tollen Abend voller Überraschungen. Und den bekamen die begeisterten Gäste auch serviert. Kleine und große Narren, Tänzer und Tänzerinnen, gestandene Urfastnachter und Debütanten schossen ein wahres Narrenfeuerwerk ab.

Gleich zu Beginn servierten die „Tanzwichtel“ der TG Hallgarten unter Leitung von Jessica Krüger, Jule Abel und Annica Schuld den ersten Höhepunkt. Die kleinen Waldelfen tanzten einen Mix aus Irish Dance und HipHop und dafür wurden Marie Abel, Natalie Stankova, Mara Koch, Emilia Schuld, Romy Krüger, Kim Ruppert, Alica Schili, Lilith Schuld, Zoe Maier, Ella Breidbach, Jara Dick, Kassandra Bug, Johanna Molitor, Juniper Giangrasso und Charlotte Krüger mit viel Beifall belohnt. Ein Hammer war das Zwiegespräch „Lausbub und Mutter“, bei dem Leo Schneider seiner Mutter Yvonne ganz cool den Schneid abkaufte. Der Zehnjährige hatte endlich den Sprung in die Bütt geschafft, was Mutter Yvonne ihm schon lange versprochen hatte. Mit dem Roller kam er auf die Bühne, schmiss seinen Schulranzen in die Ecke und packte erst mal die wichtigsten Utensilien aus: Gummibärchen, Steinschleuder, Spielpistole, Spielzeug. Dann zog er fürchterlich über seine Mama her, die am „Bahlsensyndrom“ leidet, weil sie einen an der Waffel hat und einem tierisch auf den Keks geht. „Die Mutter sagt, Papa sei ein richtiger Krieger – ein nix auf die Reih‘-Krieger“. Die Mama von Leo war über die vielen „frechen“ Aussagen ihres Sohnes so empört, dass sie sich wünschte, sie hätte den Storch bei der Lieferung des kleinen Leos gleich abgeschossen.

Als „Reporter vom Käskurier“ gab sich Edgar Rock aus Taunusstein, ein aktiver Sänger in der Liedertafel, ein Stell-Dich-ein: „Ich komm persönlich, bitte sehr. Bin Pressechef und Redakteur. Bin Journalist und auch Verleger, hauptehrenamtlich Zeitungsträger. Ich bin das Käsblatt in Person und von Verlag und Redaktion, grüß ich euch all im Saale hier, de Handkäskarl vom Käskurier“. Und auch Bürgermeister Kay Tenge gehörte zu den Debütanten und grüßte aus der Bütt. Er berichtete in Reimen über seinen Werdegang, wie er zu seinem Beruf kam und beschrieb das Beamtenleben mit einem kleinen Augenzwinkern.

Weiter ging es mit einem Augenschmaus, als die Kindertanzgruppe der TG Hallgarten „Magic Dancers“ im Alter von neun bis zwölf Jahren unter der Leitung von Yvonne Schneider zum Thema „Zirkus“ tanzte. Die jungen Artistinnen waren als Harlekins verkleidet und kamen teilweise auf Stelzen und mit Hula-Reifen auf die Bühne. Akrobatik gab es auch mit Radschlagen über zwei auf der Bühne platzierten Tische und neben abwechslungsreichen artistischen Darbietungen rundeten zwei lustige Pantomimekünstler die Vorstellung ab. Die Mädels hatten eine tolle Ausstrahlung und man sah Senta Schneider, Romy Krüger, Leonard Schneider, Katharina Patzelt, Valentina Schuld, Finya Koch, Lena Sickold, Ellen Rose, Hannah Statzner, Julia Statzner, Dominika Sliwa, Patricia Sliwa, Nele Korn, Maren Molitor und Fynn Schlosser an, dass ihnen ihr Auftritt riesig viel Spaß gemacht hatte.

Immer ein Garant für Lachtränen sind das „Hallgartener Ur-Mädchen“ Andrea Mörbel, die schon lange nach Rauenthal ausgewandert ist, und Partnerin Jutta Fechtig-Weinert. Mit schönstem Tratsch und Klatsch wurde ordentlich über die Männer gelästert und sich den Problemen mit dem Alter und der Figur gewidmet: „Ich hab von meinem Mann diesen tollen Ring bekommen“ – „Waaas? Der muss ja ein Vermögen gekostet haben. Wie hast du dann deinen Mann dazu gebracht, dir so ein Geschenk zu kaufen?“ – „Reine Wasserkraft…ich hab wochenlang gebettelt und geheult“.

Mit einem „Loblied auf die Frau“ kam Helmut Gerster in die Bütt und klagte, dass es früher viel besser war: „Da hatte der Mann noch die Hosen an und die Fraun warn dem Manne untertan“. „Das macht alles mein Frauchen, das macht alles mein Schatz, wie gut, dass ich mein Frauchen, mein liebes Frauchen hab“, sang Gerster und alle im Saal schunkelten und sangen mit.

