Generationenwechsel im Hotel Schloss Reinhartshausen-Kempinski

Generationenwechsel im Hotel Schloss Reinhartshausen-Kempinski
„Tradition und Innovationen“ sollen den wirtschaftlichen Erfolg bringen / Neuer Direktor gibt sich drei Jahre Zeit

Eine der vielen Ideen von Direktor Björn Volz: Hotelpagen in klassischer Uniform.

Erbach. (hhs) — Im Rheingauer Top Hotel „Schloss Reinhartshausen Kempinski“ wurde in diesem Sommer ein Generationenwechsel vollzogen. Der 36-jährige Hoteldirektor Björn Volz als Nachfolger von Thomas Bonanni vollzieht einen behutsamen Kurswechsel und setzt dabei auf eine Kombination aus Altbewährtem und neuen Ideen.

Das Hotel schreibt seit Jahren rote Zahlen. Nach dem Tod des früheren Investors und Hauptanteilseigners Dieter Bock vor drei Jahren strebten die Eigentümer „Freunde von Schloss Reinhartshausen“ einen Verkauf gemeinsam mit dem hoteleigenen Weingut an – was sich aber aufgrund der komplexen Situation nicht umsetzen ließ.

Nachdem nun im Frühsommer die beiden Teilbereiche wirtschaftlich getrennt wurden und das „Weingut Schloss Reinhartshausen“ an die Pfälzer Winzerfamilie Lergenmüller verkauft wurde, versuchen die Besitzer einen Neuanfang. Ihr Ziel: Das Hotel soll mittelfristig profitabel arbeiten. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde Björn Volz engagiert. Er hatte zuvor sein wirtschaftliches Geschick in Berlin bewiesen, wo er das Kempinski Hotel Bristol Berlin zum wirtschaftlich besten Jahr der jüngeren Vergangenheit führte.

Drei Jahre gibt sich Volz Zeit, um die Wende zu schaffen. „Wir wollen unser bewährtes Angebot um interessante Neuigkeiten erweitern“, lautet seine Maxime. Eine der zahlreichen Ideen hat er mit der „Summer Lounge“ bereits umgesetzt: Sie findet in den Sommermonaten jeweils donnerstags und freitags auf der Schlossterrasse statt. Am Donnerstag ist üblicherweise ein Grill-Büfett angesagt, freitags heißt es dann „Seafood-Festival“.

„Das Angebot werde bereits sehr gut angekommen“, berichtet Jil-Vivienne Schweißing – auch sie ist als „Sales Managerin“ neu im Team. Am vergangenen Freitag gab es – abweichend vom Routineprogramm – eine besondere Lounge, die unter dem Motto „Bienvenidos a Panama“ stand. Anlass dieser Veranstaltung war, den Gästen Panama im Allgemeinen und das neu zu errichtende 5-Sterne-Kempinski Ressort an der karibischen Küste Panamas näher zu bringen.

Zusammen mit seinem Partner Ulrich Schwank wird der Wiesbadener Peter Stehling, der sich im Übrigen in jungen Jahren seine ersten beruflichen Sporen bei der Firma Polster-Richter in Oestrich-Winkel verdiente, auf einem cirka 30 Hektrat großen Areal das neue Hotel mit einer Kapazität von 800 Betten errichten. Die Eröffnung ist für 2015 geplant.

Stehling lebt seit sieben Jahren in Panama, wo er zusammen mit seinem Geschäftspartner in verschiedenen Geschäftszweigen tätig ist. Ihre Unternehmensgruppe gilt mit insgesamt 200 Mitarbeitern als Größter deutscher Arbeitgeber in Panama.

Seit Mai 2013 übernahm die Unternehmensgruppe Panamas größte und bekannteste Wassermarke „Panama Blue“. Hierbei handelt es sich um Quellwasser aus dem tropischen Regenwald Panamas. Eigens zur „Panama-Night“ war dieses Wasser nach Deutschland verschifft worden. Auch zukünftig soll das kristallklare Wasser in Schloss Reinhartshausen angeboten werden.

