Schmucker Lesehafen mit bunter Bücher-Flotte
Gemeindebücherei öffnete nach Neukonzeption / Schwerpunktsetzung: Kinder und Senioren

Alle an der Entscheidung zur und an der Neukonzeption beteiligten Personen in einem Boot vereint.

Walluf. (mh) – In einer dem Anlass angemessenen Feierstunde hat Bürgermeister Manfred Kohl nach einer grundlegenden Neukonzeption und einer stattlichen Anzahl neu angeschaffter Bücher die Gemeindebücherei mit den Worten von Heinrich Heine „Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste“ wieder eröffnet. Der Schwerpunkt liegt nunmehr auf Büchern für Kinder bis zu zehn Jahren sowie für Seniorinnen und Senioren.

Wie Kohl in seiner Ansprache ausführte, war das bestehende Angebot der Bücherei unter Einbeziehung der Hessischen Fachstelle für öffentliche Bibliotheken und dem Netzwerk Leseförderung und der Kulturbeauftragten des Rheingau-Taunus-Kreises einer kritischen Betrachtung unterzogen worden.

Dabei sei der Gemeinde dringend empfohlen worden, den zu einem nicht unerheblichen Anteil überalterten Medienbestand einer kritischen Überprüfung zu unterziehen und Bücher auszusortieren. Aufgrund der räumlichen Gegebenheiten wurde gleichzeitig angeregt, über eine grundlegende Neukonzeption der Bücherei mit einer Schwerpunktsetzung für Kinder bis zu zehn Jahren sowie für Seniorinnen und Senioren nachzudenken.

Ergebnis war, so Kohl, dass 4.500 Bücher aus dem Bestand genommen und mehr als 800 neue Kinderbücher angeschafft wurden, davon etwa 150 vom Netzwerk Leseförderung und Sabine Stemmler privat. Auch seien weitere Neuanschaffungen sowohl von Büchern als auch von DVD’s getätigt worden.

Ein besonderes Sammelgebiet sind, wie Kohl nachdrücklich betonte, „nasse Bücher“, die alles über Wasser, Flüsse, Seen, Meere, Schiffe, Fische und Tiere im Meer enthalten. Die wunderbare Lage der Gemeindebücherei fordere dies geradezu heraus ebenso wie die schönen neuen Schiffchenmöbel. Ein weiteres Sammelgebiet seien Bücher über Bücher, Wort, Sprache, Schrift und Text für Kinder.

Das neue, ganz auf die Bedürfnisse von Walluf zugeschnittene Konzept umfasst nach den Ausführungen des Bürgermeisters im Wesentlichen vier Schritte. 1. Neues Konzept mit lese- und literaturpädagogischem Schwerpunkt für Wallufer Kinder. Gleichzeitig macht sich die Kita „Paradies“ auf den Weg, um das offizielle Zertifikat „Literaturkita“ zu erwerben. Dabei werden auch die anderen Kitas mit eingebunden. 2. Kooperation mit der Walluftalschule. 3. Interkommunale Zusammenarbeit mit der Mediathek Eltville, beispielsweise durch die Onleihe. 4. Bedarfsgerechtes Angebot für Senioren.

In seiner Ansprache erinnerte Kohl auch daran, dass Medienkompetenz in Zukunft immer wichtiger wird. Lesekompetenz sei erforderlich, um nicht nur Fake News zu erkennen und um die Quellen von Nachrichten zu identifizieren, sondern auch, um für das immer wichtiger werdende „lebenslange Lernen“ gut gerüstet zu sein. Dass Walluf dafür etwas tun wolle, komme in dem neuen Logo „Wallufer.Kinder.Lesen“ kurz und prägnant zum Ausdruck.

In seinen breit gestreuten Dankesworten richtete der Bürgermeister ein besonderes und ganz herzliches Dankeschön an Sabine Stemmler und ihren Lebenspartner Randolf Hess, „denn ohne die vielfältigen Aktivitäten dieser Beiden hätten wird das uns gesetzte Ziel nicht erreichen können“. Er wisse gar nicht, „wie viele Stunden, Tage und Wochen sie in der Bücherei verbracht und dabei selbst Hand angelegt haben“.

