Auch die Bäume im Wald haben ein Internet

Auch die Bäume im Wald haben ein Internet
Der Kulturkids-Tag lud zu spannenden Naturentdeckungsreisen ein

Mit Lamas und Alpakas über das Klostergelände zu gehen, war für die meisten Kinder eine neue Erfahrung.

Kloster Eberbach. (chk) – „Leseförderung und Bildung sind mir wichtige Anliegen. Die Zutaten des Kulturkids-Tages: Bücher, Autoren, Literaturbegegnungen, Kindertheater und Mitmachstationen zu einem Thema – diesmal Wald und Natur – erscheinen mir gemeinsam mit dem wunderbaren Ambiente von Kloster Eberbach ein gelungenes Rezept zu sein, Kinder, Eltern, Bücher, Bildung und Kultur zusammenzuführen“, erklärte Landrat Frank Kilian im Anschluss an die Veranstaltung.

Er ist auch Schirmherr des mitveranstaltenden Vereins Netzwerk Leseförderung Rheingau-Taunus und sagte weiter: „Ich danke den Kulturkids-Machern und freue mich über die 500 Eltern und Kinder, die sich an einem tristen Novembersonntag gemeinsam an Büchern und Kinderkultur erfreut haben.“ In der Tat waren die 500 verfügbaren Karten für den Kulturkids-Tag im Kloster Eberbach schon Wochen vorher ausverkauft, denn offenbar wollten viele Familien, die schon im letzten und vorletzten Jahr dabei waren, auf keinen Fall die dritte Auflage des Kulturkids-Tages verpassen.

Im Rahmen des Lesefestes hatten als Kooperationspartner neben dem Netzwerk Leseförderung „Kultur für Kurze und Lange“ und die Stiftung Kloster Eberbach zu einem Natur-Entdeckertag für die ganze Familie eingeladen. „Das hatten wir schon im letzten Jahr auf der Agenda, aber jetzt ist der richtige Zeitpunkt, weil der Zustand des Waldes und der Klimawandel noch mehr ins Bewusstsein der Menschen gerückt sind“, sagte Sabine Stemmler-Heß, Lesefest-Initiatorin und Geschäftsführerin des Vereins Netzwerk Leseförderung Rheingau-Taunus. Ihr war es gelungen, Carina Wohlleben, die Tochter des prominenten Autors Peter Wohlleben, für eine Lesung zu gewinnen – und dazu noch Bärbel Oftring, Biologin und Autorin von 140 Kinderbüchern, für einen Workshop.

Adolf Seitz, Geschäftsführer von „Kultur für Kurze und Lange“, hatte das Theater „ACTeFact“, das Mitmachmuseum für den Naturschutz, die Kinderkelterei „Taunus-Apfel“, die Hochschule Geisenheim und den Eventhof Kisselmühle engagiert. Für viele Kinder war es eine neue Erfahrung zu erleben, wie sie Äpfel zu Saft keltern können und 140 Liter Saft waren alsbald getrunken. Das Team der Kisselmühle begleitete Kinder und Eltern, die Lamas und Alpakas über das Klostergelände führen durften. Im Laiendormitorium leitete das Team der Kisselmühle an mehreren Tischen zum Filzen mit Lamawolle an, was begeistert angenommen wurde. „Manche Kinder saßen sogar zu zweit auf einem Stuhl, um beim Filzen mitmachen zu können“, hat Adolf Seitz beobachtet. „Es ist schön, dass sie Sachen selbst machen und mit nach Hause nehmen konnten – das hat eine gewisse Nachhaltigkeit.“ Gut fand er auch, dass Eltern und Kinder an diesem Tag viel gemeinsam entdeckt haben, denn die Themen wurden kindgerecht, aber auch zugleich spannend und interessant für Erwachsene dargeboten. „An den Mitmachstationen der Hochschule Geisenheim haben sich die Eltern mit großem Interesse eingebracht“, berichtete er. So war zu beobachten, wie beispielsweise Dr Moustafa Selim vom Institut für Phytomedizin an der Hochschule Geisenheim Kindern und Erwachsenen gleichermaßen Forschungsergebnisse zur Bekämpfung von Kirchessigfliege, Falschem Mehltau und Schwarzfäule vorstellte. „Soweit es möglich ist, wenden wir natürliche Methoden an, um die Umwelt zu schonen“, erklärte Selim. Auch das Mitmachmuseum für den Naturschutz durfte sich an den einzelnen Stationen über den Besuch von hochmotivierten Kindern und Eltern freuen.

Die Stiftung Kloster Eberbach lud zudem ein, mit „Bonifaz“ das Kloster zu entdecken. „Im letzten Jahr haben wir für die Kulturkids eine Rallye mit der Klostermaus entwickelt, die Kinder in die Lage versetzt, das Kloster alleine zu erkunden“, erklärte Adolf Seitz. Er freute sich, dass auch die beiden Theaterstücke von „ACTeFact“ begeistert aufgenommen wurden. Sowohl „Der geheime Garten vom Kloster Eberbach“ als auch „Der König der Faulpelze“ motivierten die Kinder nicht nur zum aufmerksamen Zuschauen, sondern auch dazu, mitzumachen und ihr Wissen einzubringen.

