Rebhuhn ist Vogel des Jahres

Symbol für eine vielfältige Agrarlandschaft

Foto: Andrea Imhäuser/LLH
Das Rebhuhn ist Vogel des Jahres 2026.
Das Rebhuhn ist Vogel des Jahres 2026.

Das Rebhuhn wurde zum Vogel des Jahres 2026 gewählt. Mehr als 180.000 Menschen beteiligten sich an der bundesweiten Abstimmung, die der Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) gemeinsam mit dem Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e. V. (LBV) organisiert hat. Mit der Wahl löst das Rebhuhn den Hausrotschwanz ab – und lenkt zugleich die Aufmerksamkeit auf ein Arbeitsfeld, das der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) seit Jahren in seiner Biodiversitätsberatung verfolgt.

Feldvogel mit
Kulturgeschichte

Das Rebhuhn, ein Hühnervogel, bewohnte ursprünglich offene Steppen, bevor es sich als Kulturfolger an landwirtschaftliche Flächen anpasste. „Sein idealer Lebensraum ist eine vielfältige Agrarlandschaft mit niedrigen Hecken, Feldrainen und Brachen – also dort, wo Landwirtschaft und Natur sich begegnen“, weiß Andrea Imhäuser aus dem LLH-Beratungsteam Biodiversität.

In den vergangenen 50 Jahren hat sich die Kulturlandschaft stark verändert. Effizientere Bewirtschaftung, technische Entwicklungen und der Strukturwandel in der Landwirtschaft führten zu größeren Schlägen und engeren Fruchtfolgen. Diese Entwicklung hatte Folgen: Die Bestände vieler Feldvögel und des Niederwildes gingen zurück. Auch das Rebhuhn gilt in Hessen inzwischen als stark gefährdet. Als sogenannte Leitart der offenen Feldflur steht es exemplarisch für den Zustand weiterer Feldbewohner. Maßnahmen zu seinem Schutz kommen daher auch vielen anderen Wildtieren, Insekten und Vogelarten zugute.

In Hessen wird seit Jahren intensiv am Schutz des Rebhuhns und anderer typischer Feldarten gearbeitet. Der LLH begleitet gemeinsam mit dem Hessischen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat (HMLU) und weiteren Partnern mehrere Projekte, die zeigen, dass Artenvielfalt und landwirtschaftliche Nutzung vereinbar sind. „Jährliche Erfolgskontrollen zeigen, dass sich die Rebhuhn-Besätze deutlich erholen können, wenn ausreichend Rückzugs- und Nahrungsräume vorhanden sind – ein ermutigendes Zeichen für den kooperativen Rebhuhnschutz“, so Imhäuser.

Tarnkünstler der Feldflur

Wie wichtig strukturreiche Rückzugsräume sind, verdeutlichen auch die beeindruckenden Tarnfähigkeiten des Rebhuhns. Mit seinem grau-braunen Gefieder ist das Rebhuhn perfekt an die Farben seines Lebensraums angepasst. Typisch sind der rostbraune Kopf und – überwiegend bei Hähnen – der Hufeisenfleck auf der Brust. Hahn und Henne unterscheiden sich nur geringfügig. Bei Gefahr fliehen sie am Boden in Deckung und fliegen erst auf, wenn die Bedrohung zu nah kommt.

Neben seiner Tarnung ist auch der Lebenszyklus des Rebhuhns bemerkenswert. Rebhühner leben saisonal monogam und bilden bereits ab Mitte Februar feste Paare. Nach einer langen „Verlobungszeit“ legt die Henne ab Anfang Mai bis zu 20 Eier in eine mit wenig Gras ausgepolsterte Bodenmulde – bevorzugt in überjährigen Brachen, Blühstreifen, Feldrändern oder Säumen. Mit dem Brüten beginnt sie erst, wenn das Gelege vollständig ist.

Nach etwa 25 Tagen schlüpfen alle Küken nahezu gleichzeitig, meist im Juni oder Juli. Als Nestflüchter verlassen sie sofort das Nest und folgen ihren Eltern bei der Nahrungssuche. Typisch ist der Anblick einer sogenannten „Kette“: Altvögel und Jungtiere ziehen in einer Reihe durch die Feldflur.

Mit dem Rebhuhn als Vogel des Jahres 2026 rückt eine besondere Feldvogelart in den Fokus, die sinnbildlich für die Chancen und Herausforderungen einer naturverträglichen Landwirtschaft steht. Die hessischen Projekte zeigen, dass Artenschutz und landwirtschaftliche Produktion erfolgreich Hand in Hand gehen können – vorausgesetzt, die Maßnahmen sind praxisnah, regional abgestimmt und partnerschaftlich umgesetzt.

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