Rund 8.000 Radfahrer trotzten der Hitze

Rund 8.000 Radfahrer trotzten der Hitze
Rekordzahlen bei Tal total: Höchste Temperaturen und niedrigste Beteiligung

Diese vergnügte Rheingauer Gruppe wollte sich Tal total auch bei der Hitze nicht entgehen lassen: Familie Schumak, Ulrike Noll und Christian Krechel.

Rheingau. (chk) – Nie war es heißer bei Tal total als am vergangenen Sonntag. Bis zu 38 Grad im Schatten wurden am Nachmittag gemessen – und Schatten gibt es auf der Bundesstraße 42 nicht. Waren es im vergangenen Jahr noch geschätzte 30.000 Teilnehmer auf beiden Bundesstraßen entlang des Rheins, so trauten sich bei der vorausgesagten Hitze dieses Mal „nur“ etwa 8.000 Radfahrerinnen und Radfahrer und relativ wenige Skaterinnen und Skater auf die Straße. Offenbar hatten die meisten der Wagemutigen ihre Kräfte realistisch eingeschätzt. Die Einsatzleitung des ASB Westhessen sprach von fünf Fällen von Kreislaufkollaps an ihren drei Stationen in Lorch und Lorchhausen. Nach einer kurzen „Behandlung“ konnten die „Patienten“ ihre Fahrt wieder fortsetzen.

„Mir macht die Hitze überhaupt nichts aus“, sagte der 80-jährige Lothar Weyer aus Montabaur. „Ich habe mein Auto in Lahnstein geparkt und fahre bis Rüdesheim und wieder zurück – das sind 110 Kilometer.“ Er ist bestens trainiert, fährt täglich eine Strecke von 30 Kilometern und geht am Wochenende normalerweise mit seiner Frau wandern. Den autofreien Sonntag wollte er sich auch in diesem Jahr nicht entgehen lassen. In Assmannshausen, vor dem Hotel „Zwei Mohren“ traf er zufällig Radfahrer-Freunde aus Höhr-Grenzhausen, die auch gut trainiert sind und wissen, was sie sich zumuten können. „Wir sind jedes Wochenende mit dem Rad unterwegs“, berichteten Marianne und Hans Karthaus. Sie schwärmten von schönen neuen Radwegen im Westerwald und von ihren Radtouren in den Flusstälern von Rhein, Mosel und Lahn. „Viel trinken und wenig essen“, ist das Rezept von Marianne Karthaus, um die Hitze gut zu überstehen. „Wir fahren jedes Jahr bei Tal total von St. Goarshausen bis Rüdesheim, essen dort ein Eis und fahren wieder zurück“, erzählte Hans Karthaus. Seiner Frau würde es besser gefallen, einen Rundweg zu fahren, also zurück über die Bundesstraße 9, aber dann müssten sie zwei Mal mit der Fähre übersetzen, und das wollen beide nicht.

Der Platz vor dem Hotel „Zwei Mohren“ ist in jedem Jahr beliebter Treffpunkt für Biker und Skater, die hier die gute Bewirtung genießen. Dieses Mal blieben viele Bänke unbesetzt, und ein fröhliches Grüppchen Rheingauer an einem der Tische fiel sogleich ins Auge. Auf die Frage: „Warum haben Sie sich trotz der Hitze aufs Rad getraut?“, antwortete Elfriede Schumak aus Lorchhausen spontan: „Weil wir Lust auf ein Bier hatten“, und alle konnten darüber herzlich lachen. Ulrike Noll aus Rüdesheim ergänzte etwas ernsthafter: „Wir wollen auch die Leute unterstützen, die das alles aufgebaut haben.“ Über WhatsApp haben sich Elfriede und Otto Schumak in Assmanshausen verabredet mit ihrem Sohn, Tobias Schumak, der mit Christian Krechel, einem Freund aus Erbach, mit dem Rad gekommen ist – und zwar die ganze Strecke am Rhein entlang. Aber für Tobias Schumak ist dies, genau wie für seinen Vater Otto, nur „ein Spaziergang“. Beide haben gerade eine Rennradwoche im Tannheimer Tal mit Profi Marcel Wüst hinter sich. „Heute wollte ich mit meiner Frau Schritt halten und die freie B42 nutzen, weil es zwischen Lorch und Assmannshausen immer noch keinen Radweg gibt“, sagte Otto Schumak. Und auch Christian Krechel verriet seine Motivation: „Ich wollte raus bei dem schönen Wetter; ich mache öfter Touren mit Tobias Schumak, allerdings nicht mit dem Rennrad sondern mit dem Mountainbike.“

Die Radfahrer hatten so viel Freiraum wie noch nie bei Tal total, waren es doch vor 15 Jahren noch 100.000, die auf Rädern und Inline-Skates mit Sport-Buggys und Fahrrad-Anhängern mit der ganzen Familie unterwegs waren. Am auffälligsten war es, dass Kinder im Straßenbild fast gänzlich fehlten.

Am Lorcher Rheinufer, entlang der alten B42, waren die die Freien Wähler und private Initiativen mit ihren Ständen gut gerüstet für die Bewirtung der Tal-total-Teilnehmer. Das große Angebot an leckeren mediterranen und türkischen Gerichten war natürlich ausgerichtet auf ein größeres Publikum, das ausblieb. Am Lorcher Bouleplatz lud die AWO Rheingau-Taunus zum Basteln von „Flaschenhälslern“ ein. Die kleinen Holzskulpturen, die an den Freistaat Flaschenhals erinnerten, durften natürlich mitgenommen werden – und erinnern hoffentlich auch an das heißeste Tal total aller Zeiten.

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