Seine Ansprache beendete Kohl mit den Worten von Aldous Huxley: „Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten“.

„Lesen ist“, wie Landrat Frank Kilian sagte, der Schlüssel zum Bildungserfolg und zur Integration“. Deshalb sei es wichtig, „dass Büchereien erhalten werden“. Weil diese nicht nur Ort zur Weiterbildung und Grundstein für das gesellschaftliche Miteinander sind, sei ihr Stellenwert nicht hoch genug einzuschätzen. Ihre Bestandssicherung sei alles andere als eine „freiwillige“ Leistung.

SPD-Bundestagsabgeordneter Martin Rabanus dankte Kohl dafür, dass die Bücherei nicht nur erhalten sondern weiter entwickelt wurde. Der Bund sei für die Leseförderung „als ganz besonderer Faktor unserer Kultur“ zwar nicht zuständig, setze jedoch Rahmenbedingungen. Damit in der Wallufer Gemeindebücherei „so richtig gestöbert“ werden kann, überreichte er Kohl ein Jahresabonnement des Rheingau Echos.

Leinen los. Schiff ahoi

„Das Wallufer Leseschiff startet in See. Leinen los! Schiff ahoi“ wünschte CDU-Landtagsabgeordnete Petra Müller-Klepper mit ganz vielen Lesepassagieren an Bord eine allzeit gute Fahrt. Die Bücherei sei nun ein schmucker Lese-Hafen am Rhein mit einer bunten Bücherflotte, die für jeden Geschmack und jedes Alter etwas biete.

Das Konzept in Anlehnung an die Schiffahrt veranschauliche die Wirkung und Bedeutung von Literatur in einem treffenden und ansprechenden Bild: „Jedes Bild ist ein Schiff, in dem man zu fernen Ufern aufbrechen, neue Länder entdecken, erobern und sich die Welt erschließen kann“

Bücher öffneten die Tür zu unendlichen Weiten und zu immer neuen Zielen, zu denen man grenzenlos reisen kann. Dieses Reisen und diese Form der Bildung ist, so Petra Müller-Klepper, für jeden zugänglich und ein wichtiger Beitrag zur Chancengleichheit. Deshalb habe das Land Hessen die Neugestaltung der Wallufer Bücherei mit einem durchaus beachtlichen Betrag unterstützt.

Diese ist, wie sie hinzufügte, der eine Pfeiler eines zukunftsweisenden Gesamtkonzepts mit der Schwerpunktsetzung auf Kinder bis zehn Jahre und die ältere Generation. Der zweite Pfeiler sei die neue Kita „Paradies“, „die sich zur ersten Literaturkita im Rheingau-Taunus-Kreis und zur zweiten in Hessen entwickeln kann“.

Dass sich Walluf zu einem besonderen Leseort entwickelt, sei ganz besonders Sabine Stemmler zu verdanken, „die den Neubeginn dieser Bücherei entworfen hat und auch die Mutter des Gesamtkonzepts, die Ideengeberin, der Motor und die Begleiterin auf dem Weg zur Literaturkita ist. Hierbei sei dieser mit Kompetenz, Tatkraft und ganz viel Herzblut ein großer Wurf gelungen.

Alexander Budjan, Leiter der Hessische Fachstelle für öffentliche Bibliotheken der Hochschule RheinMain, bezeichnete in seinem Grußwort Bibliotheken als Orte der Begegnung, der Kommunikation und Integration. Begegnung fördere Sprache, ohne die es keine Bildung und folglich keine Kultur gebe. Bibliotheken bedeuteten auch Bildung von Anfang bis zum Ende. Mit der neuen Konzeption der Gemeindebücherei sei der Anfang gemacht worden.

SPD-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Rossmeissl erinnerte daran, „dass wir im Gemeindeparlament stundenlang über neue Regale gestritten, über die Schließung nachgedacht und auf Eltville verwiesen haben“. Deshalb danke er für dessen einstimmig gefassten Beschluss zur Neukonzeption. Heute freue er sich sagen zu können: „Leinen los“.

Die Bücherei steht allen Leseinteressierten donnerstags und montags in der Zeit von 9.30 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr wieder zur Verfügung.

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