Zuschüsse für vereinseigene Hallen sind nicht geplant

Turngemeinde Mittelheim berichtet, wie es Sportvereinen in Zeiten mit Lockdowns und ohne Vereinsleben ergeht

In den Sommermonaten fanden viele Trainingsstunden auf dem an die vereinseigene Turnhalle angrenzenden Außengelände statt.

Mittelheim. (sf) – Die Krise rund um das Corona-Virus und die Einschränkungen trifft nicht nur Gastronomen, Hoteliers, Geschäftsleute und Gewerbetreibende seit Monaten hart, auch Vereine leiden unter dem Lockdown, der jetzt zum zweiten Mal den Breitensport zum Erliegen bringt. Gerade kleine Ortsvereine, die zum Teil eigene Turnhallen besitzen, die es aus dem Vereinsvermögen zu unterhalten gilt, trifft das hart. Vor allem deshalb, weil es Ehrenamtliche sind, die sich in ihrer Freizeit um alle Angelegenheiten kümmern.

Wie der 1. Vorsitzende der Turngemeinde Mittelheim, Andreas Scharf. Er ist vor fünf Jahren überraschend zu seinem Amt gekommen: „Ich bin damals in die Bresche gesprungen, da der Verein ohne 1. Vorsitzenden nicht weiter bestehen durfte. Da wir uns durch das tolle Kinderangebot, mit dem meine Frau sich bereits aktiv im Verein engagierte, sehr verbunden mit der TG Mittelheim fühlten, stellte ich mich dieser Verantwortung. Und wie sagt man so schön: „Nichts ist so beständig wie ein Provisorium“, erinnert Scharf sich. Da viele Bürger vor einem aktiven Ehrenamt zurückschrecken, bleibt er bis heute der einzige auf der Liste für den Job des 1. Vorsitzenden. Und so wurde er auch in diesem Jahr als einziger Kandidat wiedergewählt. „Dennoch freue ich mich, dass ich mit 100 Prozent in meinem Amt bestätigt wurde“, sagt der Vorsitzende und hält fest, dass es in Zeiten von Corona mehr denn je gelte, den „Laden zusammenzuhalten“, Mitglieder zu binden, die Übungsleiter zu motivieren und neue Wege zu gehen, neue Konzepte zu erarbeiten, zum Beispiel, wie eine Übungsstunde auch ohne Geräte aussehen kann. Und ganz nebenbei bleiben immer noch die laufenden Aufgaben und die Koordination, die zur Vorstandsarbeit gehören.

„Der erste Lockdown traf uns als Verein – wie auch uns persönlich – wie ein Hammerschlag. Wir verfielen zunächst in eine Schockstarre, dachten 'Naja zwei Wochen Lockdown, dann Osterferien, das wird schon', dass wir aber erst im Juni wieder mit dem Trainingsbetrieb anfangen würden, damit hat keiner gerechnet“, resümiert Scharf den Beginn der Krise. Nach dem ersten Lockdown, im Juni, habe der Vorstand es den Übungsleitern dann freigestellt, ob sie wieder ihr Training aufnehmen wollen. „Schließlich setzt man sich automatisch einem erhöhten Risiko aus und auch alle Übungsleiter geben ihre Trainingsstunden ja ehrenamtlich in ihrer Freizeit“, so der Vorsitzende. Lediglich die Kindergruppen gab der Vorstand weiterhin nicht frei, da man hier Abstandsregeln während einer Übungsstunde nicht ständig einhalten könnte. „Das ist uns sehr schwer gefallen, ist die Arbeit mit und für Kinder doch ein großes Standbein für unseren kleinen, feinen Verein“, so Scharf. Bei den Erwachsenen wurde die Teilnehmerzahl auf zehn Personen pro Einheit begrenzt und es gab auch keine Freigabe der Trainingsgeräte, da der Vorstand nicht in der Lage war, die Kontrolle eines Hygieneplanes bei jedem Training zu übernehmen. Zusätzlich wurden in der Halle Verhaltensregeln initiiert und überall Desinfektionsspender installiert. In den Sommermonaten fanden viele Trainingsstunden in den Weinbergen und auf dem an die vereinseigene Turnhalle angrenzenden Außengelände statt. „Gott sei Dank meinte es der Herbst ja gut mit uns und man konnte draußen sporteln“, so der Vorsitzende.

