Es trug sich zu im Schlangenbade

Buchvorstellung
Es trug sich zu im Schlangenbade
Historische Begebenheiten in einem traditionsreichen Kurbad

Sabine Bongartz: Es trug sich zu im Schlangenbade; Schlangenbader Geschichte(n) Band 1 2019, 208 Seiten, Verlag wbg Darmstadt, ISBN 978–3–534–40324–0, Preis: 16 Euro.

Rheingau. (mg) – Kuren – auch wenn sie nicht wie heute von Krankenkassen bezahlt wurden – haben eine lange Tradition. Mit ihnen verband man früher nicht nur gesundheitliche Aspekte, sondern sie dienten dem Adel auch zur Zerstreuung und reichen Kaufleuten dazu, Kontakte zu knüpfen.

Historische Schilderungen aus dem Kurbad Schlangenbad hat Sabine Bongartz, Journalistin und diplomierte Fremdenverkehrsgeografin, zusammengetragen und in einem Buch herausgegeben unter dem Titel „Es trug sich zu im Schlangenbade“.

 

Die Autorin lebt seit 1996 lebt sie mit ihrer Familie in Schlangenbad-Bärstadt und gibt ihren Kenntnisreichtum über den Ort auch als Gästeführerin weiter. Auch wenn Schlangenbad längst seinen Ruf als „mondäner Kurort“ eingebüßt hat, ist es ihr mit dem Buch gelungen, ein Stück Geschichte zu bewahren. Dank ihrer Recherchen entstand eine umfangreiche Sammlung unterhaltsamer Erzählungen aus drei Jahrhunderten, die dem Leser ein Stück Badekultur im Wandel der Zeit näher bringt.

Das Buch gewährt Einblicke in besondere Begebenheiten, wie einen Überfall im Jahre und eine Entführung 1709, bei dem Rheingauer Bauern gewaltsam einschritten.

Ein frühes Beispiel für literarische Klatschgeschichten leisten die „Zeitvertreibe“, die ein französischer Autor (1739) beschreibt. Süffisant und in eindeutig zweideutigen Anspielungen weiht er den erstaunten Leser ins Intrigenspiel und die Annäherungen der Promenierenden inmitten blickgeschützter Lauben und Nischen der barocken Heckengänge ein.

Auch die komplizierten Herrschaftsverhältnisse des zwischen Nassau, Hessen und Kurmainz aufgeteilten Kurbades, werden thematisiert.

Könige und Zarinnen, Schriftsteller und internationale Prominenz waren zu Gast in Schlangenbad. DAs Kurbad bot einst Adel und Prominenz neben dem Heilwasser reichlich Abwechslung durch Bälle oder Glücksspiel, ausgedehnte barocke Alleen, Belustigungen im Kurpark und war mit den großen Vorkommen an ungefährlichen Aeskulapnattern an sich schon eine Besonderheit. Durch alle Jahrhunderte zeigt sich die Begeisterung der Gäste für Schlangenbad als grüne Oase in einer immer unruhiger werdenden Zeit.

Außer den Erlebnisberichte aus drei Jahrhunderten bietet das Buch dem interessierten Leser historische Skizen, ausführliche Quellennachweise und ein erläuterndes Glossar, was insbesondere für veraltete Begriffe hilfreich ist.

Die Schilderungen stammen teilweise aus Autobiografien, Romanen oder Unterhaltungsbeilagen der Zeitungswelt des 19. Jahrhunderts. Vor diesem historischen Hintergrund ist es durchaus spannen zu entdecken, welche Spuren im denkmalgeschützten Ambiente heute noch präsent sind.

Außerdem wird der Rheingau auch oft im Buch erwähnt, da die Kurgäste Schlangenbads früher meist über den Rhein angereist sind und auch gerne Ausflüge von Schlangenbad aus dorthin unternahmen.

Das Leben im 20. Jahrhundert bringt dem Leser der bekannte Filmregisseur Ludwig Berger (1925) näher, der in Schlangenbad wohnte und in seinem Sog viele prominente Gäste aus Film und Fernsehen hierher lockte. Über die Abenteuer seiner Kindheit im „Nabel der Welt“ (1945) erzählt der spätere Oscarpreisträger Volker Schlöndorff in seiner Autobiographie. Und ein irischer Journalist (1962) verrät auf unterhaltsame Art seine Erfahrungen in der Kur.

Die Fülle der Beschreibungen Schlangenbads soll übrigens in der Zukunft einen zweiten Band der Schlangenbader Geschichte(n) ermöglichen. Dieser fokussiert den Blick auf die vielen unterschiedlichen Gäste aus Adel, Prominenz und Bürgertum, ein „Who's Who“ des mondänen Schlangenbads also, auf das man auch gespannt sein darf.

Noch keine Bewertungen vorhanden

Neueste Kommentare

100 Prozent Öko-Strom für E-Stromer
4 Wochen 23 Stunden
Sicher radeln von Assmannshausen bis nach …
25 Wochen 6 Tage
Sicher radeln von Assmannshausen bis nach …
26 Wochen 4 Tage
Sicher radeln von Assmannshausen bis nach …
27 Wochen 17 Stunden
Musik aus der Zeit des Hattenheimer Geigerkönigs
1 Jahr 9 Wochen


X