125 Jahre Gesang, Gemeinschaft und Geselligkeit

125 Jahre Gesang, Gemeinschaft und Geselligkeit
Der Männergesangverein Freundesbund feiert ein großes Jubiläumsjahr

Der Freundesbund singt auf dem Erbacher Erdbeerfest, wahrscheinlich in den 50er Jahren.

Erbach. (ak) – „Lasst in Freundschaft Treue walten und auch ferner uns zusammenhalten“, lautete das Motto, das die Gründerväter im Jahr 1893 für den Männergesangverein Freundesbund wählten. Schon damals stand Gemeinschaft, Geselligkeit, Ausflüge und Feiern im Mittelpunkt des Vereinslebens. Auch 125 Jahre später ist diese Mischung prägend für den Verein und die solide Basis für den Erfolg und das Wachsen und Gedeihen des Freundesbundes.

 

Schon unter dem ersten Dirigenten Anton Simon sang der Freundesbund auf hohem Qualitätsniveau und konnte sich bei Gesangswettstreiten mit anderen Chören sehr erfolgreich messen. Der Chorgesang war zum Mittelpunkt der Vereinstätigkeit geworden, als der erste Weltkrieg von 1914 bis 1919 das Vereinsleben zum Erliegen brachte.

In Erbach gab es vor den Ersten Weltkrieg zwei Gesangvereine, den reichen Sängerbund und den armen Freundesbund. Im Sängerbund waren hauptsächlich Erbacher Geschäftsleute Mitglieder.

Viele Sangesbrüder kamen aus dem Ersten Weltkrieg nicht zurück und deshalb schlossen sich die beiden Vereine zum Freundesbund zusammen. In den 20er Jahren, unter dem Dirigenten Jakob Weinsheimer, gab es die stattliche Zahl von 65 Sängern.

Durch den Zweiten Weltkrieg kam es dann zum vollständigen Erliegen der Vereinstätigkeit. Nach der Aufhebung des Verbots aller kulturellen Vereine 1946 begann beim Freundesbund eine glanzvolle Zeit. Mit 75 Sängern führte der Dirigent Ferdinand Deiters den Verein durch sehr erfolgreiche Jahre. Der Chor trat bei überregionalen Wettbewerben auf und qualifizierte sich für das Bundes-Leistungssingen.

Im Jahr 1969 wurde Volker Fischer Chorleiter und er erweiterte das Repertoire des Chors enorm. Außer traditionellem Liedgut und Wein- und Rheinliedern wurden auch Stücke von zeitgenössischen Komponisten eingeübt. Durch einen Auftritt in der Fernsehsendung „Kein schöner Land“ im Jahr 2006 wurde der Freundesbund einem noch breiteren Publikum bekannt.

Nach 44 Jahren übergab Volker Fischer den Dirigentenstab im Jahr 2014 an Christof Enders, der dessen prägende Arbeit mit neuen Akzenten fortsetzte und den Chor ständig weiterentwickelte. Volker Fischer blieb dem Freundesbund als Sänger erhalten.

Der Verein verfügt über ein vielfältiges Repertoire von der Gregorianik bis in die Moderne. Bekannte Stücke aus Musicals zählen ebenso dazu wie beispielsweise Arrangements der Comedian Harmonists oder Spirituals und Oldies. Gesungen werden nicht nur deutsche Texte, sondern auch englische, französische, russische, tschechische, ungarische, italienische und afrikanische Lieder.

Jeden Freitag wird in der Halle am Bachhöller Weg von 20.15 bis 22 Uhr geprobt. „Wir sind ein Chor mit einem tollen Zusammenhalt und den festen Willen, bei unserem Gesang hohe Qualität abzuliefern. Beides sind gute Gründe, bei uns einzusteigen, und es sind auch die Gründe dafür, dass wir keine Nachwuchssorgen haben“, steht in der Festschrift und auch Christopher Moos, mit 14 Jahren der jüngste Sänger, bestätigte: „Durch meinen Vater bekam ich schon früh Kontakt zum Freundesbund, ich fand das Singen und die Gemeinschaft toll. Letztes Jahr wurde bei der Sängerfahrt auch das Stadion in Dortmund besucht, da wäre ich gerne dabei gewesen, auch deshalb bin ich dieses Jahr beigetreten.“

In den ungeraden Jahren geht der Freundesbund auf große Fahrt. Traditionsgemäß wird vor jedem Abschied, unabhängig von der Tagestemperatur, das Lied „Am kühlen Morgen“ gesungen. Die Sängerfahrten werden vom Freundesbund selbst geplant. Sie waren unter anderem schon in Prag, Straßburg, im Harz oder am Bodensee. Auf jeder Fahrt wird ein Gottesdienst gestaltet und es wird natürlich bei den Besichtigungen auch gesungen, wie beispielsweise in der Semperoper in Dresden oder im Veitsdom in Prag.

Früher führten die Fahrten auch ins Ausland oder in Hotels in Großstädten, heute werden bewusst Landgasthöfe gemietet, denn man ist gerne unter sich und hält zusammen. So wurde beim Besuch des Dortmunder Fußballstadions ein beim Gehen beeinträchtigter Sangesbruder kurzerhand auf einen Schreibtischstuhl gesetzt und durch das Stadion gerollt.

Jedes Jahr im November zeigt der Freundesbund sein großes Repertoire beim Konzertabend. Bei Themen wie „Die goldenen Zwanziger“, „Film ab!“ oder „Musik rund um die Welt“ begeisterte er sein Publikum. Auch das am 24. November stattfindende große Jubiläumskonzert ist wieder eine Gelegenheit den Chor live zu erleben.

Zurzeit besteht der Chor aus aktiven Sänger zwischen 14 und 84 Jahren. Der Dirigent Christof Enders lernte den Freundesbund zunächst als Pianist kennen. Er schreibt in der Festschrift, dass die Einzigartigkeit des Chores ein Cocktail aus unterschiedlichen Bestandteilen ist: „Für mich sind das vor allem Freundlichkeit, Freundschaftlichkeit, Offenheit über alle Generationsgrenzen hinweg, Beständigkeit, Freude am Gesang, Lebenslust und Mut zu besonderen musikalischen Herausforderungen.“

Das Jubiläumsjahr wird von den Sängern bei mehreren Veranstaltungen gefeiert, auf der Homepage des Vereins www.freundesbund.de wird auf die Termine hingewiesen.

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