Werbe-Botschafter

Der panamaische Botschafter Dr. Juan Ramon Porras hatte es sich nicht nehmen lassen, eigens für die „Panama-Night“ aus Berlin anzureisen. Neben der persönlichen Kontaktpflege mit VIPs aus Politik und Wirtschaft – auf der Gästeliste standen unter anderem die beiden Bundestagsabgeordneten Dr. Franz-Josef Jung und Klaus-Peter Willsch sowie die Generalkonsule von Venezuela, Costa Rica, Argentinien und Bolivien – stellte Porras die Schönheiten seiner Heimat mit einer Video-Präsentation vor. Versteht sich – fast – von selbst, dass der Botschafter auch über das „sehr wichtige und bedeutungsvolle“ Projekt des Kempinski Ressorts an der karibischen Küste informierte.

Für karibisches Flair sorgte ein Unterhaltungsprogramm, bei dem vor den Augen der Gäste von einer Kubanerin hochwertige Zigarren gerollt wurden – wenn auch auf dem Tisch und nicht auf den Oberschenkeln, wie ein Gast schmunzelnd bedauerte.

Musikalisch untermalt wurde der Abend von der angenehm dezent spielenden Jazzband „Fischer & Friends“ und dem eigens aus Panama eingeflogenen Gitarristen und Sänger Miguel Cornejo, der mit seiner Gitarre und seiner Stimme die Gäste, zumindest musikalisch, in die Karibik versetzte.

Einen gewichtigen Anteil zum Gelingen des Projekts trug das Hotel Schloss Reinhartshausen bei. Dass das Wetter tropisch war – der Freitag wurde mit über 36 Grad der heißeste Tag des Jahres – lag zwar nicht im Verantwortungsbereich von Björn Volz und seinem Team. Dass aber auch das übrige Ambiente stimmte – angefangen von den Palmen in großen Töpfen bis hin zu den zuvorkommenden Servicekräften, die alle eine Panamahut trugen, darf sich Volz schon auf seine Fahnen schreiben.

Das kulinarische Angebot schließlich war eine Koproduktion der Hotelküche mit dem Gastkoch Rogelio Vega. Zwei Tage lang hatte der Mann aus Panama in der Schlossküche geschwitzt, bis alles für sein Büfett vorbereitet war.

Das Ergebnis war ein hochinteressantes Büfett mit Leckereien wie zum Beispiel einem „tropischen Vergnügen“ aus Wolfsbarsch, Tintenfisch und Shrimps, oder Kochbananen mit gefülltem Rindfleisch oder gestampfte Maniokwurzel mit würzigem Hackfleisch. Auch die jedem Süd- und Mittelamerika-Urlauber bekannten typischen Mini-Empanadas durften nicht fehlen. Für mitteleuropäische Gaumen ungewöhnlich waren auch der mit Kokosmilch zubereitete Basmati-Reis oder Milchreis mit Ingwer, Zitrone und Kokosnuss, der Teil des Dessertbüfetts war.

„Wir entführen Sie an einen Ort, der Sie verzaubert. Wir holen für Sie alle Sinnesfreuden aus Panama in den Rheingau“, hatte der neu aufgelegte Veranstaltungskalender des Hotels versprochen. Zu diesen Sinnesfreuden zählte zu später Stunde auch ein Feuerwerk, das die Nationalfarben blau, weiß und rot in den Schlosspark zauberte.

Regionalbezug

Sehr angetan zeigte sich auch Dr. Franz-Josef Jung – Polit-Schwergewicht einerseits und Erbacher Bub andererseits. „Hier tut sich was“, fasste Jung seinen Eindrücke zusammen, um zu ergänzen: „Wir müssen die Aktivitäten von Herrn Volz und seinem Team“ unterstützen.

Zu den ersten sichtbaren Neuerungen von Björn Volz zählen die Pagen, die in klassischer Uniform die Gäste empfangen. „Das erwarten Kempinski-Gäste einfach“, weiß Volz, der bereits seit elf Jahren für verschiedene Häuser der Nobelkette arbeitet. Um sich von vergleichbaren Hotels abzugrenzen, will er ein ganz besonderes Erlebnis schaffen, „Guest-Experience“ heißt das im klassischen Neudeutsch, so wie der Hoteldirektor auch „General Manager“ auf seiner Visitenkarte stehen hat.