Den Vogel schoss wieder Magda Miltner vom CVW als „S’ Gret´sche – eine alte Jungfer“ ab. „Ich hätt´ so gern einen gefunne, aber wen ich auch kenne gelernt hab, es hot nie geklappt“, erzählte sie und hatte sich dann bei „Parship“ angemeldet. Bei ihrem Profil wollte sie dann schreiben, dass sie gern Quetschekuche backt: „Ich hab aber nit gewusst wie man „Quetsche“ schreibt, da hot mei Freundin Finchen gemeint, ich soll Mirabellekuchen schreiben, der würde auch schmecken“. Für diesen Vortrag gab es vom Publikum eine Rakete.

Nach der Pause sorgten die Liedertafel-Singers im glitzernden Disco-Look unter dem Motto „Musik ist Trumpf“ für Furore. Extra für das 140-jährige Liedertafel Jubiläum hatten sich Roland Koch und seine drei Damen aufgepeppt und erinnerten daran, dass es auch den bunten Abend schon seit 60 Jahren gibt. Vom Schlager bis zum Partyhit gab es Lieder wie „Que sera, sera“, „Rote Lippen soll man küssen“, „Fiesta Mexicana“ und „Einmal ist immer das erste Mal“.

Witzig war auch das Zwiegespräch der Rauenthaler Oma Anita Fuchs mit ihrem Enkelkind Senta Schneider: „Ach was ist des Lebe en Mist, bis du mol erwachse bist. Von früh bis spät wirst du erzoge, de ganze Tag zurecht geboge. Mer kriegt gesagt – genau und scharf, was nit erlaubt und was man darf. Drum wehrn wir uns, dass es kracht. Mir Kinner müsse emol an die Macht!“.

Nicht fehlen durften die „Sparkling Diamonds“, das Damenballett der Liedertafel, das zum Thema „Afrika“ die Buschtrommeln erklingen ließ: Die Tänzerinnen Yvonne Schneider, Laura Forstbach, Annica Schuld, Lisa Bauer, Jessica Krüger, Mone Hanke, Melanie Kliemt, Uli Henrich, Maria Jandl, Gudrun Kliemt und Sandy Nitze zeigten zunächst einen wilden Eingeborenentanz, der sich zum Opfertanz gestaltete. Als „Opfer“ ließ sich Leo Schneider an einer Stange gefesselt auf die Bühne tragen und in einem Kessel mit einem Bündel Karotten auf dem Kopf gar kochen. Dann verwandelten sich die Afrikaner in Zebras und bekamen nicht nur Beifall für die tollen Kostüme, die die Gruppe selbst genäht hatte. Für die Choreografie zeigten sich Jessica Krüger und Yvonne Schneider verantwortlich.

„De Eestricher und de Hallgaarder“ Erwin Peter und Thomas Lotz sind bei der Liedertafel schon legendär und warfen sich wieder Witz um Witz an den Kopf: „Der Betriebsausflug stand an und der Chef meinte, im Doppelbus, dass alle Oestricher oben sitzen sollen und die Hallgartener unten. Unten bei den Hallgartenern war gleich Stimmung. Da wurde gesungen und gelacht. Nur oben bei den Oestrichern „Totenstille“. „Was ist denn bei Euch los? Ihr seid ja alle leichenblass… und warum haltet ihr euch alle krampfhaft an euren Sitzen fest? Es ist ja gar keine Stimmung bei euch“, sagte Erwin Peter bei Besuch in der oberen Etage. Darauf die Oestricher: „Ihr habt ja auch gut reden da unten…ihr habt ja wenigstens einen Fahrer“ .

Ebenfalls ihr Fett weg bekommen alle Oestrich-Winkeler traditionell bei Christian Rau in seiner Paraderolle als „De Höhländer“. Rau präsentiert seine Rede stets im breitesten Hallgartener Dialekt und lobt natürlich den Ort und seine Bewohner aufs Äußerste. In diesem Jahr spielte er auf die Eingemeindung 1977 an und behaarte darauf, dass man sich nach 750 Jahren Selbständigkeit nicht verbieten lasse, „durch unsere Wege zu fahren. Wir lassen uns nicht einschränken“, erklärte er mit Seitenhieb auf die Schranke am Feldweg hinter der Schule in Oestrich nach Mittelheim. Dafür gab es vom Publikum eine Rakete.

Nicht minder begeistert feierte man die „Hallgartener Haalebeern“, das Männerballett, das diesmal in die Disco einlud. Zu Techno-Beats und Disco-Rhythmen tanzten die Jungs vom Liedertafelballett mit blinkenden schwarzen Brillen. Das Publikum war begeistert und feuerte Laurenz Petry, Dieter Dankert, Michael Semmler, Dennis Schuld, Thorsten Abel, Thomas Lotz und Markus Pütz ordentlich an. Eine Zugabe ganz in Schwarzlicht war der Höhepunkt und die Trainerinnen Mone Hanke und Maria Jandl durften stolz auf ihre Haalebeern sein. Damit ging die bunte Schau auf der Bühne zu Ende, der Abend allerdings noch nicht.

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