GfR: Dass wir so stark werden, das haben wir nicht erwartet

Kommunalwahl 2021 in Rüdesheim am Rhein / Trendergebnisse und Stimmen zur Wahl

Neue Mehrheitsverhältnisse ziehen im Rathaus Rüdesheim ein.

„Gemeinsam für Rüdesheim“ (GfR) heißt der eindeutige Wahlsieger in Rüdesheim. Der Verein als politische Landschaft von Wähler/innen, die der Parteipolitik in den Kommunen den Rücken kehren, hat in den letzten Jahren eine ordentliche Sachpolitik und auch Kompromissbereitschaft an den Tag gelegt. Dies wurde nach zahlreichen Aussagen in der Bevölkerung honoriert. Hatte die GfR bei der Kommunalwahl im März 2016 noch 27,29 Prozent der Stimmen und damit neun Sitze im Stadtparlament erreicht, zeigte das Ergebnis nunmehr einen Stimmenanteil von 35,2 Prozent. Das wird der GfR 11 Sitze in der Stadtverordnetenversammlung bescheren, zwei mehr als bei der Wahl in 2016, damit ist sie stärkste Fraktion im Parlament. Hingegen mussten die übrigen Parteien Federn lassen. Die AfD wird erstmals in die Stadtverordnetenversammlung einziehen.

Von 42,27 Prozent (in 2016) ist die CDU nunmehr auf 29,0 Prozent zurückgefallen. Von 12,33 Prozent (in 2016) bleiben nunmehr 12,8 Prozent für die SPD. Auf die AfD fiel ein Stimmenanteil von 3,8 Prozent der abgegebenen Stimmen. Stimmeneinbußen musste die FDP hinnehmen, die von 3,93 auf 3,4 Prozent zurückgefallen ist. Auf WIR fielen 15,7 Prozent gegenüber 14,18 Prozent in 2016. Damit teilen sich die 31 Sitze in der Stadtverordnetenversammlung wie folgt auf: GfR 11 Sitze, CDU 9 Sitze,

SPD 4 Sitze, WIR 5 Sitze, AfD 1 Sitz und FDP 1 Sitz. Vom Wahlrecht der 7.355 Wahlberechtigten machten 3.626 Wählerinnen und Wähler per Briefwahl oder in einem der Wahllokale Gebrauch.

Wie wurde in den einzelnen Wahlbezirken gewählt? Hier die Zahlen der Trendwahl: Im Wahlbezirk Alt-Rüdesheim Altstadt fielen auf die CDU 22,59 Stimmen, die SPD 21,17, die AfD 5,74, die FDP 1,09, die GfR 32,47 und die WIR 16,94 Prozent. Hier lag die Wahlbeteiligung bei 14,25 Prozent. Wahlbezirk Alt-Rüdesheim Ost: CDU 7,83 Prozent, SPD 14,35 Prozent, AfD 9,85, FDP 4,04, GfR 46,97 und WIR 16,96 Prozent. Interessant ist hier der Anteil der AfD, der über dem der CDU liegt. In diesem Wahlbezirk machten 16,58 Wahlberechtigte von ihrem Stimmrecht Gebrauch. Wahlbezirk Alt-Rüdesheim Mitte: CDU 20,14 Prozent, SPD 31,79 Prozent, AfD 9,23 Prozent, FDP 4,92 Prozent, GfR 30,74 Prozent und WIR 3,18 Prozent. Hier machten 17,96 Prozent der Wahlberechtigten vom Wahlrecht Gebrauch. Auch im Wahlbezirk Alt-Rüdesheim Eibingen hat die GfR die Nase mit 43,95 Prozent vorn. Auf die CDU entfielen 18,56 Prozent, die SPD 14,65, die AfD 6,81, die FDP 5,29 und die WIR 18,74 Prozent. Hingegen zeigte sich – und auch dies ist wiederum interessant – im Wahlbezirk Alt-Rüdesheim Windeck die CDU als Gewinner mit 34,25 Prozent Stimmenanteil. Die SPD holte 19,36 Prozent, die AfD 2,59, die FDP 8,07, die GfR 23,82 und die WIR 11,91 Prozent der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 24,03 Prozent.

Im Wahlbezirk Assmannshausen blickt man auf eine Wahlbeteiligung von 20,75 Prozent. Davon entfielen 24,02 Prozent der Stimmen (Trendergebnis) auf die CDU, 17,16 Prozent auf die SPD und auf die AfD 2,99, die FDP 2,66, die GfR 39,46 und die WIR 13,72 Prozent. Es ist davon auszugehen, dass der Ortsvorsteher des Ortsbeirates Assmannshausen, Torsten Schambach (GfR) auch weiterhin sein Amt wahrnimmt.

Im Wahlbezirk Aulhausen dominiert die CDU mit einem Stimmenanteil von 32,92 Prozent. Auf die SPD entfielen 17,43, die AfD 8,99, die FDP 0,0, die GfR 25,17 und die WIR 15,49 Prozent. Von den Wahlberechtigten machten 19,08 Prozent von ihrem Wahlrecht Gebrauch.

