Familientreffen zum Goldenen Jubiläum / Treuebekenntnis
Erbslöh feiert „50 Jahre Fortschritt in der Getränketechnologie“ / Enge Bindung an Hochschule Geisenheim

Informative Führungen durch die Produktionshallen gehörten zum Programm des „Tages der offenen Tür“.

Geisenheim. (hhs) — Mit einem Tag der offenen Tür setzte am Samstag die Firma Erbslöh den Reigen der Festveranstaltungen zum 50-jährigen Bestehen ihrer Sparte „Getränketechnologie“ fort.

Die Kaolingruben oberhalb von Geisenheim sind längst geschlossen und teilweise mit Erdaushub befüllt. Mittlerweile hat sich ein wertvolles Biotop entwickelt. Doch das Familienunternehmen „Erbslöh“ ist Geisenheim treu geblieben. Heute ist es nicht mehr die Nähe zum Rohstoff, die die Bedeutung des Standortes ausmacht. Vielmehr sind es das gut ausgebildete Fachpersonal und der Wissenspool der Hochschule Geisenheim, von denen Erbslöh profitiert.

„In Geisenheim beschäftigen wir derzeit mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, erklärt Vorstand Dr. Jörg Möller. Weltweit sind es 130, die einen Gesamtumsatz von 35 Millionen Euro erzielen. Etwa zehn der wissenschaftlichen Mitarbeiter sind Absolventen der ehemaligen Fachhochschule Geisenheim. Mit der Forschungsanstalt und mit der Hochschule als ihrer Nachfolgerin pflegt Erbslöh einen regen wissenschaftlichen Austausch.

Den guten Namen, den Geisenheim in der Getränkewelt hat, nutzt die Firma ganz gezielt auch für ihre Belange: „Der Name Geisenheim genießt in der Weinbranche weltweit einen herausragenden Ruf. Deshalb betonen wir auch immer wieder, dass wir in Geisenheim ansässig sind – und es auch bleiben werden“, gab Dr. Möller ein Treuebekenntnis zum Stammsitz ab. Bürgermeister Frank Kilian hörte es mit Freuden.

Kilian war einer der ersten geladenen Gäste, die am Samstag zum Tag der offenen Tür auf das Werksgelände gekommen waren. „Es ist hoch interessant, wie sich der Betrieb in den letzten Jahren entwickelt hat“, staunte der Bürgermeister. Bei einer der regelmäßigen Führungen gewann er einen Einblick in die Produktion von Hefen, Enzymen und dem Bentonit – das schon früh unter der Bezeichnung „Geisenheimer Erde zur Weinschönung“ die Basis für den wirtschaftlichen Erfolg von Erbslöh legte.

Unsere Produktionsanlagen sind „das Modernste, was es gibt“, berichtete Prokuristin Anne Schmitt bei ihrer Führung durch die Produktion. Doch bei aller Automatik brauche man auch hochqualifizierte Mitarbeiter.

Koscher und halal

Weil es keine Ausbildungsgänge für die besonderen Anforderungen, die Erbslöh an seine Mitarbeiter stellt auf dem Arbeitsmarkt gibt, hat die Firma ein eigenes Ausbildungs- und Weiterbildungsprogramm für ihr spezielles Berufsbild ins Leben gerufen. „Uns ist die Qualität der Arbeitsplätze sehr wichtig, erläuterte Schmitt weiter. Wo man den Mitarbeitern die Arbeit erleichtern könne, setze man das gerne um.

Gearbeitet wird üblicherweise im Ein-Schicht-Betrieb. Doch in der Hochsaison im Herbst läuft der Betrieb in zwei Schichten. „In sechs bis acht Wochen machen wir 50 Prozent unseres Jahresumsatzes“, erzählt Anne Schmitt.

„Unsere Produkte gehen überall hin in die Welt, wo gute Getränke hergestellt werden“. Erbslöh ist auch zertifiziert für Produkte für jüdische wie für islamische Kunden: Ob „koscher“ oder „halal“ – auch solche Produkte kann Erbslöh liefern.