Dass er das größte Problem für einen wirtschaftlichen Betrieb des Hotels nicht auf die Schnelle lösen kann, weiß Volz genau: Mit 41 Zimmern und 22 Suiten ist die Übernachtungskapazität für große Tagungen zu gering. Dafür will er mit dem Umfeld werben – dem großzügigen Park, den die Nobelhotels in den Weltstädten nicht bieten können und der Rheingauer Landschaft; das Ganze bei bester Verkehrsanbindung an den Großraum Frankfurt inklusive des Flughafens. Große Autofirmen nutzen diese Möglichkeiten regelmäßig, wenn sie neue Modelle vorstellen.

Das Gros der Gäste erwartet sich Volz aus dem Rhein-Main-Gebiet, aus den wirtschaftlich starken Regionen in Nordrhein-Westfalen und dem Süden der Republik. Wichtig ist Volz aber auch die Einbindung der Rheingauer als Nachbarn und potenzielle Kunden – wenn auch nicht für Übernachtungen, dann aber doch als Tagesgäste im Restaurant oder bei einer der vielen Sonderveranstaltungen wie zum Beispiel der „Summer-Lounge“, der „langen Tafel“ oder dem „Sonntagsbrunch“, für die er – gemessen am qualitativen Angebot – mit attraktiven Pauschalen wirbt.

Ganz bewusst sucht Volz den Kontakt mit den Erbachern, den Eltvillern, den Rheingauern. Er kann sich durchaus vorstellen, während des Erdbeerfests eigene Aktionen rund um die Erdbeere auch in seinem Hotel anzubieten. Für die Rosenstadt Eltville will er mit einem „Rosen-Ball“ werben, und die Rheingauer Winzer will er ins Boot holen, indem ab sofort neben Produkten aus dem Weingut Schloss Reinhartshausen auch Weine anderer Spitzenwinzer anbietet. Für die Neuauflage des „Internationalen Riesling Symposiums“ im kommenden Jahr ist Volz gerne Gastgeber für den VdP-Rheingau.

Facelift

Bis dahin soll das „Facelift“ für das Hotel abgeschlossen sein. Der Begriff kommt ursprünglich aus der Autobranche und steht dort für Modellpflege – und genau das ist auch Volz’ Ziel: Das Bewährte soll die Stammgäste ans Haus binden, mit behutsamen Neuerungen sollen neue Gäste gewonnen werden.

Zu diesen Neuerungen zählt der Direktor die Neuausrichtung des Wellness-Bereichs. „Eigentlich ist schon alles da – Saunen, Pool, Ruhebereich“. Doch Volz fehlt der harmonische Gesamteindruck. Den könne man auch ohne großen finanziellen Aufwand erzielen, glaubt Volz. „Mit Farben, mit unauffälliger Beleuchtung, mit dezenter Beschallung“. Insbesondere will er einen eigenen Servicebereich einrichten, damit die Besucher des Wellness-Bereichs auch Getränke und kleine Speisen ordern können. Davon könnten auch Rheingauer Tagesgäste profitieren – etwa 50 Besucher aus der Region zählt Volz zum festen Besucherstamm, die dank ihrer „Pool-Mitgliedschaft“ den Wellness-Bereich regelmäßig nutzen.

Stärker auslasten will Björn Volz auch den Schlosskeller mit seinem besonderen Ambiente – beispielsweise für das klassische Candle-Light-Dinner. Auch für geschlossene Veranstaltungen biete sich das Gewölbe an. Eine andere Baustelle ist das „Fine-dining-Restaurant“. Als „Marcobrunn“ war ihm der wirtschaftliche Erfolg ebenso wenig beschieden wie unter dem aktuellen Namen „Prinzess von Erbach“. Mit einer motivierten Stammbesetzung werden die Gäste ein hochwertiges, zugleich aber vertrautes Ambiente vorfinden. Mit besonderen Aktionen, zum Beispiel im Kunst- oder musikalischen Bereich sollen neue Gäste angelockt werden.

„Ich habe eine Riesenschublade an Ideen“ sprüht der General Manager vor Tatendrang. „Wir werden die richtigen für uns finden“, ist er sich seiner Sache sicher – auch wenn es „einen langen Atem“ brauche. „Das dritte Jahr muss ein gutes werden“, legt er die Messlatte hoch – dann will er schwarze Zahlen schreiben. Wichtig für ihn, noch wichtiger für die Besitzer und wichtig auch für den Rheingau!

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