Auch im Wahlbezirk Presberg steht die CDU mit 32,05 Prozent an erster Stelle, gefolgt von der WIR mit einem 27,77 Prozent Stimmenanteil. Auf die SPD entfallen 12,82 Prozent, die AfD 12,41, die FDP 0,0, und die GfR 14,96 Prozent. Zum Stimmenanteil für die AfD dürfte auch der in Presberg wohnhafte AfD-Spitzenkandidat Karl Mayer seinen Beitrag geleistet haben. In Presberg machten 26,72 Prozent der Wahlberechtigten vom Wahlrecht Gebrauch.

GfR: Vom┘ Ergebnis überwältigt

„Das gesamte Team der GfR ist von dem Ergebnis überwältigt, zwar läuft die Auszählung der Stimmen noch, aber wir konnten überall im Vergleich zu unserem Ergebnis von vor fünf Jahren zulegen“, so die Spitzenkandidatin der GfR, Manuela Bosch. nachdem der Trendwert zum Wahlausgang vorlag. „Wir hatten gehofft, dass unsere Arbeit der letzten fünf Jahre bestätigt wird, aber dass wir so stark werden, das haben wir nicht erwartet. Wir nehmen das Ergebnis mit Respekt an und es ist für uns ein Ansporn, unseren Weg, die Bürgerinnen und Bürger mit in die Entscheidung über die Zukunft mehr einzubinden, fortzusetzen“, so Bosch. Die Mehrheitsverhältnisse, so wie sie sich abzeichnen, ließen verschiedene Variationen zu. So, wie man es vor der Wahl gesagt habe, wolle man nun mit allen Fraktionen über das sprechen, was in den nächsten Jahren anliegt und was getan werden muss. „Wir haben ein starkes Mandat, aber wir können alleine nichts machen, wir sind auf Hilfe und Unterstützung anderer Fraktionen angewiesen. Das ist auch gut so, denn das entspricht unserem Leitbild, nur gemeinsam geht es voran und nur gemeinsam kann man was bewegen, auch über Fraktionsgrenzen hinweg“, so Manuela Bosch. Für die Kernstadt sei der Kindergartenneubau ein großes Thema, ebenso wie die Straßensanierung oder das Stadtumbauprogramm und das Verkehrskonzept. Man wolle aber auch das Grün in der Stadt und die Friedhofsproblematik nicht vergessen.

Bei all dem sei es wichtig, dass man auch Presberg, Aulhausen und Assmannshausen im Blick behält. „Es war uns ein Anliegen, klar zu machen, dass wir auch für die Stadtteile Politik machen wollen. Deshalb freuen wir uns, dass wir nun – wenn sich der Trend bestätigt – in jedem Ortsbeirat vertreten sein werden. In Assmannshausen werde uns die Verkehrsführung und die Bahn beschäftigten. Auch die Neugestaltung des Grünstreifens am Ortseingang ist überfällig und sollte innerhalb der nächsten fünf Jahre umgesetzt werden können. In Presberg steht die zügige Umsetzung des Feuerwehrneubaus auf dem Programm und auch Presberg leidet unter den Verkehrsführungen bei den vielen Straßensperren der B42. In Aulhausen wollen wir eine Bürgerbefragung zur Zukunft des Sportplatzes durchführen, denn hier gibt es sicher auch gute Ideen. Aber auch Aulhausen leidet unter dem Schwerlastverkehr. Hier hoffen wir, dass wir Lösungen finden können.“

Die Zusammenarbeit im Rheingau mit den anderen Kommunen liege der GfR auch am Herzen – auch hier wäre mehr Miteinander gut, von Verwaltungsaufgaben (Kämmerei, Feuerwehr, etc.) über den Tourismus bis zur Digitalisierung. Stadtpolitik könne eigentlich nur gelingen, wenn man eng und vertrauensvoll mit der Verwaltung und dem Bürgermeister zusammenarbeite. „Das möchten wir gerne und werden daher Bürgermeister Zapp weiterhin konstruktiv unterstützen.“

CDU: Wählerwille┘klar erkennbar

„Zunächst möchte ich den Kandidatinnen und Kandidaten, die sich bereit erklärt haben auf den Listen der CDU zu kandidieren, danken. Genauso gilt mein Dank den Wählerinnen und Wählern in Rüdesheim und seinen Ortsteilen für die Teilnahme an der Wahl. Mit knapp 50 Prozent Wahlbeteiligung ist diese stabil, jedoch leider immer noch niedriger als von uns allen gewünscht“, so der CDU-Spitzenkandidat Johannes Schura. Hier zeige sich leider bereits eine gewisse Politikverdrossenheit. Die Menschen seien nach einem Jahr Pandemie, mit gefühlt ständig wechselnden Einschränkungen und Vorgaben, möglicherweise enttäuscht und verärgert über „die Politik“ der handelnden Parteien im Allgemeinen. Zudem dürften sowohl die Masken-Affäre wie auch weitere Dinge im Vorfeld der Wahl nicht gerade positiv auf das Wählerverhalten gewirkt haben.

