Präsident Kink: „Das Schlimmste steht uns noch bevor“

Präsident Kink: „Das Schlimmste steht uns noch bevor“

Sommerpressekonferenz des Hotel- und Gastronomieverbandes DEHOGA Hessen e.V.

Julius Wagner, Madjid Djamegari, Robert Mangold, Gerald Kink, Sven Volkert und Daniela Fette-Rakowski (v.l.n.r.).

Rheingau. (mh) – Um die bei der Mehrheit der Betriebe im Hessischen Gastgewerbe durch die Restriktionen der Corona-Pandemie verursachte prekäre Situation mit der Folge drastischer Umsatzverluste zu verdeutlichen, stellte der Branchenverband DEHOGA Hessen e.V. in seiner Sommerpressekonferenz wichtige Zahlen und Fakten auf der Grundlage der Rückmeldungen von knapp 1.000 Betrieben vor.

 

„Uns steht eine Insolvenzwelle im Herbst dieses Jahres bevor“, sagt Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer dieses Branchenverbandes. Geschäftsaufgaben würden vor allem für das letzte Quartal des Jahres in einem erheblichen Umfang von bis zu einem Fünftel der Betriebe erwartet. Betroffen seien vor allem Clubs und Diskotheken. Die von Geschäftsreisenden und dem Tagungsgeschäft abhängige Stadthotellerie kämpfe mit akutesten Existenzsorgen.

Während die speisegeprägte Gastronomie in Stadt und Land weit überwiegend davon ausgehe, die Krise einigermaßen zu überstehen, gebe rund ein Viertel der Hotellerie in Hessen an, bis zum Jahresende Insolvenz anmelden zu müssen. Dabei seien städtische Hotels überproportional hart betroffen. Doch auch bei Restaurants, Cafés oder Bistros sei eine wirtschaftliche Überlebensperspektive nur aufgrund der Möglichkeiten der Kurzarbeit, teilweisen Stundungen von Dauerverbindlichkeiten oder durch staatliche Förderprogramme und Kredite, gegeben.

Bei über der Hälfte der hessischen Betriebe in Hotellerie und Gastronomie breche der Umsatz in den aktuellen Sommermonaten um über 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ein. Bei einem weiteren Drittel der Betriebe liege der Umsatzeinbruch zwischen 40 und 20 Prozent. Ein Viertel verzeichne sogar Umsatzeinbußen von über 70 Prozent. Die Schätzungen für bis Ende August seien mit diesen validierten Umsatzzahlen nahezu identisch.

Damit stehe auch fest, so Wagner, „dass Urlaub im eigenen Bundesland und die Ferienzeit keinen Boom in Hessens Tourismuswirtschaft ausgelöst haben und der erhoffte ‚run‘ auf viele hessische Destinationen bis jetzt einfach nicht stattgefunden hat“.

„Unseren seit Monaten mahnenden Verband überraschen die neuesten Erkenntnisse nicht“, kommentierte Präsident Gerald Kink das Umfrageergebnis. Dass man jedoch aufgrund konkreter Zahlen in den kommenden Monaten mit bis zu 1.500 Betriebsaufgaben rechnen müsse, sei umso alarmierender. Angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung des Gastgewerbes für das Bundesland Hessen sei das ein herber Schlag für Wirtschaft und Beschäftigung.

Wie er vorrechnete, hat das Gastgewerbe mit mehr als vier Prozent einen gewaltigen Anteil am Bruttoinlandsprodukt und beschäftigt, alle Unternehmen der Branche zusammengenommen, über 200.000 Menschen. Ergebnis der Umfrage sei ebenfalls, dass sich im Mai 72 Prozent der Beschäftigten in Kurzarbeit befanden.

75 Prozent der gastgewerblichen Unternehmen in Hessen gaben an, so der Präsident, „dass sie nur durch begleitende Maßnahmen eine Chance sehen, die Krise zu überstehen“. Begleitende Maßnahmen seien in diesem Zusammenhang das Kurzarbeitergeld, die Corona-Soforthilfen, die aktuell laufenden Überbrückungshilfen sowie die staatlichen Kredite, „die nur beschränkt eine Lösung darstellen und die Belastungen zeitlich verlagern“. Bei den Überbrückungshilfen fielen jedoch viele Betriebe „durchs Raster“.