Begonnen hatte der Tag mit der offiziellen Eröffnung durch Landrat Frank Kilian, Dr. Falk Lauterbach von der Stiftung Kloster Eberbach und Jutta Nothacker von der Stiftung Flughafen Frankfurt/Main, dem Hauptsponsor des Kulturkids-Tags. „Ohne diese Spende könnten wir diese Veranstaltung gar nicht durchführen“, betonte Kilian. Da das junge Publikum nicht mit Grußworten gelangweilt werden sollte, waren sie entsprechend kurz, so dass Carina Wohlleben sogleich mit der Lesung beginnen konnte. Zu dem Buch „Hörst du wie die Bäume sprechen? – Eine kleine Entdeckungsreise durch den Wald“ präsentierte sie anschauliche Bilder aus diesem Buch auf der Großleinwand. Geschrieben hat es ihr Vater Peter Wohlleben, Förster, Buchautor und Gründer der Waldakademie in Wershofen in der Eifel, wo auch Carina Wohlleben als studierte Geographin mitarbeitet. Außerdem geht sie mit den Kinderbüchern ihres Vaters auf Lesereise. In ihre Lesung baute sie immer wieder Fragen ein: „Wie atmen Bäume? Woran erkennt man das Alter der Bäume? Warum brauchen Bäume einen Stamm? Haben Bäume auch eine Familie? Was lernen Baumkinder in der Schule? Gibt es im Wald ein Internet?“ Die Antworten auf diese Fragen waren auch für Erwachsene überaus spannend, denn nicht jeder weiß, dass Bäume mit Duftaromen „sprechen“ können, dass sie über Pilze mit einem unterirdischen Internet verbunden sind und dafür mit Zucker „zahlen“. Auch über die Rollen, die Eichelhäher, Eichhörnchen und Waldmäuse spielen, las Carina Wohlleben spannende Geschichten.

Die Kinder lauschten aufmerksam und bewiesen bei vielen Fragen, beispielsweise bei der Bestimmung von Laub, ein beeindruckendes Wissen. Um zu verstehen, warum Rehe und andere Tiere nicht die Fichten abfressen, durften einige Kinder testen, wie kratzig die Fichtenzweige schmecken und auch andere kleine Experimente mitmachen. Im Anschluss nutzten viele Gäste die Gelegenheit, neben dem großen Büchertisch der Bücherstaube Lauer dieses Buch von Carina Wohlleben signieren zu lassen. Auch ein weiteres Kinderbuch von Peter Wohlleben war auf dem Büchertisch vorrätig. Es hat den Titel „Weißt du wo die Baumkinder sind?“ Die Bücher können wertvolle Begleiter für junge Naturentdeckerinnen und -entdecker sein, denn sie sind in einem fesselnden Stil geschrieben und sehr schön illustriert – genau richtig, um die Liebe zur Natur, zum Wald und seinen Tieren zu entdecken, denn die wird in Zukunft ganz sicher gebraucht.

Das sieht auch Bärbel Oftring so, die ebenfalls ihre Bücher signierte, an diesem Tag aber „nur“ für einen Workshop engagiert war. Sie spüre bei ihren Veranstaltungen, dass Kinder sehr viel wissen, aber häufig wenig Bezug zur Natur hätten, den sie mit ihren Büchern und Workshops vermitteln wolle, erzählte sie. „Stell dir vor, du wärst ein Tier im Wald“ heißt eines ihrer Bücher und das war auch der Titel ihres Workshops. Dazu hatte sie Tierfelle, Geweihe, Federn und vieles mehr mitgebracht, um den Kindern zu erlauben, in die Rolle eines Waldtieres zu schlüpfen. Dabei entwickelten die Kinder ihre eigenen Phantasien. In einer ihrer Geschichten beschreibt sie es so: „Stell dir vor, du wärst ein Reh … täglich genug äsen, also fressen, wäre das Wichtigste für dich. Den ganzen Tag verbringst du mit der Suche nach Futter, Fressen und Wiederkäuen. Da fast überall Menschen leben, deren Nähe du meidest, kommen die Stunden mit Tageslicht für dich nicht infrage …“

Von allen Seiten gab es Lob für den gut organisierten Tag, die vielfältigen Angebote und das Interesse der Gäste. Vielfach kritisiert wurde allerdings das Bewirtungsangebot, das mit nur einem Bratwurststand mehr als dürftig war. Ein breiteres Speisenangebot, Brezeln, Kuchen und Kaffee hätten den abwechslungsreichen Tag vervollkommnet. Falk Lauterbach war begeistert zu sehen, wie gut Lesung, Theaterstücke und Mitmachangebote angenommen wurden. Auch der fast komplett anwesende Vorstand des Vereins Netzwerk Leseförderung, der sich an vielen Ecken und Enden einbrachte, wirkte überaus zufrieden. „Alles, was die Lust an Büchern und am Lesen weckt, freut uns“, betonte Sabine Stemmler-Heß.

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