Hausbesichtigung noch vor dem Bau

Hausbesichtigung noch vor dem Bau
NASPA beschreitet mit virtueller Technik neue Vermarktungsmöglichkeiten

Künftig werden sie durch Virtual Reality und eine 3-D-Brille ersetzt.

Rheingau. (mg) – Mit der Zukunft der Immobilienbesichtigung beschäftigt sich ein Projekt, das Oliver Schwank, Geschäftsführer der NASPA Immobilien GmbH angestoßen hat. Dabei geht es um die Virtualisierung ganzer Häuser, die ein Bauträger geplant, aber noch nicht gebaut hat. Für den Makler in diesem Bauträgersektor ist die Vermarktung vor allem deshalb schwierig, da vielen Kunden das Vorstellungsvermögen fehlt, aus den eindimensionalen Bauzeichnungen sich die Dimensionen ihres neuen Heims zu erschließen.

 

In der Vergangenheit hat man sich mit Ansichtszeichnungen, fotoähnlichen Darstellungen oder auch Kunststoffmodellen aus dem 3-Drucker beholfen, weil sich Interessenten oft nur anhand der Geschosspläne die Raumaufteilung und Größen schwer vorstellen konnten.

„Ich habe auch schon mal die Dachschräge in meinem Büro an die Wand gemalt“, erklärt Schwank scherzend.

Doch jetzt soll eine neue Technik zum Zuge kommen, die Probanden und erste Kunden schon überzeugt hat. Denn als erstes Maklerunternehmen hat die NASPA Immobilien GmbH ein Bauprojekt, das in Kiedrich auf dem Gelände einer ehemaligen Gärtnerei mit drei Einfamilienhäusern entwickelt wurde, komplett aus den vorhandenen CAD-Plänen der Architekten als virtuelles Objekt programmieren lassen. Der Test kostete 25.000 Euro. Ein Aufwand, der sich derzeit noch nicht rechne. Doch diese Kosten würden recht schnell sinken, ist Oliver Schwank überzeugt. Das müssten sie auch, weil diese erheblich die Provision schmälert.

Doch die neue Technik erlaubt es, die Kunden mittels 3-D-Brille selbst durch ihr neues Haus gehen zu lassen, die Räume zu begutachten, ein Gefühl für die Dimensionen zu bekommen und sogar den Blick aus den Fenstern zu simulieren oder von der Galerie aus ins Wohnzimmer. Die Visualisierung lässt sich sogar auf die persönliche Körpergröße anpassen.

Darüber hinaus kann man live schon ausprobieren, wie ander Bodenbeläge wirken, die richtige Fliesenfarbe fürs Bad auswählen und den Weg aus dem Haus zum Stellplatz des Autos oder in den Garten beschreiten.

Die Resonanz sei bisher sehr positiv gewesen, berichte Oliver Schwank nach den ersten Präsentationen. Von der Idee bis zur Umsetzung des Projekts durch ein Unternehmen dauerte es gerade einmal zwei Wochen.

„Ältere wie jüngere Menschen nehmen die virtuelle Besichtigung mit großer Begeisterung an“, so Schwank. Anfänglich noch etwas unsicher auf den Beinen, ist der Benutzer nach ungefähr 15 Minuten gewöhnt und gefühlt in der neuen virtuellen Welt angekommen und könne die 155 Quadratmeter auf drei Etagen in allen Einzelheiten erkunden. Denn gewöhnungsbedürftig ist vor allem der Umstand, dass man sich mit Hilfe von Joysticks durch einen Raum bewegt ohne einen Schritt zu tun. Aber mit jeder Kopfbewegung eröffnet sich ein neuer Blick in die Immobilie.

Für Schwank sind virtuelle Begehungen nur ein erster Schritt in die Zukunft. Er stellt sich bereits vor, dass Besichtigungen mit Hilfe von beliebig vergrößerbaren Hologrammen aus Smartphones oder Tabletts realisiert werden.

Noch sieht er den immensen Vorteil der neuen Technik aber darin, noch nicht gebaute Bauträgerprojekte in all ihren Dimensionen und sogar mit möglichen Bemusterungen vorstellen zu können. Dabei habe die Möglichkeit zur freien Ausgestaltung der Räume auch Kostenvorteile für den Käufer, da bereits frühzeitig besondere Wünsche berücksichtigt werden können, die die Umsetzung preisgünstiger machten.

Aber auch für Bestandsimmobilien könnte mit Hilfe der 3-D-Technik eine virtuelle Besichtigung schon vorab Zeit und Fahrtkosten sparen, weil möglicherweise schon zu einem frühen Zeitpunkt Objekte ausgeschlossen oder ausgewählt würden, bevor man sie in der Realität begutachtet. Doch der Umsetzung der Technik im großen Stil stehen derzeit noch die aktuellen Kosten im Weg. Doch die sollen schon in Kürze sinken, prophezeit Schwank optimistisch.

Dass die Digitalisierung der Immobilienbranche neue Wege erschließt, davon ist er überzeugt. Dabei könnten sich ähnliche Vorteile entwickeln wie bei der Digitalisierung im verarbeitenden Sektor der Industrie.

Der Sprung in die mobile Zukunft ist zwar weitgehend gelungen. 99% der befragten Unternehmen gehen davon aus, im Jahr 2021 mobile Arbeitsgeräte einzusetzen, 75% tun dies schon jetzt. Noch ganz anders sieht die Lage in einem anderen Medium der Zukunft aus: Lediglich 2% der deutschen Unternehmen gaben 2016 an, Virtual Reality für sich zu nutzen. Allerdings prüften zu diesem Zeitpunkt 11 % bereits den Einsatz der Technologie, die nun von der NASPA Immobilien GmbH umgesetzt wurde.

In der neuen Gerätegeneration entfaltet Virtual Reality sein volles Potential. Das Erleben einer im Computer animierten Umgebung wird möglich; in einer Form, die weitgehend dem entspricht, was die Betrachter aus der analogen Realität kennen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Computer-Anwendungen auf dem Monitor wird der Anwender dabei mittels VR-Brillen direkt in das Programm hineinversetzt. Das heißt, die virtuelle Umgebung ist immer in seinem Blickfeld, er kann sich darin frei umschauen, nach vorne und hinten blicken, nach oben und unten. Auch die Bewegungen des VR-Nutzers werden nahtlos ins Virtuelle übertragen, etwa Kopfbewegungen oder Bewegungen der Hände.

Digital zuschaltbare Anzeigen erweitern das Sichtbare um Informationen, die in der analogen Realität unsichtbar wären: Rohre, Anschlüsse, elektrische Leitungen, Telefonkabel – all das tritt mit einer Geste hervor und verschwindet ebenso leicht wieder – und das zu jeder Zeit.

Gleichzeitig vermitteln zuschaltbare fotografische Umgebungen auf Wunsch einen realistischen Blick auf das Umfeld der Immobilie.

Das Potential der neuen Technik ist gewaltig. So lässt sich künftig schnell klären, wie eine Immobilie mit Wintergarten aussieht, wie sich die Sauna integrieren lässt oder eine Wand zu einer Glasfassade wird.

Die reguläre Besichtigung vor Ort wird nie verschwinden. Doch dem globalen Trend der Digitalisierung folgend verschwimmen die Grenzen zwischen virtueller und analoger Realität.

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