Dennoch dankte Kink der verantwortlichen Politik in Bund und Land für ihr schnelles Handeln. Ferner den Arbeitsagenturen bei der Bearbeitung der Anträge für das Kurzarbeitergeld. Jetzt dürfe jedoch nicht der Fehler begangen werden zu glauben, die Krise sei überwunden, „denn das Schlimmste steht uns noch bevor“. Von der Politik erwarte er, „dass sie das Gastgewerbe in den kommenden schweren Monaten überzeugt und wertschätzend unterstützt“.

Damit gewachsene Strukturen nicht zusammenbrechen, mahnt Kink eine Verteilung der Lasten auf alle und insbesondere breite Schultern in Wirtschaft und Gesellschaft an, „denn Niedergang und späterer Aufbau werden Staat und Gesellschaft noch weitaus tiefgreifender belasten“.

Dabei sollte sich, wie er nachdrücklich betonte, sowohl die Immobilien- als auch die Bankenwirtschaft stärker am Krisenmanagement an der Seite insbesondere der kleinen Unternehmen beteiligen. Ein weiteres Ergebnis der Umfrage sei, dass fast 40 Prozent der Unternehmen klagte, von ihren Banken nicht unterstützt zu werden. Hier erwarte er ein deutlich spürbares Bekenntnis für den gastgewerblichen Mittelstand. Gleichzeitig danke er „umsichtigen“ Vermietern für ihr zukunftsgerichtetes Zusammenwirken.

Bürgschaften

Wie Sven Volkert, Geschäftsführer der Bürgschaftsbank Hessen, ausführte, lag das Bürgschaftsvolumen im Juni bei 44,2 Millionen Euro. Dies sei ein sprunghafter Anstieg von 57 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das Gastgewerbe habe mit etwa 4,4 Millionen Euro daran einen nennenswerten Anteil.

Kredite könnten, so Volkert, bis zu 90 Prozent besichert werden. Der Zugang zu der besonders schnell verfügbaren Expressbürgschaft sei erleichtert und die Liquiditätssituation bei zahlreichen Unternehmen durch umfangreiche Tilgungsaussetzungen verbessert worden.

Der Vorsitzende des Fachbereichs Gastronomie des DEHOHA Hessen, Robert Mangold, wies auf den eklatanten Widerspruch zwischen Zusammenkünften im öffentlichen Raum ohne jedwede Beachtung der Maßnahmen zum Schutz vor dem Virus, wie Abstand und Mundschutz, und der andauernden Schließungsverfügung für Clubs und Diskotheken hin.

Es sei nicht vermittelbar, dass die Politik Clubs schließe, die Gastronomie mit Auflagen beschränke und gleichzeitig tatenlos die wiederholte Missachtung aller Regeln der Gemeinschaft billige und die Stadt Frankfurt nichts besseres leiste, „als auf öffentlichen Plätzen zusätzliche Mülltonnen aufzustellen“.

Er räume ein, so Mangold, „dass Menschen das Bedürfnis zum miteinander feiern haben, kommunizieren und zusammenkommen wollen“. Um diesem gerecht zu werden, „brauchen wir Lösungen, die sowohl die Eindämmung des Pandemie-Risikos als auch dieses wichtige Bedürfnis zusammenführen“.

„Meine Kollegen und ich haben keine Ahnung, wann wir wie wieder arbeiten können“, wirft Madjid Djamegari, Vorsteher der Initiative Gastronomie Frankfurt und Betreiber des dortigen Gibson-Clubs, der Politik vor, dass sie keinen Plan und keine Szenarien entwickelt. Diese sollte mehr Mut aufbringen, „auch wenn sie dabei mal einen Fehler macht“.

Werde weiterhin nichts unternommen, werde es bald gar keine Clubs mehr geben. Nachdem man „zugesperrt“ und quasi mit einem Berufsverbot belegt wurde, sei die Landesregierung nunmehr aufgefordert, einen transparenten Fahrplan vorzulegen.

„Wir werden in Kürze fünf neue Auszubildende begrüßen können“, teilte Daniela Fette-Rakowski (Jumeirah Frankfurt) mit, dass viele Hotels in Frankfurt vor allem wegen des eingeschränkten Flugverkehrs weiterhin geschlossen sind, ihr Hotel jedoch seit Anfang Juli wieder geöffnet ist. Habe das Hotelgewerbe bisher als krisensicher gegolten, „können wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgrund der Corona-Krise momentan keine Perspektiven bieten“. Ihren Kolleginnen und Kollegen sei klar, „dass sich das Reiseverhalten in Zukunft verändern wird“.

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