Biotechnologie

In den Labors werden ständig neue Produkte entwickelt bzw. weiter entwickelt. In der Getränketechnologie, auf die Erbslöh seit 50 Jahren setzt, gibt es „viele kleine, fleißige Helfer“, berichtet Dr. Jürgen Fröhlich bei einem Einblick in sein Enzymlabor. Ständige Qualitätskontrollen sollen die hohe Qualität von Hefen und Enzymen sichern.

Doch das Herzstück bleibt das Bentonit, das vor 50 Jahren die Initialzündung für den Getränketechnologiemarkt gab. Das Tonmineral, das aus Vulkanasche gewonnen wird, kann Eiweiß adsorbieren und damit die Trübung in Traubenmost, Jungweinen und Fruchtsäften verhindern, brachte es Dr. Jürgen Meinl auf den Punkt. Jeden Tag werden in Geisenheim – weitestgehend automatisiert und in einem komplett geschlossenen Prozess ohne jegliche Emissionen – 40 Tonnen abgepackt. Gesteuert wird die Anlage von nur zwei Mitarbeitern.

„Mein Vater hat vor 50 Jahren erkannt, dass wir uns etwas Neues ausdenken mussten, als das Kaolin in Geisenheim zur Neige ging“, erinnerte sich Seniorchef Gerd Erbslöh, der ebenfalls interessierter Gast bei der Führung war. Er sehe sich als „zufriedener Zuschauer“, umschrieb er bescheiden seine Rolle. Noch immer kommt der greise Seniorchef jeden Tag in sein Büro – ist er doch als Patriarch der „Erbslöh-Holding“ einer der wichtigsten Repräsentanten der Gesellschafter.

Investitionen

Den engen Bezug zur Familie Erbslöh hält auch der aktuelle Vorstand aufrecht. So ist Dr. Jörg Möller der Schwager einer der Erbslöhtöchter. Er betont, dass die Firma Erbslöh sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen will. „Wir investierten ständig in Forschung und Entwicklung, um unsere führende Stellung am Markt zu behaupten“. In den letzten fünf Jahren hat sich der Mitarbeiterstamm von Erbslöh dank des Wachstums auf dem heimischen Markt und der weltweiten Expansion verdoppelt.

Möller betont, dass Erbslöh nicht daran denkt, die Produktion zu verlagern: „Es ist uns wichtig, nicht nur alle Maßnahmen im Bereich Forschung und Entwicklung in eigener Regie durchzuführen – wir geben auch die Produktion nicht aus der Hand. Durch eigene Produktionsanlagen können wir sicherstellen, dass unsere Kunden mit Spezialprodukten in bester Qualität beliefert werden“.

In Geisenheim und hier speziell im Stadtteil Pflänzer ist Erbslöh fest verwurzelt. Die Firma residiert in der „Erbslöhstraße“, hat nach dem Krieg das Gelände für die Kirche im Pflänzer gestiftet und auch ihren Mitarbeitern durch die Überlassung von Grundstücken den Bau von Eigenheimen ermöglicht.

Diese enge Bindung zeigte sich auch am Tag der offenen Tür, zu dem die Mitarbeiter eingeladen waren, ihre Familien mit zu bringen. Einladungen gingen auch an die Nachbarn im Pflänzer. „Für Ihr leibliches Wohl haben wir gesorgt“, hatte Erbslöh versprochen. Für die kleinen Gäste stand eine Kinderanimation auf dem Programm.

Gäste waren natürlich auch Geschäftspartner – sie alle mischten sich auf dem Werksgelände, nahmen an den informativen Führungen teil oder hörten sich populär-wissenschaftliche Vorträge an.

Hier war bezeichnend, dass mit Professor Doris Rauhut eine Wissenschaftlerin der Hochschule Geisenheim über Reinzuchthefen sprach – womit die enge Bindung von Erbslöh an die Hochschule einmal mehr unterstrichen wurde.

Weitere Artikelbilder:

Noch keine Bewertungen vorhanden

Neueste Kommentare

Betrieb im Kindergarten Ranselberg geht weiter
5 Wochen 5 Tage
60 Menschen verlieren ihren Job
26 Wochen 6 Tage
Dem Opernsänger Peter Parsch zum Gedenken
36 Wochen 3 Tage
Kathrin Palmen spielt jetzt im Hauptorchester
37 Wochen 5 Tage
Doro rockt – Rüdesheim schwitzt
1 Jahr 2 Wochen


X