Dennoch sei der Wählerwille klar erkennbar, so Schura. Die CDU sei in Rüdesheim in Zukunft nur noch zweitstärkste Kraft. „Das ist enttäuschend und mit diesem Ergebnis bleiben wir als CDU klar hinter unseren eigenen Erwartungen zurück. Dennoch zeigt es, dass (trotz aller Faktoren) knapp ein Drittel der Wählerinnen und Wähler auch weiterhin möchte, dass die CDU in Rüdesheim aktiv Politik gestaltet und sich für die Bürgerinnen und Bürger sowie deren Interessen einsetzt. Dies werden wir in Zukunft mit weniger Vertretern, jedoch mit umso größerem Engagement und Tatendrang im Stadtparlament angehen.“ In den Ortsbeiräten der Ortsteile habe man wieder sehr starke Ergebnisse erzielen können, so Schura, was zeige, dass die Menschen vor Ort in den Ortsteilen durchaus zufrieden mit der CDU seien. „Das Ergebnis der Kernstadt werden wir in Ruhe, nachdem es endgültig feststeht, analysieren und aufarbeiten.“

SPD: Mit leichtem┘Zuwachs zufrieden

Fünf Sitze in der neuen Stadtverordnetenversammlung? Der SPD-Spitzenkandidat Hans-Jürgen König zeigte sich mit dem Ausgang der Wahl zufrieden und damit, dass die Sozialdemokraten einen leichten Zuwachs erreicht haben. Nach dem Trendwahlergebnis wünschte sich der SPD-Fraktionschef, dass sich dies nach Auszählung der Briefwahl nicht ändern möge. Hans-Jürgen König hob hervor, dass die SPD Rüdesheim gegenüber dem Ergebnis der Kommunalwahl auf Kreisebene hinzugewonnen hat und er wünscht sich, dass dieser Trend in der Stadt anhalten möge.

AfD: Respektables┘ Ergebnis erzielt

Weil das amtliche Wahlergebnis, das auch die kumulierten und panaschierten Stimmen berücksichtigt, noch nicht vorlag, bezog sich der Spitzenkandidat der AfD, Karl Mayer auf das Trendergebnis, dass er in der Hessenschau am Sonntagabend verfolgte. „Hier werden für die AfD in Rüdesheim 5,5 Prozent ausgewiesen. Aufgrund unserer verkürzten Liste, wodurch wir für eine abgegebene Listenstimme nur 18 statt 31 Stimmen erhielten, bedeutet das 5,5 * 31 / 18 = 9,47 Prozent der Wählerstimmen“, so Mayer. Angesichts der fast allgegenwärtigen Kampagne und der Instrumentalisierung von Staatsorganen gegen die AfD sei das ein respektables Ergebnis. „Ich bin davon überzeugt, dass bei einer sachorientierten, nicht moralisierten öffentlichen Diskussion der ungeheuren anstehenden Probleme Deutschlands die AfD noch wesentlich mehr Stimmen erhalten hätte.“ Die AfD hat gegenüber 2016 auf Kreisebene an Stimmen verloren. Dazu Karl Mayer: „Dort war die Migrationskrise präsent, heute wird sie durch andere Themen überlagert. Dass sie nicht vorbei ist, sieht man z.B. am Kreishaushalt, der im Jahre 2016 sprunghaft und dauerhaft um ca. 28 Prozent erhöht wurde. Deutschland wird durch die Politik der anderen Parteien deindustrialisiert, verarmt und in der Perspektive abgeschafft. Die absehbaren Folgen für die Menschen werden nicht öffentlich diskutiert, sondern mit Tabus belegt.“

WIR: Kompetenz und Kraft

„Viele Menschen haben uns das Vertrauen geschenkt, diese Stadt weiterhin aktiv mitgestalten zu können. Darüber freuen WIR uns sehr. Und diese Aufgabe nehmen wir gerne an und gestalten sie, für eine gute Weiterentwicklung Rüdesheims“, so Bianka Rössler von der WIR nach der Wahl. „Damit Rüdesheim eine Stadt bleibt, in der sich die Menschen wohlfühlen, in der es Platz für alle Menschen gibt.“ Man habe ein tolles Ergebnis, das noch besser werde, wenn die kumulierten und panaschierten Listen ausgezählt seien. „Dafür ganz herzlichen Dank an die Menschen, die uns gewählt und unterstützt haben.“ Die WIR sei sehr gut aufgestellt, habe viel Kompetenz und Kraft und man freue sich darauf, auch in den nächsten fünf Jahren Themen voranbringen zu können, die den Wähler/innen am Herzen liegen, so Bianka Rössler.

FDP: Leider keine Hochburg

„Die FDP Rüdesheim bekam 3,24 Prozent der Stimmen (Trendergebnis). Es wird allerdings noch gezählt. Rüdesheim ist leider keine Hochburg für die FDP“, so Hermann Verkroost. Die wichtigen Themen für Rüdesheim in der neuen Legislaturperiode seien für die FDP die Erweiterung der Kitaplätze, die Straßensanierung, die Realisierung des Europakreisels, Verwendung des Tourismusbeitrags für a) notwendige Werbemaßnahmen und b) zur Verbesserung des Standorts Rüdesheim.

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