In der Zwischenzeit hatte Scharf immer wieder Satzungen und die ständig neuen Verordnungen und Grundsätze überprüft und durchforstet, um sich genau zu orientieren. „Gefühlte 1.000 Stunden habe ich bisher damit zugebracht, herauszufinden, welche Bestimmung für wen gilt und wer was darf, da für Tischtennis andere Bestimmungen und Maßnahmen gelten, wie zum Beispiel für Rückengymnastik.“

Das alles wurde in der Jahreshauptversammlung kommuniziert, die vor dem zweiten Lockdown mit einigen Monaten Verspätung in der Vereinsturnhalle stattfand. Bei den Vorstandswahlen hatte man auch wieder eine neue Sportwartin gewählt, die mit den Übungsleitern ein neues Hygienekonzept erarbeiten wollte, um auch in der Halle Übungsgeräte nutzen zu können. „Da hat uns nun der 2. Lockdown überrollt. Wieder müssen wir alles abstellen, kein Sport in der Halle und auch den Outdoorsport auf dem Außengelände müssen wir erneut komplett runterfahren. Das trifft uns hart und wir befürchten, dass jetzt zum Jahresende die Kündigungen eintrudeln werden. Viele Mitglieder gehen davon aus, dass das Sportangebot unseres Vereines auch im folgenden Jahr nicht wie gewohnt nutzbar sein wird“, so Andreas Scharf.

Vereinsaustritte seien für den Verein das Schlimmste, was passieren könne: „Schließlich sind das zurzeit leider unsere einzigen Einnahmen, die wir dringend benötigen, um unsere vereinseigene Halle in Stand halten zu können. Zuschüsse seitens der Stadt sind derzeit für vereinseigene Hallen nicht geplant. Momentan kann man nur Zuschüsse beantragen, wenn man Mietkosten hat, jedoch die Halle nicht nutzen darf und auch keine Einnahmen zu erwarten hat. Auch die Karnevalsvereine sind hier ganz vorne zu nennen. Wir müssen jetzt Kassensturz machen und sehen, was die Zukunft bringt. Für eine dringend notwendige Dachsanierung haben wir unsere Rücklagen genutzt, die wir glücklicherweise noch hatten. Dafür konnten wir dann auch ganz regulär Zuschüsse beantragen“, so der Vorsitzende.

Wie dann tatsächlich das Sportangebot bei der TG Mittelheim in diesem Jahr aussehen wird, kann der Vorstand nicht sagen. Auch hier treffen den Verein die wenig vorausschauenden Informationen der Entscheidungsträger, die so viele Menschen derzeit im Ungewissen lassen. „Ob es möglich ist, die Halle wenigstens durch die Trainer zu nutzen, um Online-Videos für Hometraining aufzunehmen, sind wir derzeit am prüfen – damit es wenigstens irgendwie weitergeht“, sagt Andreas Scharf. Er bedauert, dass das gemeinsame Vereinsleben, das ja eigentlich erst den Verein ausmache, derzeit nicht existent ist. „Auch unsere Bar ist lange schon ausgeräumt, das 'nach-dem-Training-Bier' darf ja seit Wochen nicht ausgeschenkt werden. Sich da zu motivieren, fällt schwer. Man vermittelt eigentlich ständig zwischen Verbänden, den Beschlüssen des Kreises, den Übungsleitern und den Mitgliedern, will keine Gefährdung, aber doch auch Vereinsleben“, resümiert der Vorsitzende. Gleichzeitig hält er fest, dass man ein tolles Team sei, sowohl im Vorstand als auch bei den Übungsleitern. Und schließlich gäbe es auch viele treue Mitglieder, die auch in dieser schweren Zeit zu ihrer TG Mittelheim halten. „Gemeinsam starten wird 2021 wieder neu durch“, hoffen sie alle.

Noch keine Bewertungen vorhanden

Neueste Kommentare

Schöne Sommertage am Rhein
2 Wochen 5 Tage
Schöne Sommertage am Rhein
3 Wochen 14 Stunden
Schöne Sommertage am Rhein
3 Wochen 1 Tag
Krisenstab verschärft Maßnahmen zur Eindämmung …
5 Wochen 2 Tage
Oskar auf der Burg Rheinstein
43 Wochen 5 Tage


X